Kriegsverbrechen Belgisches Gericht verurteilt Ruander wegen Völkermordes

Ein Gericht in Brüssel hat einen früheren Regierungsvertreter aus Ruanda wegen seiner Beteiligung am Völkermord an der Tutsi-Minderheit schuldig gesprochen. Fabien Neretsé droht eine lebenslange Haftstrafe.
Fabien Neretsé wurde auch wegen Kriegsverbrechen schuldig gesprochen

Fabien Neretsé wurde auch wegen Kriegsverbrechen schuldig gesprochen

Foto: John Thys/ AFP

Ein belgisches Gericht hat den früheren ruandischen Regierungsvertreter Fabien Neretsé wegen Völkermordes für schuldig befunden. Der 71-Jährige trage die Verantwortung für Massaker, die 1994 an der Minderheit der Tutsi in Ruanda begangen wurden, befand ein Gericht in Brüssel. Die Richter verurteilten Neretsé überdies wegen Kriegsverbrechen. Das Strafmaß muss noch verkündet werden.

Neretsé ist der erste Mensch, der in Belgien wegen Völkermordes verurteilt wird. Ihm droht nun eine lebenslange Haftstrafe. Die belgische Staatsanwaltschaft ist sicher, dass der 71-Jährige in seiner Heimatregion ein Drahtzieher des Völkermordes war. Er weist die Vorwürfe zurück.

Neretsé soll Miliz geleitet haben

Laut der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws " warf die Anklage Neretsé vor, in Kigali drei Familien der Tutsi-Minderheit an das Militär verraten zu haben, als diese fliehen wollten. Zehn Menschen wurden in der Folge von Soldaten erschossen, darunter auch eine Belgierin, ihr Mann und die gemeinsame Tochter. Eine weitere Person starb auf der Flucht.

Neretsé sei anschließend in sein Heimatdorf zurückgekehrt und habe dort eine Miliz gegründet und geleitet. Sie soll eine Vielzahl von Massakern an Angehörigen der Tutsi-Minderheit und gemäßigten Hutu verübt haben. Wieviele Menschen der Miliz zum Opfer fielen, ist demnach nicht bekannt.

1994 hatten in Ruanda Vertreter der Hutu-Mehrheit etwa 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit sowie gemäßigte Hutu getötet. Das Massaker wurde erst nach rund 100 Tagen beendet, als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit dem heutigen Präsidenten Paul Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte.

höd/Reuters/dpa
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