Terrorwarnung in Brüssel Belgische Polizei sucht offenbar zwei Terrorverdächtige

Brüssel hat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen, das öffentliche Leben liegt weitgehend still. Jetzt haben belgische Politiker erklärt, wonach die Sicherheitskräfte suchen: gefährliche Terroristen, offenbar mindestens zwei.


In Brüssel sollen sich zwei gefährliche Terroristen aufhalten, die im Zusammenhang mit den verheerenden Anschlägen von Paris gesucht werden. Das sagte der Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek.

"Es gibt diese Gefahr", so Bernard Clerfayt im belgischen Rundfunk RTBF. "Wir haben erfahren, dass sich zwei Terroristen auf Brüsseler Territorium befinden und gefährliche Taten verüben könnten." Deshalb müsse man sehr wachsam bleiben.

Auch Belgiens Innenminister Jan Jambon sprach im Radio von "mehreren Verdächtigen". Einer davon könnte Salah Abdeslam sein, nach dem die Polizei seit mehr als einer Woche fahndet. Er ist der Bruder eines der Pariser Selbstmordattentäter und wohnte zuvor im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Abdeslam soll an den Anschlägen in Paris mit 130 Toten beteiligt gewesen sein und sich seitdem in Brüssel verstecken.

Ein festgenommener Freund von ihm, Hamza Attouh, soll ausgesagt haben, Abdeslam nach den Pariser Anschlägen in Brüssel abgesetzt zu haben. Er habe zudem berichtet, dass Salah Sprengstoff bei sich tragen könnte und dass er "sehr gefährlich und ganz schön wütend" gewesen sei. Das sagte Attouhs Anwältin dem Radio RTBF, berichtete die Nachrichtenagentur Belga.

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Terrorwarnung in Brüssel: Belgien bangt
In der belgischen Hauptstadt steht das öffentliche Leben auch am Sonntag weitgehend still. Im Großraum Brüssel und in der Stadt Vilvoorde in Flandern gilt bereits seit Samstagmorgen die höchste Terrorwarnstufe. Alle U-Bahnen in Brüssel wurden gestoppt, Kaufhäuser, Museen, Kinos und das Wahrzeichen der Stadt, das Atomium, blieben geschlossen. Zahlreiche Großveranstaltungen in der Region wurden abgesagt.

Die Menschen wurden aufgefordert, "Konzerte, Großveranstaltungen, Bahnhöfe und Flughäfen, Nahverkehr" und viel besuchte Geschäfte zu meiden. Das belgische Krisenzentrum in Brüssel teilte am Sonntag mit, dass die höchste Terrorwarnstufe für die Großstadtregion auch weiterhin gelte. Im übrigen Belgien bleibe die zweithöchste Warnstufe bestehen.

Am Sonntagnachmittag soll über die Verlängerung der Maßnahmen entschieden werden. Das Krisenzentrum kündigte eine Neubewertung der Lage an, für 17 Uhr wurde der nationale Sicherheitsrat aus Regierung und Experten einberufen. Der Verkehrsbetreiber Stib wollte den Metro-Verkehr mindestens bis Montag früh einstellen. Auf der Stib-Webseite stand für Sonntag der Hinweis: "Alle unsere Metro-Stationen bleiben geschlossen. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme."

Im Video: Terroralarm in Brüssel

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Belgiens Regierungschef Charles Michel sprach am Samstag von "vergleichsweise präzisen Informationen" über mögliche Anschläge, wie sie in Paris verübt worden seien. Mögliche Ziele seien "Einkaufsstraßen, Demonstrationen, belebte Orte und Verkehrsmittel". Belgiens Außenminister Didier Reynders sprach von einer "präzisen und unmittelbaren Bedrohung". Berichte, Fahnder hätten bei Hausdurchsuchungen am Freitagabend neben Waffen auch Metro-Pläne der Stadt gefunden, kommentierte die Staatsanwaltschaft nicht.

Die Attentäter von Paris hatten enge Verbindungen nach Brüssel. Der mutmaßliche Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud war Belgier mit marokkanischen Wurzeln und lebte früher im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Auch Salah Abdeslam, der Bruder eines Selbstmordattentäters, hat in Brüssel gewohnt - und wird immer noch gesucht.

Zudem sollen Verwandte von Abaaoud in Belgien leben. "Es kann eine oder mehrere Terrorzellen geben, die immer noch eine Gefahr darstellen", sagte der Terrorexperte André Jacob im belgischen Radio RTBF. "Das sind Belgier, die sich vor Ort sehr gut auskennen."

mxw/dpa/Reuters

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