Bengasi Auswärtiges Amt eröffnet Büro in libyscher Rebellenhochburg

Der Westen sucht engeren Kontakt zu den libyschen Rebellen: Deutschland will ein Verbindungsbüro in Bengasi einrichten, Großbritannien bietet den Regime-Gegnern eine Außenstelle in London an. Machthaber Gaddafi zeigte sich erstmals seit dem Tod seines Sohnes im Fernsehen.

Libyscher Rebell (Archivbild): Stärkere Unterstützung von Europa
REUTERS

Libyscher Rebell (Archivbild): Stärkere Unterstützung von Europa


Berlin/London - Bald gibt es eine deutsche Vertretung in der libyschen Rebellenhochburg: Deutschland wird in Kürze ein Verbindungsbüro in Bengasi eröffnen. Ziel sei es, dort einen ständigen Kontakt mit dem Nationalen Übergangsrat der libyschen Rebellen aufzubauen und die Unterstützung für die Bevölkerung in Ost-Libyen zu begleiten, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Als Leiter des Büros sei zu Wochenbeginn "ein erfahrener Diplomat" benannt worden, hieß es. Deutschland hat bisher sieben Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Libyen zur Verfügung gestellt. Erst am Mittwoch hatte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Eröffnung eines Büros in Bengasi angekündigt, um der Zivilbevölkerung besser helfen zu können.

Die Gegner des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi bekommen unterdessen auch Unterstützung aus Großbritannien: Premierminister David Cameron hat den Rebellen die Eröffnung einer Vertretung in London angeboten. Außerdem kündigte er am Donnerstag nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden des Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, in London an, dass auch die britische Präsenz in Bengasi verstärkt werde. Zudem soll Ausrüstung im Wert von "mehreren Millionen Pfund" an die dortige Polizei geschickt werden.

Großbritannien sei entschlossen, für eine stabile Zukunft Libyens mit dem Rat zusammenzuarbeiten, sagte Cameron nach Gesprächen mit Dschalil, dem Ex-Justizminister von Gaddafi. "Der Rat steht für die Zukunft Libyens, so wie Gaddafi für seine Vergangenheit steht." Das Gremium werde immer stärker und besser organisiert, während das Regime von Gaddafi zusammenfalle.

Die US-Regierung hat erstmals Vertreter der libyschen Rebellen ins Weiße Haus eingeladen. Eine Delegation des oppositionellen Übergangsrats werde am Freitag in Washington erwartet, sagte das Weiße Haus am Donnerstag. Die Gruppe, darunter ihr Vorsitzender Mahmud Dschibril, werde mit dem nationalen Sicherheitsberater Tom Donilon und mit Mitgliedern des Kongresses zusammentreffen. Ein Gespräch mit US-Präsident Barack Obama ist offenbar nicht geplant.

Gaddafi zeigt sich nach Wochen wieder im Staatsfernsehen

Offenbar um Gerüchte über seinen Gesundheitszustand zu zerstreuen, trat Gaddafi am Mittwoch erstmals nach Wochen wieder im Fernsehen auf. Um die Aktualität der Bilder von einem Treffen mit Stammesführern zu beweisen, wurde die Kamera eigens auf einen Fernsehbildschirm mit dem Datum 11. Mai gerichtet. Der Machthaber war lange nicht mehr im libyschen Fernsehen aufgetaucht, weshalb spekuliert wurde, er sei bei dem Nato-Luftangriff am 30. April auf sein Anwesen verletzt worden. Sein jüngster Sohn Saif al-Arab war bei dem Angriff ums Leben gekommen.

Nur wenige Stunden nach Gaddafis TV-Auftritt bombardierte die Nato am Donnerstag wieder eines seiner Anwesen in Tripolis und drei weitere Ziele in der Hauptstadt. Dabei soll es auch mehrere Tote gegeben haben, konkrete Angaben lagen aber nicht vor.

Kurz nach der letzten Explosion waren am Donnerstagmorgen Sirenen von Krankenwagen zu hören. Über dem Anwesen Bab al-Asisija stiegen Rauchsäulen auf. Im nahegelegenen Chadra-Krankenhaus wurden zwei Männer eingeliefert, die nach Angaben von Rettungskräften bei dem Luftangriff getötet worden waren. Die Sanitäter sagten, bei dem Angriff seien noch weitere Menschen ums Leben gekommen.

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass ein Militärattache aus Gaddafis Armee zu den Aufständischen übergelaufen ist. Der Mann sagte dem TV-Sender al-Arabija, er werde sich "mit ganzem Herzen" der Sache der Rebellen anschließen.

Seit Ende März flogen Nato-Kampfflugzeuge nach Angaben des Militärbündnisses mehr als 2400 Luftangriffe auf Libyen. Durch die ständigen Attacken haben die Aufständischen zuletzt offenbar etwas an Boden gewinnen können. Sie meldeten die Einnahme des Flughafens der umkämpften Stadt Misurata, was von der libyschen Regierung aber dementiert wurde.

lgr/dpa/AFP/dapd

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carahyba, 12.05.2011
1. Im Westen nix Neues
Zitat von sysopEuropäische Länder suchen engeren Kontakt zu den libyschen Rebellen: Deutschland will ein Verbindungsbüro in Bengasi einrichten, Großbritannien bietet den Regime-Gegnern eine Außenstelle in London an. Machthaber Gaddafi zeigte sich erstmals seit dem Tod seines Sohnes im Fernsehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762229,00.html
Einem Gaddafi-Aftritt im Fernsehen folgt Bombardierung, so manifestiert sich die Hilflosigkeit der humanitaeren Interventionisten. Da die Bevoelkerung verstockt ist und Gaddafi stuezt oder duldet muss sie durch Bombardements eingeschuechtert werden. Dieses Vorgehen wird den Widerstamnd nicht brechen, im Gegenteil.
angakin 12.05.2011
2. ausländische Vertretung
Zitat von sysopEuropäische Länder suchen engeren Kontakt zu den libyschen Rebellen: Deutschland will ein Verbindungsbüro in Bengasi einrichten, Großbritannien bietet den Regime-Gegnern eine Außenstelle in London an. Machthaber Gaddafi zeigte sich erstmals seit dem Tod seines Sohnes im Fernsehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762229,00.html
Also prinzipiell ist die Einrichtung eines Verbindungsbüros zu begrüßen. Vielleicht kann man die Rebellen dahingehend beeinflussen, daß die Islamisten unter Ihnen nicht die Oberhand gewinnen. Sprechen darf der Übergangsrat in Bengasi aber höchstens für die Region Cyrenaika, nicht für Gesamtlibyen. Die UN-Resolution darf nicht dazu benutzt werden die gewaltsame Einnahme der restlichen libyschen Städte zu unterstützen.
xxyxx 12.05.2011
3. Misrata Airport
Zitat von sysopEuropäische Länder suchen engeren Kontakt zu den libyschen Rebellen: Deutschland will ein Verbindungsbüro in Bengasi einrichten, Großbritannien bietet den Regime-Gegnern eine Außenstelle in London an. Machthaber Gaddafi zeigte sich erstmals seit dem Tod seines Sohnes im Fernsehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,762229,00.html
Die Eroberung des Flughafens von Misrata durch die Rebellen wird mittlerweile auch von ausländischen Journalisten vor Ort bestätigt (NYT, AFP). Siehe z.B. hier: http://www.nytimes.com/2011/05/12/world/africa/12libya.html?pagewanted=1&_r=1&hp Aktuell scheint es wohl so zu sein, daß die zermürbenden Luftangriffe der NATO in Kombination mit planvolleren und koordinierteren Vorgehen der Rebellen (ggf. ermöglicht durch ausländische "Militärberater") den Rebellen einige taktische Erfolge ermöglichen. Trotzdem ist es -schon aufgrund ihrer zahlenmäßigen Schwäche- eher unwahrscheinlich, daß die Rebellen aus ihrer jetzigen Positionen heraus in der Lage sein werden, größere Städte wie Sirte oder Tripolis anzugreifen, wenn es nicht in diesen Städten selbst zu Erhebungen kommt. Nach wie vor wird es also für den weiteren Verlauf dieses Konflikts vor allem darauf ankommen, ob es einer Seite noch gelingt, die Unterstützung breiterer Teile der Bevölkerung zu gewinnen. Eines der nachvollziehbarsten, auffälligsten -und trotzdem eher wenig besprochenen- Kennzeichen dieses Konflikts ist nämlich die in der Bevölkerung weitverbreitete Unwilligkeit, sich für irgendeine der beiden Bürgerkriegsparteien zu begeistern oder zu engagieren. Im Raum Bengasi/Tobruk/Adjadabia (ca. 1 Million Einwohner) konnten für die Rebellenarmee gerade mal rund 12.000 Kämpfer rekrutiert werden, wobei der Zulauf in den letzten Wochen fast auf Null abgesunken ist. In der Stadt Misrata (etwa 250.000 Einwohner in Friedenszeiten)konnten die Rebellen lediglich etwa 2.000 bis 3.000 Kämpfer mobilisieren. Der Regierungsseite geht es aber nicht besser. Alle Ankündigungen der letzten Wochen, mit Hilfe der Stämme eine Massenmobilierung gegen die Rebellen in Gang zu bringen, haben sich regelmäßig nur als heiße Luft erwiesen.
Hape1 12.05.2011
4. ...
Zitat von angakinAlso prinzipiell ist die Einrichtung eines Verbindungsbüros zu begrüßen. Vielleicht kann man die Rebellen dahingehend beeinflussen, daß die Islamisten unter Ihnen nicht die Oberhand gewinnen. Sprechen darf der Übergangsrat in Bengasi aber höchstens für die Region Cyrenaika, nicht für Gesamtlibyen. Die UN-Resolution darf nicht dazu benutzt werden die gewaltsame Einnahme der restlichen libyschen Städte zu unterstützen.
Die UN-Resolution WIRD seit Beginn des NATO-Einsatzes dazu benutzt, dass die libyschen Städte gewaltsam eingenommen werden. Anders ist die Bomberdierung von Tripolis und die der libyschen Truppen um Misurata nicht zu erklären.
cour-age 12.05.2011
5. sie
Zitat von carahybaEinem Gaddafi-Aftritt im Fernsehen folgt Bombardierung, so manifestiert sich die Hilflosigkeit der humanitaeren Interventionisten. Da die Bevoelkerung verstockt ist und Gaddafi stuezt oder duldet muss sie durch Bombardements eingeschuechtert werden. Dieses Vorgehen wird den Widerstamnd nicht brechen, im Gegenteil.
wünschen sich sicher einen Gaddafi auch als FÜHRER in Deutschland oder in Brasilien. Das liest man permanent aus Ihren Beiträgen heraus.
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