Trauermarsch in Paris Netanyahu soll sich selbst eingeladen haben

Nicolas Sarkozy? Stand nicht da, wo er sollte. Barack Obama? War gar nicht da. Und Benjamin Netanyahu? War bei der Trauerfeier in Paris sehr präsent - hätte aber eigentlich zu Hause bleiben sollen.
Israels Ministerpräsident Netanyahu (l.) auf dem Trauermarsch: Serie von protokollarischen Verfehlungen

Israels Ministerpräsident Netanyahu (l.) auf dem Trauermarsch: Serie von protokollarischen Verfehlungen

Foto: PHILIPPE WOJAZER/ AFP

Paris - Es war ein denkwürdiger Sonntag in Paris - in vielerlei Hinsicht. Wegen der überwältigenden Beteiligung an der Trauerfeier und dem Gedenkmarsch für die Opfer der "Charlie Hebdo"-Morde. Wegen der beeindruckenden Bilder von mehr als 40 Staats- und Regierungschefs, Arm in Arm gegen den Terrorismus. Aber auch wegen einer ganzen Serie von protokollarischen Verfehlungen rund um die Feier.

Zunächst kam US-Präsident Barack Obama gar nicht nach Paris - und sorgte damit in der Heimat für Irritation. Dann fiel auf, dass sich Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy bei dem Marsch in die erste Reihe gemogelt hatte. Dort hatte er eigentlich nichts verloren.

Und jetzt gibt es auch noch Diskussionen um Benjamin Netanyahu.

Israels Ministerpräsident soll sich gegen den Willen der französischen Regierung selbst zum großen Trauermarsch für die Opfer der Anschläge von Paris eingeladen haben. Dies berichten übereinstimmend mehrere israelische Medien.

Der private Fernsehsender Kanal 2 und zahlreiche israelische Tageszeitungen melden, dass das französische Präsidialamt darüber verärgert gewesen sei, dass Netanyahu auf sein Kommen zu dem Marsch bestanden habe. Daraufhin habe das Präsidialamt auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eingeladen.

Der aktuelle Wahlkampf in Israel sei der Grund für das forsche Verhalten Netanyahus, spekulieren die israelischen Medien. Auf Fernsehbildern fiel auf, dass Netanyahu im Vergleich zu den anderen Spitzenpolitikern mit dem Winken in der Pariser Menge gar nicht mehr aufhörte.

Die Regierungen in Israel und Frankreich reagierten zunächst nicht auf Anfragen zu den Berichten.

Spekulationen über Annäherung im Nahostkonflikt

Bei dem von Frankreichs Staatschef François Hollande angeführten Trauermarsch liefen Abbas und Netanyahu in der ersten Reihe und nur drei Meter voneinander entfernt. Der Auftritt hatte Spekulationen über eine mögliche Annäherung im Nahostkonflikt ausgelöst.

Die Tageszeitung "Haaretz" berichtet dagegen, Hollandes diplomatischer Berater Jacques Audibert habe dem israelischen Sicherheitsberater Jossi Cohen mitgeteilt, der französische Präsident zöge es vor, dass Netanyahu nicht komme. Als Quelle nennt die Zeitung beteiligte Regierungskreise in Israel.

Hollande wollte den Angaben zufolge vermeiden, dass der Nahostkonflikt vom Trauerzug ablenkt. Der israelische Regierungschef habe sich zunächst auch einverstanden erklärt. Erst als am Samstagabend bekannt wurde, dass sein Außenminister Avigdor Lieberman und Wirtschaftsminister Naftali Bennett in Paris dabei sein würden, habe Netanyahu Frankreich mitgeteilt, dass er doch komme. Die beiden Minister treten als Chefs von mit Netanyahu konkurrierenden Rechtsparteien am 17. März bei den Knesset-Wahlen an.

In Paris wurde daraufhin den Berichten zufolge entschieden, auch Abbas nach Paris zu bitten. Dieser hatte laut seinem Außenminister Riad al-Malki sogar dem französischen Präsidialamt zunächst mitgeteilt, er könne aus mehrere Gründen, darunter Unwetter, nicht am Trauermarsch teilnehmen. Mit Blick auf den Zuwachs auf der Gästeliste hätte er es sich dann aber doch anders überlegt.

jok/mka/dpa
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