Israels Premier besucht Moskau Netanyahu, Putin und der Leichnam des Zachary Baumel

Fünf Tage vor der Knesset-Wahl reist Benjamin Netanyahu zu Wladimir Putin nach Moskau. Beide Politiker feiern sich selbst - für die Rückführung eines getöteten israelischen Soldaten aus Syrien.

Benjamin Netanyahu und Wladimir Putin in Moskau: "Persönliche Freundschaft"
Alexander Zemlianichenko/AFP

Benjamin Netanyahu und Wladimir Putin in Moskau: "Persönliche Freundschaft"

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Wladimir Putin und Benjamin Netanyahu haben sich an diesem Donnerstag in Moskau getroffen - zum 13. Mal seit 2015. Doch dieses Treffen war kein Routinetermin. Nicht nur der Zeitpunkt - fünf Tage vor der Parlamentswahl in Israel - lässt aufhorchen: Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Übergabe der sterblichen Überreste des israelischen Soldaten Zachary Baumel, der seit 37 Jahren vermisst wurde.

Baumel - 1960 in Brooklyn geboren und als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Israel ausgewandert - hatte als Oberfeldwebel der israelischen Armee im Ersten Libanonkrieg 1982 gekämpft. Seit der Schlacht gegen Einheiten der syrischen Armee um das Dorf Sultan Yacoub im libanesischen Bekaa-Tal verlor sich die Spur von Baumel und seinen beiden Kameraden Zvi Feldman und Yehuda Katz. Ob die drei Soldaten dem syrischen Militär tot oder lebendig in die Hände gefallen waren, blieb lange unklar. Baumels Familie wollte noch im Jahr 2006 Hinweise erhalten haben, dass ihr Sohn in syrischer Gefangenschaft lebe.

Zachary Baumel (undatiert)
IDF/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Zachary Baumel (undatiert)

Nun hat die Familie Gewissheit: Baumel ist tot, seine Überreste können noch am Donnerstag in Israel beigesetzt werden. Der Fund, die Identifizierung und die Rückgabe des Leichnams sind das Ergebnis einer engen diplomatischen und geheimdienstlichen Zusammenarbeit zwischen Israel und Russland. Und diese Kooperation haben Netanyahu und Putin bei ihrem Treffen im Kreml gefeiert.

Lieberman ließ Kontakte nach Moskau spielen

"Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für Ihre persönliche Freundschaft und Ihre Haltung", sagte Netanyahu vor Journalisten in Moskau zu Putin. "Wir teilen gemeinsame Werte." Wie schon bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump Anfang vergangener Woche im Weißen Haus setzt Netanyahu kurz vor der Knessetwahl das Zeichen: Ich habe Einfluss in den USA und Russland - und das macht sich für Israel bezahlt.

Sowohl bei der Anerkennung der israelischen Souveränität über den Golan, die Trump im Beisein Netanyahus besiegelte, als auch bei der Heimholung des toten Soldaten, bleibt der Opposition um Herausforderer Benny Gantz keine andere Wahl, als ihr Lob auszusprechen.

Laut israelischen Medienberichten arbeiteten Israel und Russland zwei Jahre daran, Baumels Leiche ausfindig zu machen und nach Hause zu bringen. Nachdem der in der Sowjetunion geborene Avigdor Lieberman im Mai 2016 Verteidigungsminister wurde, habe er seine guten Kontakte nach Moskau genutzt, um die Suche zu beschleunigen.

Die israelische Militärzensur hält den genauen Fundort der Leiche bislang geheim. Israelische Medien verweisen jedoch auf einen Bericht des mit dem syrischen Regime verdrahteten libanesischen Fernsehsenders Al Mayadeen. Demnach waren die sterblichen Überreste auf einem Friedhof im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk am Stadtrand von Damaskus begraben. Jarmuk befand sich zwischen April 2015 und Mai 2018 in den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Nach der Rückeroberung hätten die syrische Armee und das russische Militär dort den Leichnam ausfindig gemacht. "Wir sind sehr glücklich, dass er jetzt zu Hause die nötigen militärischen Ehren bekommt und das seine Angehörigen ihm jetzt Blumen ans Grab bringen können", sagte Putin.

Ohne Putin läuft nichts in Syrien

In einer kleinen Zeremonie im Verteidigungsministerium übergab die russische Armee Netanyahu einen mit der israelischen Flagge geschmückten Sarg, in dem sich persönliche Gegenstände Baumels befinden sollen.

Sarg mit israelischer Flagge
Kobi Gideon/ GPO/ Getty Images

Sarg mit israelischer Flagge

Russische Soldaten in Paradeuniform ehrten den Gefallenen zudem mit einem Kranz in den russischen Landesfarben.

Die Übergabe der Gebeine ist auch für den russischen Staatschef ein Erfolg: Er kann sich als ehrlicher Makler inszenieren, der dem syrischen Regime Zugeständnisse abtrotzt. Und er kann seinen Bündnispartner Baschar al-Assad als Staatsmann präsentieren, mit dem man trotz aller Schwierigkeiten handeln kann. Nicht einmal die US-Anerkennung der israelischen Golan-Annektion, die das syrische Regime verärgert hatte, verhinderte die Übergabe des gebürtigen US-Amerikaners Baumel.

Insgesamt sind in den vergangenen Wochen die Überreste von 20 Menschen aus Syrien nach Israel gebracht worden. Baumel ist der erste, der identifiziert wurde. Möglicherweise werden in den kommenden Wochen weitere israelische Schicksale nach Jahrzehnten geklärt.



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