Benzinknappheit in Gaza Uno setzt Lebensmittel-Lieferungen aus

Wegen Treibstoffmangels setzen die Vereinten Nationen die Lebensmittel-Lieferungen für anderthalb Millionen Menschen im Gaza-Streifen aus. Die extremistische Hamas nutzt unterdessen die Krise um sich zu profilieren und funktioniert Polizeiwagen als Taxis um.

Gaza - "Wir haben unsere Benzinvorräte aufgebraucht und sind deshalb gezwungen, ab Montag unsere Lebensmittellieferungen für anderthalb Millionen Bewohner des Gazastreifens zu stoppen", sagte der Sprecher des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Chris Gunness, am Sonntag. Die Uno befinde sich zum zweiten Mal binnen einer Woche in einer derartigen Lage, sagte er und warnte vor "langfristig sehr ernsten humanitären Problemen". Bereits Ende April hatte das UNRWA vier Tage lang die Hilfslieferungen für 650.000 palästinensische Flüchtlinge im Gazastreifen ausgesetzt, weil es kein Benzin für Lastwagen mehr hatte.

Die israelische Armee teilte mit, der einzige für Treibstofflieferungen vorgesehene Grenzübergang Nahal Os sowie der Kontrollposten Karni blieben "bis auf weiteres" geschlossen. Zuvor seien in der Nähe beider Grenzposten von Palästinensern abgeschossene Mörsergranaten eingeschlagen. Die El-Kuds-Brigaden, bewaffneter Arm der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad, bekannten sich in einer am Sonntagabend in Gaza veröffentlichten Erklärung zu vier Raketenangriffen auf den Grenzübergang Nahal Os und die israelische Stadt Sderot.

Israel hat seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Juni 2007 seine Öl- und Stromlieferungen in das Palästinensergebiet schrittweise immer stärker reduziert und hatte den Gazastreifen zwischenzeitlich sogar komplett abgeriegelt. Die israelische Regierung protestiert damit nach eigener Darstellung gegen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

Unterdessen versucht die extremistische Hamas aus der Krise Kapital zu schlagen und stellt aufgrund der Benzinknappheit ihre Polizeiwagen als Taxis zur Verfügung. Die Fahrt ist gratis. Auf den ersten Polizeiwagen wurden am Sonntag orangefarbene Aufkleber mit der Aufschrift "Wir sind bereit, Sie kostenlos zu fahren" angebracht.

Israel hat die Treibstofflieferungen in das von der radikalislamischen Organisation beherrschte Gebiet beschränkt. Damit sollen die militanten Palästinenser unter Druck gesetzt werden, ihre Raketenangriffe auf israelisches Territorium zu beenden. Die Hamas hat sich zwar bitter über die Treibstoffknappheit beklagt, es wird aber allgemein vermutet, dass sie für eigene Zwecke Vorräte hortet.

cjp/AP/AFP/Reuters

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