Überraschungssieger Grillo "De facto ist Italien aus dem Euro raus"

Der Krawallmacher schürt neue Anti-Euro-Stimmung: Beppe Grillo sieht Italien schon jetzt nicht mehr als Mitglied der Euro-Zone. "De facto ist Italien schon aus dem Euro raus", sagte der Überraschungssieger der Parlamentswahl - und startete eine neue Verbalattacke gegen Deutschland.
Italienischer Politiker Grillo: "Was ist aus Europa geworden?"

Italienischer Politiker Grillo: "Was ist aus Europa geworden?"

Foto: TONY GENTILE/ Reuters

Rom - Der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahl, Beppe Grillo, glaubt nach eigenen Worten nicht an einen Verbleib seines Landes in der Euro-Zone. "De facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus", sagte der Chef der Bewegung "Fünf Sterne" in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Grillo warf Deutschland vor, allein von der europäischen Einigung zu profitieren. "Warum hat sich nur Deutschland bereichert?", fragte der Politiker. Die zentrale Frage sei: "Was ist aus Europa geworden? Warum haben wir keine gemeinsame Informationspolitik, keine gemeinsame Steuerpolitik, keine gemeinsame Politik der Immigration?"

Er gehe davon aus, dass auch die nordeuropäischen Staaten Italien nur so lange halten würden, bis sie die Investitionen ihrer Banken in italienische Staatsanleihen hereingeholt hätten. "Dann werden sie uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel." Allerdings kann sich der Politiker mit seinen Ansichten nicht auf die Zustimmung der Mehrheit der Italiener stützen: Laut einer Umfrage sind die meisten Italiener gegen einen Euro-Ausstieg ihres kriselnden Landes.

Der frühere Komiker Grillo ist als Euro-Skeptiker bekannt. Seine Bewegung wurde bei der Parlamentswahl die stärkste Einzelpartei und könnte für die Bildung einer Regierung entscheidend sein. Grillo will aber die traditionellen Parteien nicht unterstützen und lehnt auch eine neue Regierung aus Fachleuten ab.

Sich selbst betrachtet Grillo nach eigenen Angaben allerdings nicht als europafeindlich. "Ich habe nur gesagt, dass ich einen Plan B für Europa haben will", sagte er weiter. Er trete für mehr Demokratie bei der europäischen Einigung ein: Die Bürger sollten bei wichtigen Themen wie dem Vertrag von Lissabon oder der umstrittenen Liberalisierung von Dienstleistungen in Online-Referenden abstimmen können, forderte Grillo.

Seine Bewegung hatte bei der Wahl überraschend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Grillo will weder mit dem Mitte-links-Bündnis des Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani noch mit dem Rechtsbündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi koalieren. Bersani wäre für eine Regierungsbildung auf die Unterstützung von "Fünf Sterne" im Senat angewiesen. Grillo aber schloss eine generelle Unterstützung für Bersani aus und will ihn höchstens von Fall zu Fall im Parlament unterstützen.

amz/dpa
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