Konflikt im Kaukasus Berg-Karabach wirft Aserbaidschan Beschuss mit schwerer Artillerie vor

Im aufgeflammten Kaukasus-Konflikt beschuldigen sich beide Seiten, die Kämpfe intensiviert zu haben. Aserbaidschan beklagt viele tote Soldaten. Rebellen aus Berg-Karabach sprechen von heftigen Artillerie-Angriffen.

Kämpfer aus Berg-Karabach
REUTERS/ PAN Photo

Kämpfer aus Berg-Karabach


Die nach Unabhängigkeit strebende Region Berg-Karabach wirft der aserbaidschanischen Armee eine drastische Intensivierung der Angriffe vor. Jeden Tag setzten die Truppen größere Artillerie-Kaliber ein, heißt es in einer Stellungnahme der bewaffneten Kräfte Berg-Karabachs, die von Armenien unterstützt werden. Montagnacht seien Wohngebiete und Militärstellungen mit Raketenwerfern beschossen worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite dazu gibt es nicht.

Nach Angaben des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums in Baku wurden in den vergangenen zwei Tagen 16 aserbaidschanische Soldaten bei den Kämpfen gegen die Separatisten getötet. Aserbaidschans stellvertretender Außenminister gab Armenien die Schuld an der Eskalation der Kämpfe. "Die ganze Verantwortung für das, was passiert, liegt bei Armenien, das nicht an einer Lösung des Konflikts interessiert ist und internationales Recht ignoriert", erklärte Chalaf Chalafow.

Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Berg-Karabach hatte sich in den Neunzigerjahren für unabhängig vom muslimisch geprägten Aserbaidschan erklärt, wird von Armenien kontrolliert und von beiden Seiten beansprucht. 1994 hatte ein Waffenstillstandsabkommen einen Krieg um Berg-Karabach beendet. Am vergangenen Wochenende war der Konflikt in der nur 4400 Quadratkilometer großen Region im Südosten des Kaukasus wieder aufgeflammt - seitdem wird dort so heftig gekämpft wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Beobachter fürchten, dass sich der Konflikt um Berg-Karabach erneut zu einem richtigen Krieg auswächst - und Auswirkungen für die gesamte Region hat. Am Dienstag wollen Vertreter der sogenannten Minsk-Gruppe - der Russland, die USA und Frankreich vorstehen - in Wien versuchen, die Ausweitung der Kämpfe zu einem offenen Krieg zu verhindern und zum Waffenstillstand zurückzukehren. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist in die Bemühungen eingebunden. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Russlands Außenminister Sergej Lawrow will an diesem Donnerstag nach Aserbaidschan reisen, gleichzeitig besucht der russische Premier Armenien. Der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu erklärte, sein Land stehe in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans.

Im Video: Berg-Karabach - Dutzende Tote nach Kämpfen

anr/Reuters/AP



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