Bericht der "New York Times" Hillary Clinton wird US-Außenministerin

Tagelang wurde spekuliert, nun scheint die Entscheidung gefallen: Hillary Clinton wird neue US-Außenministerin. Die "New York Times" meldet, die Senatorin habe ein Angebot Barack Obamas angenommen. Auch den wichtigen Posten des Finanzministers hat der designierte Präsident wohl vergeben.


New York/Berlin - Nach Angaben der "New York Times" wird Hillary Clinton ihren Sitz im US-Senat aufgeben und das Angebot des designierten Präsidenten Barack Obama annehmen, das Außenministerium zu übernehmen. Das Blatt beruft sich dabei auf zwei unterschiedliche Quellen aus dem direkten Umfeld Clintons. Beide wurden namentlich nicht genannt. Das Blatt hat beste Kontakte zu Clinton, die Senatorin von New York ist.

Clinton, Obama: Gemeinsam in der künftigen Regierung
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Clinton, Obama: Gemeinsam in der künftigen Regierung

Obamas einstige Rivalin habe sich nach einem ausführlichen Gespräch mit dem designierten US-Präsidenten endgültig entschieden, berichte die Zeitung. In dem Gespräch sei es um ihre Rolle und seine Pläne für die Außenpolitik gegangen. "Sie ist bereit", zitierte die "NYT" einen Vertrauten Clintons. Nach der eher allgemeinen Unterredung mit Obama in der vergangenen Woche in Chicago, sei es nun darum gegangen, sich mit dem Gedanken einer künftigen Zusammenarbeit weiter anzufreunden.

Ein anderer Vertrauter bestätigte der Zeitung, das Clinton-Lager gehe davon aus, dass der Deal besiegelt ist. Aus Obamas Büro hatte es noch am Donnerstag geheißen, die Nominierung Clintons sei "auf dem Weg". Hochrangige Obama-Berater sagten, es gebe noch immer kein formales Angebot, eine Nominierung solle auch nicht vor Thanksgiving verkündet werden. Aber auch sie ließen durchblicken, dass die frische Allianz mit Clinton zu einem festen Bündnis werde.

Offiziell dementierte ein Sprecher Clintons am Abend die Berichte, wonach die Senatorin Obamas Angebot bereits angenommen habe. Die Gespräche seien aber auf einem guten Weg, sagte Sprecher Philippe Reines.

Über die Personalie Clinton war seit Tagen spekuliert worden. Clinton und Obama hatten sich einen erbitterten Vorwahlkampf geliefert, den Obama knapp gewann. Er tritt sein Amt am 20. Januar an. Als Außenministerin wird Clinton einen Schlüsselposten in der Regierung einnehmen. Sie wird sich aber ihrem einstigen Rivalen unterordnen müssen und kann nicht wie als Senatorin ihre eigene Agenda und Ambitionen verfolgen.

Obama wählt Finanz- und Handelsminister

Laut NBC sind auch zwei weitere Kabinettsposten vergeben. Der Sender berichtete, den in Zeiten der Finanzkrise wichtigen Posten des Finanzministers solle Timothy Geithner, 47, bekommen. Obama habe sich für Geithner als Nachfolger von Henry Paulson entschieden, berichtete NBC News am Freitag. Geithner galt im Vorfeld als ein möglicher Kandidat.

Geithner ist seit November 2003 Chef der Notenbank (Fed) in New York. Zuvor hatte er in drei Regierungen unter fünf Finanzministern verschiedene Funktionen ausgeübt. So war er zum Ende der Clinton-Zeit von 1999 bis 2001 Abteilungsleiter für Internationale Angelegenheiten im Ministerium. Von 2001 bis 2003 war Geithner als Direktor für Politische Entwicklung beim Internationalen Währungsfonds tätig. Seit September arbeitet er bei der Bekämpfung der gegenwärtigen Finanzkrise eng mit Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke zusammen.

Handelsminister soll laut NBC Bill Richardson werden, der frühere Energieminister in der Regierung von Bill Clinton. Richardson ist bislang Gouverneur von New Mexico und war auch als Außenminister im Gespräch. Die beiden Nominierungen sowie die Wahl seiner wirtschaftlichen Spitzenberater im Weißen Haus will Obama NBC zufolge am kommenden Montag persönlich bekanntgeben, um die Märkte nach deren jüngster massiver Talfahrt zu beruhigen.

Zum Team soll offenbar auch der ehemalige Finanzminister Lawrence Summers gehören. Die "New York Times" berichtete am Freitag unter Berufung auf zwei mit Obamas Plänen vertraute Personen, der künftige Präsident wolle Summers zu seinem Wirtschaftsberater und später möglicherweise zum Nachfolger von Notenbankchef Ben Bernanke machen. Dessen Amtszeit endet im Januar 2010. Summers war auch als Finanzminister im Gespräch.

Experten über Geithners Wahl begeistert

Ein Sprecher der Fed in New York wollte sich zu dem Bericht über Geithner nicht äußern. An der US-Börse sprangen die Kurse nach dem Bericht in die Höhe. Der Dow-Jones-Index, der zuvor wenig verändert notierte, legte binnen Minuten kräftig zu und schloss mit einem Plus von 6,5 Prozent.

"Das ist eine brillante Wahl", sagte der Zinsexperte William O'Donnell von der Bank UBS Securities LLC in Connecticut. Geithner werde für Kontinuität inmitten der Herausforderungen der Finanzkrise stehen. "Er ist sofort mit den Problemen vertraut, er ist eng an den Gesprächen zwischen der US-Notenbank und dem derzeitigen Finanzminister beteiligt - er ist also jetzt schon mittendrin."

Ähnlich äußerte sich Michael Woolfolk von der Bank of New York-Mellon. "Die professionelle Finanz-Gemeinde würde seine Ernennung ganz klar befürworten. Geithner ist ein vertrauenswürdiger Politiker, der für die auf ihn zukommenden Herausforderungen gut geeignet ist."

In den vergangenen Tagen waren bereits mehrere Personalentscheidungen bekanntgeworden, die allerdings noch offiziell bestätigt werden müssen. Außerdem muss der Senat alle Nominierungen bestätigen.

Nach bisherigem Stand wird voraussichtlich der schwarze Jurist Eric Holder neuer Justizminister. Der frühere demokratische Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, soll Medienberichten zufolge das Gesundheitsressort leiten. Das Ministerium für Heimatschutz soll an die Gouverneurin von Arizona, Janet Napolitano, gehen.

phw/dpa/Reuters/AP



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