Bericht über Strategiewechsel Obama will Atomarsenal schrumpfen

US-Präsident Obama bereitet laut einem Zeitungsbericht eine neue Atomstrategie vor. Kern des Vorhabens sei die Verringerung des US-Arsenals um mehrere tausend Sprengköpfe, heißt es in der "New York Times". Auch der Abzug der in Europa stationierten Nuklearwaffen wird demnach erwogen.

US-Präsident Obama: Verhandlungen über Atomwaffenabzug aus Europa
AFP

US-Präsident Obama: Verhandlungen über Atomwaffenabzug aus Europa


Washington - US-Präsident Barack Obama bereitet einem Zeitungsbericht zufolge eine neue Atomstrategie vor, die auch den Weg für einen Abzug der verbliebenen Nuklearwaffen aus Deutschland ebnen könnte. Nach Informationen der "New York Times" soll Verteidigungsminister Robert Gates Obama am Montag hierzu verschiedene Vorschläge unterbreiten. Im Zentrum des Strategiewechsels stehe die Verringerung des Atomwaffenarsenals der USA um mehrere tausend Sprengköpfe.

Washington werde sich verpflichten, keine neuen Nuklearwaffen zu entwickeln, berichtet die "New York Times" weiter. Damit könnte auch das von Obamas Vorgänger George W. Bush gestartete Programm zur Entwicklung von Mini-Atombomben für den Einsatz gegen Bunker gekippt werden. Die Landesverteidigung solle künftig statt auf nuklearer Abschreckung vermehrt auf Systemen zur Raketenabwehr aufbauen. Den Angaben zufolge will sich die US- Regierung aber weiter vorbehalten, bei einem Erstschlag auch Atomwaffen einzusetzen.

Wie die "New York Times" unter Berufung auf Regierungskreise in Washington weiter meldete, führen die USA auch Verhandlungen mit Verbündeten in Europa über einen möglichen Abzug der dort stationierten Atomwaffen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte auf Druck der FDP im Koalitionsvertrag festschreiben lassen, dass in dieser Legislaturperiode eine Vereinbarung über den Abzug der letzten verbliebenen Atombomben aus Deutschland erreicht werden soll. Zuletzt forderte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar den Abzug der US-Nuklearwaffen.

Die USA lagern nach Schätzungen von Experten im Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz unterirdisch zwischen zehn und zwanzig Atombomben. Büchel ist inzwischen der letzte verbliebene Standort in Deutschland mit Atombomben, nachdem vom US-Stützpunkt Ramstein im Jahr 2004 die dort gelagerten bis zu 130 Atombomben abgezogen wurden. Zuvor hatte die US-Armee auch die in Memmingen und Nörvenich gelagerten Atombomben abgezogen. Neben Deutschland soll die US-Armee auch Nuklearwaffen in Italien, Belgien, der Türkei und den Niederlanden lagern.

Obama hat in seinem ersten Jahr als US-Präsident mehrfach betont, dass er eine Welt ohne Atomwaffen anstrebt. Dafür wurde er im Dezember mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Obamas Kurs ist in den USA allerdings umstritten. Seine Kritiker werfen ihm vor, eine Absage an Nuklearwaffen sei angesichts der atomaren Bedrohungen aus Iran und Nordkorea naiv.

anr/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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JaguarCat 01.03.2010
1. Gut so!
Weniger Atomwaffen = mehr Sicherheit.
Knalltüte, 01.03.2010
2. 60 Jahre
Zitat von sysopUS-Präsident Obama bereitet laut einem Zeitungsbericht eine neue Atomstrategie vor. Kern des Vorhabens sei die Verringerung des US-Arsenals um mehrere tausend Sprengköpfe. Auch der Abzug der in Europa stationierten Nuklearwaffen wird demnach erwogen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680877,00.html
60 Jahre nach dem Krieg und 20 Jahre nach dem kalten Krieg sind in Deutschland immer noch ausländische Streitkräfte stationiert.
Bonaparte, 01.03.2010
3. ... der wahre Grund
Der wahre Grund für dieses Verhalten ist wohl hier nachzulesen: http://derstandard.at/1267131946316/Innerhalb-von-zwei-Monaten-Iran-kuendigt-Konferenz-ueber-atomare-Abruestung-an Die baldige internationale Anti-Atomwaffen-Konferenz im Iran.
Deutscher__Michel 01.03.2010
4. Glaub ich erst wenns gemacht wird..
Obama hat bisher herzlich wenig erreicht. Der Messias-Heiligenschein ist innerhalb der USA längst verflogen und die harte Realität hat ihn eingeholt. Trotzdem wäre es natürlich schön, auch wenn die Atomwaffen aud Deutschland endlich abgezogen würden.. aber auch daran glaube ich nicht wirklich..
Jan B. 01.03.2010
5. ...
Zitat von Knalltüte60 Jahre nach dem Krieg und 20 Jahre nach dem kalten Krieg sind in Deutschland immer noch ausländische Streitkräfte stationiert.
Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Im Übrigen profitieren die Komunen, in denen Armeestützpunkte liegen auch davon, immerhin schaffen die auch Arbeitsplätze. Ansonsten mag das Schritt Obamas in die richtige Richtung gehen, aber ob die USA nun 8000 oder 4000 Atomsprengköpfe haben, ist letztendlich auch egal. Es müssten andere Staaten nachziehen.
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