Konflikt am Persischen Golf Irans Revolutionsgarden melden Abschuss von US-Drohne

Irans Revolutionsgarden geben an, eine US-"Global Hawk"-Drohne abgeschossen zu haben. Das US-Militär dementierte den Bericht zunächst, doch mittlerweile soll es für den Vorfall auch von amerikanischer Seite eine Bestätigung geben.
"Global Hawk"-Drohne der USA

"Global Hawk"-Drohne der USA

Foto: HANDOUT/ Reuters

Die iranischen Revolutionsgarden haben eigenen Angaben zufolge eine US-Drohne abgeschossen. Die unbemannte "Global Hawk"-Drohne sei am Donnerstag getroffen worden, als sie in der südlichen Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, teilten die Revolutionsgarden über ihr Nachrichtenportal "Sepah" mit. Die Provinz liegt direkt am Persischen Golf.

Bilder von der angeblich abgeschossenen Drohne wurden zunächst nicht gezeigt. Zunächst hatte das US-Militär den Bericht dementiert: "Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban - das Zentralkommando führt die amerikanischen Truppen im Nahen Osten. Mittlerweile soll ein US-Beamter den Nachrichtenagenturen Reuters und AP den Vorfall bestätigt haben. Der Beamte wird ohne Nennung des Namens zitiert. Die Drohne habe sich demnach nicht im iranischen Luftraum befunden, sondern sei über der Straße von Hormus in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Genauere Details wurden demnach nicht bekannt.

Die Revolutionsgarden (IRGC) sind in Iran die Eliteeinheit der Streitkräfte und weitaus wichtiger als die klassische Armee. Sie wurden für den Machterhalt des Regimes gegründet und unterstehen direkt dem obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei . Die Einheit hat auch großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss im Land.

Die Spannungen zwischen Teheran und Washington hatten sich immer weiter verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen war und neue Sanktionen verhängt hatte. Zuletzt schürten Angriffe auf Öltanker in der Golfregion die Furcht vor einer militärischen Konfrontation: Die USA machen Iran für die Angriffe verantwortlich. Die Islamische Republik bestreitet die Vorwürfe.

Noch am Mittwoch hatte der iranische Sicherheitsrat (SNSC) erklärt, seiner Einschätzung nach werde es keinen Krieg zwischen Iran und den USA geben. "Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben", sagte SNSC-Sekretär Ali Schamchani der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die USA hofften, Iran zu einer Kapitulation zu zwingen. Dies werde aber nicht geschehen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Mittwoch jedoch, die Lage sei nach wie vor ernst. "Die Kriegsgefahr am Golf ist nicht gebannt."

Video: "Ein Krieg, den eigentlich keiner will"

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Ende nächster Woche soll es iranischen Angaben zufolge in Wien ein Treffen der Partner des internationalen Atomabkommens geben. Die Vizeaußenminister Irans und der sogenannten 4+1 Gruppe - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - würden sich am 28. Juni in der österreichischen Hauptstadt treffen, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Nach Einschätzung von Beobachtern in Teheran könnte das Treffen die letzte diplomatische Chance für die Rettung des Atomdeals vor Ablauf des iranischen Ultimatums Anfang Juli sein.

Der iranische Präsident Hassan Rohani hatte bekräftigt, dass die fünf verbliebenen Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Wiener Atomabkommen vertragsgerecht umzusetzen. Sonst werde Iran die zweite Phase seines Teilausstiegs aus dem Deal beginnen: Dann will Iran die Beschränkung der Urananreicherung aufheben und Uran höher anreichern als die im Abkommen vereinbarte Obergrenze von 3,67 Prozent. Das wäre nach Meinung von Beobachtern das Ende des Wiener Abkommens.

aar/dpa/Reuters/AP