Berichte aus Südkorea Kim bereitet Start von Interkontinentalrakete vor

US-Verteidigungsminister Gates warnt Nordkorea, man werde dem Atomprogramm des Landes nicht tatenlos zusehen - da bereitet Machthaber Kim Jong Il offenbar schon die nächste Provokation vor. Südkoreanischen Berichten zufolge lässt er jetzt eine Interkontinentalrakete zum Startplatz bringen.

Seoul - Nordkorea trifft nach südkoreanischen Medienberichten möglicherweise Vorbereitungen für den Start einer Interkontinentalrakete - obwohl US-Verteidigungsminister Robert Gates es gerade zum Einlenken gegenüber den Protesten der Weltgemeinschaft aufgefordert hatte.

US-Geheimdienste zeigten sich wegen verdächtiger Aktivitäten in einer Raketenfabrik nahe der Hauptstadt Pjöngjang beunruhigt, berichtet die Zeitung "Dong-A Ilbo" unter Berufung auf Insider. Es gebe Hinweise, dass in der Fabrik eine ballistische Rakete mit einer Reichweite von mehr als 5000 Kilometern für den Abtransport mit dem Zug zum Startplatz Musudan-Ni im Nordwesten des Landes präpariert werde.

Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf südkoreanische Regierungbeamte, auf dem Gelände seien ähnliche Aktivitäten beobachtet worden wie vor dem umstrittenen Start einer Rakete mit hoher Reichweite in Nordkorea am 5. April.

Jener Raketenstart hatte zu einer Verurteilung des Landes durch den Uno-Sicherheitsrat geführt. Das Regime des stalinistischen Machthabers Kim Jong Il drohte daraufhin mit neuen Atomversuchen und mit Tests von Interkontinentalraketen. Tatsächlich wurde am vergangenen Montag eine Atombombe unterirdisch gezündet. Es war der zweite Test eines nuklearen Sprengsatzes in der Geschichte des Landes.

Auch dies wurde einstimmig vom Sicherheitsrat verurteilt - worauf das nordkoreanische Außenministerium mitteilte, im Fall einer Bestrafung würden weitere "Schritte zur Selbstverteidigung" vorbereitet. Am Mittwoch drohte Kims Regime außerdem Südkorea mit einem Angriff, nachdem es der US-Initiative gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beigetreten war.

Nordkoreas Atomprogramm

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte in der Nacht zu Samstag, sein Land werde ein atomar gerüstetes Nordkorea nicht akzeptieren. Das Atomprogramm sei eine Gefahr für den Frieden und die Stabilität in der Region. Die USA würden ihre Verbündeten in der Region verteidigen. Nordkorea dürfe Atomwaffen oder Material für deren Bau auch nicht weiterverbreiten, warnte er: Dies würde von den USA als schwere Bedrohung des eigenen Landes und seiner Verbündeten gewertet. Nordkorea würde dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Man werde nicht tatenlos zusehen, während Nordkorea sich die Möglichkeit schaffe, "Zerstörungen an jedem Ort in Asien - oder bei uns - anzurichten", sagte Gates. "Letztendlich muss Nordkorea allein entscheiden, ob es weiter verarmt und international geächtet dastehen oder einen neuen Kurs einschlagen will." Die Welt warte darauf. Die Teilnehmerstaaten der Sechs-Parteien-Gespräche zum nordkoreanischen Atomprogramm - die USA, Nordkorea, China, Japan, Russland und Südkorea - müssten "neu über die nächsten Schritte nachdenken".

Nordkorea hatte seit dem Atomtest schon mehrere Raketen kleinerer Reichweite getestet. Erst am Freitag wurde in Musudan-Ni eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert, die eine Reichweite von 260 Kilometer hat. Der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge handelt es sich bei der Rakete um eine veränderte Version der russischen SA-5.

Atomwaffen: Welche Staaten über welches Arsenal verfügen

Land strategische Sprengsätze nicht-strategisch gesamt
China 130-200 120 250-320
Frankreich 350 0 350
Indien 50 unbekannt 50+x
Israel 100-200 unbekannt 100-200
Nordkorea 5-12 0 5-12**
Pakistan 40-70 unbekannt 40-70
Russland 3300-3400 3000-8000 7200*
Großbritannien 180-200 5 180-200
USA 5236 500 5736*
Quelle: Center for Defense Information, Schätzungen, Stand Juli 2008
*Ohne eingelagerte oder in Reserve gehaltene Sprengsätze
**geschätzt anhand der angenommenen Menge von vorhandenem atomwaffenfähigen Plutonium
plö/dpa/AP/Reuters/AFP
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