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Aus für Berkut-Einheit in Ukraine: Schläger im Tarnanzug

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Tödlicher Einsatz auf Maidan Ukraine löst Berkut-Spezialeinheit auf

Sie galt als schnelle Eingreiftruppe des Janukowitsch-Regimes, verbreitete auf dem Maidan Angst und Schrecken: Jetzt löst die ukrainische Übergangsregierung die Spezialeinheit Berkut auf - mit sofortiger Wirkung.

Kiew - Wann immer die Lage auf dem Maidan in der vergangenen Woche eskalierte, waren sie mittendrin: die Berkut-Einheiten. Die schwer bewaffneten Männer in den dunklen Tarnanzügen standen wie kaum eine andere Einheit für das brutale Vorgehen der ukrainischen Regierung gegen das eigene Volk. Nun hat die neue Führung im Land reagiert: Wegen ihres gewaltsamen Vorgehens gegen die Proteste ist die Berkut-Abteilung aufgelöst worden.

Die Spezialeinheiten gebe es mit sofortiger Wirkung nicht mehr, teilte der Übergangsinnenminister Arsen Awakow auf seiner Facebook-Seite mit. Er habe das entsprechende Dekret Nr. 144 vom Dienstag unterzeichnet.

Die Berkut, deren Mitglieder anhand ihrer Uniformen leicht von anderen Polizisten zu unterscheiden waren, wurden für viele Übergriffe auf Demonstranten verantwortlich gemacht - und waren entsprechend verhasst bei der Opposition. So waren Berkut-Polizisten gefilmt worden, wie sie mit scharfer Munition auf die Menge schossen. Das Europaparlament hatte schon Anfang Februar vom mittlerweile geschassten Präsident Wiktor Janukowitsch gefordert, dem "schändlichen Einsatz" der Sonderpolizei Berkut (zu Deutsch "Steinadler") ein Ende zu setzen.

In der vergangenen Woche waren 82 Menschen getötet worden. Derzeit läuft die Aufarbeitung der Tumulte noch. Es ist daher bisher offen, wie viele dieser Todesopfer auf das Konto der Berkut-Polizisten gehen. Wie am Dienstag bekannt geworden war, hätte die Zahl der Toten aber noch deutlich höher ausfallen können - das belegen Geheimpläne des damaligen Präsidenten Janukowitsch.

Immer noch keine Kandidaten in Kiew

Unterdessen wartet die Ex-Sowjetrepublik weiter auf eine neue Regierung. Die Kandidaten für das neue Kabinett sollten am Mittwochabend in Kiew auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, vorgestellt werden. Das teilte der Politiker Waleri Pazkan von der Partei Udar (Schlag) des Ex-Boxprofis Vitali Klitschko mit.

Nach Angaben der Partei kommen der frühere Parlamentschef Arsenij Jazenjuk sowie der reiche Unternehmer und Ex-Außenminister Pjotr Poroschenko für den Posten des Ministerpräsidenten in Frage. Die Wahl der neuen Regierung ist für diesen Donnerstag im Parlament angesetzt.

Wegen der prekären Finanzlage der Ukraine gilt der Posten der Regierungschefs als das schwierigste Amt. Das hochverschuldete Land befindet sich in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Die internationale Gemeinschaft - allen voran die Europäische Union - macht Finanzhilfen für das angeschlagene Land von der neuen Regierung abhängig.

Auch Russland hatte mit deutlichen Worten eine Wiederherstellung von Stabilität und Ordnung gefordert. Zudem forderte Moskau die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf, die Lage in der Ukraine zu untersuchen. Dort macht der Kreml nach Angaben von Außenminister Sergej Lawrow zunehmend "nationalistische und neofaschistische" Tendenzen aus.

jok/AFP/dpa
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