Berliner Innensenator Körtings geheimes Tschetschenen-Treffen

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat nach Informationen des SPIEGEL Geheimgespräche mit Abgesandten des berüchtigten Tschetschenen-Herrschers Ramsan Kadyrow geführt. Das Auswärtige Amt hatte nachdrücklich abgeraten.

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Wenn Gäste aus dem fernen Tschetschenien nach Deutschland kommen, dann herrscht immer etwas Nervosität bei den Behörden. Tschetschenien ist ein Unruheherd, lange umkämpft, offiziell noch immer ein Teil Russlands. Regiert wird Tschetschenien von einem berüchtigten Mann - von Ramsan Kadyrow, dem unzählige Menschrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Flüchtlinge aus Tschetschenien kommen nach Deutschland, viele gelten als Freiheitskämpfer; russische Stellen halten sie indes für Terroristen. Für die hiesigen Behörden eine heikle Sache, manchmal verlaufen die Grenzen fließend. Wo schlägt Freiheitskamp in Terror um?

Vergangene Woche kamen wieder Tschetschenen nach Deutschland, ganz offiziell, aber nicht minder beunruhigend. Wie die russische Botschaft auf SPIEGEL-Anfrage mitteilte, war vergangene Woche eine fünfköpfige Delegation für zwei Tage in Berlin, geführt vom " Minister für auswärtige Angelegenheiten, Nationalpolitik, Presse und Information der Tschetschenischen Republik, Herr Schamsail Saraliew". Eine interessante Mitteilung - ein Außenminister, fast klingt es so, als wäre Tschetschenien unabhängig.

Saraliew ist eine Art Propagandachef Kadyrows, er gilt als absolut loyal, kürzlich machte er Schlagzeilen, weil er Kadyrow für dessen Verdienste beim Aufbau der Journalistik ehrte - helle Empörung herrschte unter freien Journalisten in Russland und anderswo.

Saraliew wurde im Auswärtigen Amt freundlich empfangen und dann mit diversen Vorgängen in Tschetschenien konfrontiert - Verschleppungen, dubiosen Praktiken der Justiz. Das Treffen - auf Referatsleiterebene - sollte die Ausnahme bilden, das Ministerium hatte von offiziellen Treffen ausdrücklich abgeraten. Keine Aufwertung für Kadyrow-Leute, das ist die Botschaft.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) indes scherte dies nicht. Er spielte ein wenig Außenminister und empfing die Tschetschenen, nur Auskunft darüber mochte sein Haus nicht geben. Seine Informationspolitik wirkt wie vor der Glasnost-Ära. "Zu einzelnen Teilnehmern oder Inhalten solcher Gespräche äußern wir uns grundsätzlich nicht." Mehrere Nachfragen blieben von Körtings Pressestelle unbeantwortet. Was hatte Körting nur mit den Kadyrow-Leuten zu besprechen? Angeblich ging es den Gästen um Terrorismusbekämpfung.

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intenso1 12.02.2011
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Zitat von sysopBerlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat nach Informationen des SPIEGEL Geheimgespräche mit Abgesandten des berüchtigtenTschetschenen-Herrschers Ramsan Kadyrow geführt. Das Auswärtige Amt hatte nachdrücklich abgeraten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745228,00.html
Der Artikel wirft die Frage auf; "Wo hört der Freiheitskämpfer auf und wo fängt der Terrorist an?" Ein Freiheitskämpfer kämpft gegen seine Unterdrücker auch mit der Waffe, ein Terrorist verübt Anschläge an unbeteiligte Menschen, so wie beim Attentat auf den Flughafen in Moskau. Terrorismus ist auf jeden Fall zu verurteilen und mit allen Mitteln zu bekämpfen. Ob das Ansinnen eines teils der Tschetschenen gegenüber Moskau berechtigt ist oder nicht mag ich nicht einschätzen. Jedenfalls ist der Kampf mit Terror abzulehnen und man kann sich auch damit kein Verständnis und keine Freunde schaffen.
tsitsinotis 12.02.2011
2. Ich finde
Innensenator Körting grundsätzlich glaubhaft und seriös. Ich hoffe, der Tee war gut, und das Palaver dazu ebenfalls.
alexander2010 12.02.2011
3. Unerträglich
Hier werden von den Linken - mal wieder - Terroristen als vermeintliche Freiheitskämpfer hofiert. Mit Massenmörder - und nichts anderes sind diese Kerle - verhandelt man nicht, man bekämpft sie!
law1964 13.02.2011
4. Körting unseriös
Zitat von tsitsinotisInnensenator Körting grundsätzlich glaubhaft und seriös. Ich hoffe, der Tee war gut, und das Palaver dazu ebenfalls.
Innensenator Körting vond er SPD ist unseriös, er hoffiert Nichtdemokraten, "Führer" von Gruppen die Menschenrechte mit Füssen treten und Menschenleben auf dem Gewissen haben. Aber auch so ist Körting von der SPD unseriös, auf seine Initiative wurde das Führen Einhandmesser verboten (42A WaffG) einer seiner Experten trat vor dem Parlament auf und erklärte die Gefährlichkeit von Einhandmesser an einem Beispiel bei dem ein Türsteher einer Diskothek mit solch einem Messer getötet wurde, nur kleiner Fehler der Türsteher lebte, aber dies wurde erst nach der Abstimmung bekannt. Aber dieses Vorgehen ist SPD Körting typisch, finde ich jedenfalls.
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