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18. August 2004, 13:08 Uhr

Berlusconi als Pirat

"Ein bisschen wie Eros Ramazzotti"

Silvio Berlusconi wollte seinen Gästen wohl etwas Flair von Abenteuerurlaub vermitteln. Im Piratenoutfit empfing der italienische Premier die Blairs in seinem Prachtschloss auf Sardinien. Italienische Kommentatoren zeigten sich irritiert.

Gewagtes Outfit: Premier Berlusconi
AP

Gewagtes Outfit: Premier Berlusconi

Rom - Der 67-Jährige hatte den britischen Premier Tony Blair und dessen Ehefrau Cherie bei einem Besuch auf Sardinien mit einem Kopftuch empfangen. Zudem trug er ein allzu offenes weißes Hemd, das er nicht einmal in die Hose gesteckt habe, wie römische Kommentatoren vermerken. Italienische Zeitungen berichteten heute in breiter Aufmachung über das "Piratentuch", das selbst die Blairs bei ihrem Blitzbesuch etwas verwundert haben soll.

"Ein bisschen wie Agassi, ein bisschen wie Eros Ramazzotti", meinte die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera", die den neuen Kopfschmuck sogar mit dem Gesichts-Lifting Berlusconis vor einigen Monaten vergleicht.

Bombenfund nach Blair-Abreise

Tony und Cherie Blair mit Gastgeber Berlusconi auf Sardinien
AP

Tony und Cherie Blair mit Gastgeber Berlusconi auf Sardinien

Nach dem Besuch Blairs hat die Polizei nahe des Anwesens eine Bombe gefunden und entschärft. Zu dem Anschlagsversuch bekannte sich eine linksradikale sardische Gruppe. Sicherheitskräfte suchten noch nach einem zweiten Sprengsatz, sagte ein Polizeisprecher heute. Die "Proletarische Zelle für Kommunismus (NPC)" habe in einem Anruf an eine sardische Zeitung vor zwei Bomben gewarnt und das Versteck eines der beiden Sprengsätze genannt. Die erste Bombe sei gestern am späten Vormittag entdeckt und von Experten zur Explosion gebracht worden. Sie sei im Zentrum des Ortes Portorotondo gelegt worden, etwa einen Kilometer von der Villa entfernt.

Die NPC ist der überregionalen Zeitung "Corriere della Sera" zufolge eine anarchistisch-separatistische Gruppe, die in den vergangenen Jahren auf Sardinien etwa 20 Attentate verübt hat, darunter auch kleinere Bombenanschläge auf Büros der sardischen Regierungspartei.

Nach Drohungen radikal-muslimischer Gruppen mit Vergeltungsschlägen für den Einsatz italienischer Soldaten im Irak herrschen in Italien erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

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