Holocaust-Gedenktag Berlusconi schwärmt von Mussolini

Mussolinis Rassengesetze nennt er einen "schlimmen Fehler", doch sonst hat Silvio Berlusconi viel Lob für den Diktator übrig. Der Faschistenführer habe "in vielen Bereichen gute Dinge" getan, sagt Italiens Ex-Premier - ausgerechnet bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust.
Berlusconi auf Gedenkveranstaltung: "Nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland"

Berlusconi auf Gedenkveranstaltung: "Nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland"

Foto: Antonio Calanni/ AP

Rom - Der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich lobend über den faschistischen Diktator Benito Mussolini geäußert. Mussolinis Rassengesetze seien zwar "der schlimmste Fehler" während seiner Regierungszeit von 1922 bis 1943 gewesen, sagte Berlusconi am Sonntag am Rande einer Veranstaltung zum internationalen Holocaust-Gedenktag in Mailand. Allerdings habe der sogenannte Duce "in vielen anderen Bereichen gute Dinge" getan.

Am Sonntag wurde weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.

Ab 1938 hatte Mussolinis faschistische Regierung eine Reihe von Rassengesetzen erlassen, die Juden in Italien diskriminierten und zu ihrer Verfolgung führten. Berlusconi sagte, Italien habe "nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland" für die Judenverfolgung. Schon vor zehn Jahren hatte Berlusconi in einem Interview gesagt, Mussolini habe niemanden umgebracht. Auch hat sich der Politiker schon einmal mit dem Diktator verglichen.

"Schlicht widerlich"

Berlusconi erntete am Sonntag für seine Äußerungen sogleich Kritik. "Es ist schlicht widerlich, dass Berlusconi sich gerade an dem Gedenktag daran macht, das Handeln des Diktators zu rehabilitieren, der Italien in den Zweiten Weltkrieg geführt hat", sagte die Europa-Abgeordnete der italienischen Demokratischen Partei, Debora Serracchiani. Berlusconi trage damit "eine sehr schwere moralische und politische Verantwortung".

Italiens Regierungschef Mario Monti sagte auf derselben Veranstaltung in Mailand, die Gefahr der Ausgrenzung und des Antisemitismus sei in Italien noch durchaus präsent. "Wir müssen sehr aufmerksam sein, dass diese Feuer, die hin und wieder ausbrechen, nicht mehr zu Tragödien führen, welche die Menschheit nicht mehr erleben darf."

Berlusconi führt bei den italienischen Parlamentswahlen Ende Februar die Mitte-Rechts-Koalition an. Sollte sein Bündnis siegen, will er möglicherweise Wirtschaftsminister werden. Auf das Amt des Ministerpräsidenten erhebt er angeblich nach seinen jüngsten Aussagen keinen Anspruch.

yes/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.