Bernie Sanders kritisiert Michael Bloomberg "Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich Wahlen zu kaufen"

Michael Bloomberg ist geradezu märchenhaft reich - und nun möchte er auch noch für die Demokraten ums Weiße Haus kämpfen. Mitbewerber Bernie Sanders passt das gar nicht.

Bernie Sanders: "Multi-Milliardäre wie Michael Bloomberg werden bei dieser Wahl nicht sehr weit kommen"
Bita Honarvar / REUTERS

Bernie Sanders: "Multi-Milliardäre wie Michael Bloomberg werden bei dieser Wahl nicht sehr weit kommen"


Zahlreiche Parteikollegen sind schon ausgestiegen. Und trotzdem bewerben sich noch immer fast 20 Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Nun ist mit Michael Bloomberg ein weiterer hinzugekommen. Das gefällt in der Partei längst nicht allen.

Am deutlichsten wurde Bernie Sanders. Er hat scharfe Kritik an seinem neuen innerparteilichen Konkurrenten geübt. "Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich Wahlen zu kaufen", sagte der linke Senator am Sonntag mit Blick auf die US-Wahl in knapp einem Jahr.

"Deswegen werden Multi-Milliardäre wie Michael Bloomberg bei dieser Wahl nicht sehr weit kommen." Bloomberg gilt als einer der reichsten Männer der Welt und hatte zuvor seine offizielle Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten verkündet.

Extrem viel Geld - und ein Medienunternehmen unter eigenem Namen

Der frühere New Yorker Bürgermeister hatte am Sonntag mitgeteilt: "Ich bewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wieder aufzubauen. Wir können uns vier weitere Jahre mit Präsident Trumps rücksichtslosem und unethischem Handeln nicht leisten." Der 77-jährige Demokrat hatte einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gegründet. Dank eines Vermögens von mehr als 50 Milliarden Dollar kann er erhebliche Finanzmittel in einen Wahlkampf gegen den Republikaner Trump (73) einbringen.

Michael Bloomberg: "Donald Trump besiegen, Amerika wieder aufbauen"
AFP

Michael Bloomberg: "Donald Trump besiegen, Amerika wieder aufbauen"

Fragen warf der Einfluss Bloombergs auf sein Medienimperium auf. Der CNN-Journalist Oliver Darcy verbreitete am Sonntag ein internes Schreiben von Chefredakteur John Micklethwait an Mitarbeiter der Bloomberg-Nachrichtenagentur. Darin hieß es, Leitartikel der Agentur hätten bislang Bloombergs Meinung gespiegelt. Künftig werde es nur noch namentlich gezeichnete Meinungsbeiträge geben. Man werde die "Tradition" fortsetzen, keine investigativen Recherchen zu Bloomberg zu betreiben. Das gelte nun auch für demokratische Mitbewerber um die Kandidatur. Zur Trump-Regierung werde aber weiterhin recherchiert.

Ziel dürften vor allem die Biden-Anhänger sein

Bloomberg gilt als moderater Demokrat. Er macht damit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vor allem dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden Konkurrenz, der in Umfragen bislang vorn liegt. Zuletzt schwächelte Biden allerdings. Die interne Konkurrenz schloss in Umfragen zu ihm auf, beim Spendensammeln überholte sie ihn zum Teil. Biden äußerte sich zunächst nicht zur Kandidatur Bloombergs.

Im März hatte Bloomberg noch öffentlich erklärt, er wolle nicht Präsidentschaftskandidat werden. Berichten zufolge verzichtete er damals bewusst auf eine Kandidatur, um Biden nicht in die Quere zu kommen. Bidens Auftreten scheint Bloomberg aber enttäuscht zu haben.

Der Ex-Bürgermeister reiht sich extrem spät in das ohnehin schon übervolle Bewerberfeld bei den Demokraten ein. Die meisten von ihnen machen bereits seit Monaten Wahlkampf. Die Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November 2020 endgültig bestimmen, beginnen Anfang Februar in Iowa.

jok/dpa

insgesamt 74 Beiträge
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wo_st 25.11.2019
1.
Wann hat zuletzt ein "armer" US Amerikaner die Präsidentschaft erreicht? Vielleicht noch bei den Gründervätern, aber danach?
RalfHenrichs 25.11.2019
2. Das Problem ist das Wahlsystem
Man nehme Nevada: Da liegt aktuell Biden mit 9 Prozentpunkte vorne. Sollte Biden Nevada gewinnen, wären dies 36 Wahlmänner. Zieht Biden irgendwann seine Kandidatur zurück und "bittet" diese Wahlmänner auf dem Kongreß der Demokraten für Blommberg zu stimmen, hat Bloomberg diese 36 Wahlmänner ohne dass irgendjemand in Nevada für ihn gestimmt hat. Das ist absurd, ist aber so.
n.strohm 25.11.2019
3.
Es ist doch Usus in Amerika, dass die Bewerber auch daran gemessen werden wie viel Spendengelder sie jeweils einsammeln und wie viele bunte Amerikaflaggen in den individuellen Townhall-Wahlveranstaltungen zu sehen sind. Bloombergs Unterschied ist, dass er keine Spenden benötigt und es somit keine derartigen Rückschlüsse ermöglicht. Der Spruch je mehr Spendengelder desto beliebter zieht mehr denn je. Bloomberg sagt doch in seinem Spot, dass Reiche höhere Steuern zahlen sollen. (Die zwei oder 3 Millionen mehr tun ihm selbst auch nicht weh) Worüber regt sich Sanders eigentlich auf ?, ....wahrscheinlich über die amerikanische (Wahl) Kultur ...
Leuchtturm 25.11.2019
4. Nicht illegitim
Ich kann an Bloombergs Kandidatur nichts illegitimes erkennen. Genau das bringt aber Sanders Zum Ausdruck. Wenn es ihm das nicht passt, dann soll er dafür sorgen, dass sich die entsprechenden Gesetze ändern. Inwieweit diese ganze spendenfinanzierten Kampagnen demokratisch sind ist eine ganz andere Frage
bkkopp 25.11.2019
5. Bernie is talking nonsense
Bloomberg ist kein obskurer Oligarch. Er hat seinen Reichtum auf nachvollziehbare Weise durch seinen geschäftlichen Erfolg erworben. Soweit sie nicht ohnedies öffentlich bekannt sind, wird er sein Vermögen und sein Einkommen, anders als der Immobilienhai Trump, offenlegen. Seine Biografie ist bekannt. Seine finanziellen Möglichkeiten werden nützlich sein. Er kann sich aber keine " Wahlen kaufen ". Er wird überzeugen müssen, dass er es könnte, und dass er trotz seiner persönlichen Situation zu einer Gemeinwohlorientierung für das Land in der Lage ist. Er wird programmatisch und als Person überzeugen müssen. Man wird sehen.
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