Vor Parteitag der Demokraten Bernie Sanders schwört Anhänger auf Clinton ein

Der einstige Rivale und unterlegene Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders unterstützt die Demokratin Hillary Clinton - trotz des offensichtlichen Verrats der Parteispitze an ihm.

Sanders-Anhänger in Philadelphia
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Sanders-Anhänger in Philadelphia


Kurz vor dem Auftakt des Parteitags der Demokraten hat der unterlegene US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders seine Anhänger aufgerufen, Hillary Clinton zu unterstützen. Es müsse alles getan werden, um den Republikaner Donald Trump zu stoppen. "Wir müssen Trump schlagen, und wir müssen Hillary Clinton wählen", sagte der Senator und Sozialist vor Hunderten von Menschen in Philadelphia.

Doch viele Zuhörer reagierten mit Buh-Rufen auf die Wahlempfehlung für die im linken Lager unbeliebte Bewerberin Clinton. Auch anhaltende "Bernie, Bernie"-Rufe unterbrachen die Rede von Sanders.

Der Senator beschwichtigte: "Brüder und Schwestern, dies ist eine reale Welt, in der wir leben. Trump ist ein Tyrann und ein Demagoge." Er sei eine Gefahr für die Zukunft des Landes, "und er muss geschlagen werden".

Sanders sprach vor dem Hintergrund von Tausenden E-Mails, die die Plattform WikiLeaks am Wochenende enthüllt hatte: Die scheinen zu belegen, dass die Parteispitze bewusst Sanders im Vorwahlkampf schwächen wollte.

Sanders war im Vorwahlkampf mit seinem Eintreten für mehr soziale Gerechtigkeit zum Hoffnungsträger und Sprachrohr des linken Parteiflügels avanciert. Er musste sich Clinton erst nach mehreren Monaten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur geschlagen geben. Anschließend sagte er Clinton seine Unterstützung zu. Das besänftige viele seiner Anhänger jedoch kaum.

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Demokraten vor Wahlparteitag: Clintons Krönungsmesse

Am Abend sollte Sanders vor den gesamten Delegierten des Parteitags in Philadelphia eine Rede halten.

Bereits vor dem neuerlichen E-Mail-Skandal hatte Clinton für Unmut bei der Partei-Linken gesorgt, als sie sich mit Tim Kaine für einen eher konservativeren Parteivertreter als Vizekandidaten entschied. Das alles ließ Zweifel aufkommen, ob vom Parteitag wirklich ein Signal der Einheit ausgehen wird und Clinton mit vollem Rückhalt gestärkt in die Wahl am 8. November zieht.

Parteichefin Debbie Wasserman Schultz kündigte als Konsequenz aus der E-Mail-Affäre ihren Rücktritt an. Auch wird sie den viertägigen Parteitag nicht eröffnen, wie sie der Zeitung "Sun Sentinel" sagte. Das FBI leitete derweil Ermittlungen wegen des Datenlecks bei der Parteiführung ein.

sun/Reuters/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Kanalysiert 25.07.2016
1.
Das nenne ich Größe - Bernie tut, was zwar weh tut - aber anbetrachts der Gefahr dieses Blasebalgs das wohl einzig Richtige ist. Ich denke immer noch, daß er als Independent antreten sollte, wobei natürlich die Gefahr besteht, durch einen solchen Split alles komplett zu vermasseln. Lieber Hillary als Trump. da hat er - leider - Recht.
arrache-coeur 25.07.2016
2.
Der Ärger der Sanders-Anhänger ist kaum verwunderlich. Er wurde unterstützt, auch um Clinton zu verhindern. Dass er nun ausgerechnet Clinton empfiehlt, kann durchaus als Affront gegenüber seinen eigenen Anhängern gewertet werden.
Wilmalein 25.07.2016
3. Echt
Das ist die einzig wahre Muppetshow.
dachs07 25.07.2016
4. Lieber Cholera als Lepra?
Lieber Hillary als Trump? Die Welt und die USA brauchen an der Spitze eine integere Persönlichkeit mit Anstand und Würde. Das sind weder Trump noch Hillary. Wenn Hillary ihre Kandidatur nicht aufgibt und Sanders unterstützt, wird es für die Demokraten so viele Nichtwähler geben, dass Trump der nächste Präsident wird.
einwerfer 25.07.2016
5. Gibt es eigentlich schon
Gibt es eigentlich schon ein Datenleak, dass die deutsche Presse sich verabredet hatte, Sanders zu schaden und Hillary zu puschen ?
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