Berüchtigter Terrorist "Carlos" muss lebenslang ins Gefängnis

Er war einer der meistgesuchten Terroristen der siebziger und achtziger Jahre - nun ist "Carlos, der Schakal" zum zweiten Mal zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In seinem Abschlussplädoyer stellte er sich als revolutionären Märtyrer dar. Stundenlang.


Paris - Fünf Stunden dauerte das konfuse Schlusswort des ehemaligen Top-Terroristen "Carlos", am späten Donnerstagabend verkündete das Pariser Geschworenengericht dann sein Urteil: lebenslänglich. Eine vorzeitige Begnadigung ist durch eine zusätzlich verhängte Sicherungsverwahrung von 18 Jahren kaum möglich.

Dem Venezolaner Ilich Ramírez Sánchez wird vorgeworfen, hinter vier Attentaten auf Züge, Bahnhöfe und eine Zeitung zu stecken. Dabei sind in den Jahren 1982 und 1983 insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen, 150 wurden verletzt. Der Anklage zufolge wollte "Carlos" mit den Anschlägen seine damals in Frankreich inhaftierte deutsche Ehefrau Magdalena Kopp freipressen.

Die im Zusammenhang mit einem der Attentate ebenfalls angeklagte Deutsche Christa-Margot Fröhlich wurde freigesprochen. Ein weiterer Komplize von "Carlos", Johannes Weinrich, wurde in seiner Abwesenheit zu lebenlänglicher Haft verurteilt. Er sitzt in Berlin bereits wegen des Anschlags auf das französische Kulturinstitut Maison de France im Jahr 1983 lebenslang in Haft. Der vierte Angeklagte, der Palästinenser Ali Kamal al-Issawi, ist auf der Flucht. Auch er wurde zu einer lebenlangen Haftstrafe verurteilt.

Während des sechswöchigen Verfahrens gegen "Carlos" hatte die Pariser Staatsanwaltschaft das Bild eines gewaltbesessenen Mannes ohne Reue oder Mitgefühl für die Opfer gezeichnet. Die Verteidigung hingegen stellte den 62-jährigen Venezolaner in ihrem Schlussplädoyer als Polit-Opfer und Widerstandskämpfer dar. So wollte Anwältin Isabelle Coutant-Peyre versuchen, dem "Schakal" eine erneute lebenslange Strafe zu ersparen - vergebens.

Von Reue keine Spur

Sánchez sitzt wegen eines Dreifachmordes im Jahr 1975 bereits eine lebenslange Haftstrafe in einem Pariser Gefängnis ab. Seit Anfang November stand er erneut vor einem Sondergericht. Er hat dabei stets bestritten, an den vier Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Und auch in seinem stundenlangen Schlussplädoyer ließ er keine Einsicht erkennen.

Zusammenhanglos nannte er darin den Prozess eine Komödie, sich selbst einen Kommunisten, aber auch gottgläubigen Menschen, der als "lebender Märtyrer" illegal in Haft gehalten werde. Am Ende zitierte er sichtlich gerührt auf Arabisch auch aus einem angeblichen Testament des getöteten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Viele Zuhörer verließen während der Rede den Gerichtssaal. Sánchez' Schlusswort: "Vive la Revolution!" (Es lebe die Revolution).

In dem Terrorprozess vor dem nur mit Berufsrichtern besetzten Geschworenengericht ging es um folgende Anschläge: ein Bombenattentat auf einen Zug von Paris nach Toulouse am 29. März 1982; einen Bombenanschlag auf den Pariser Sitz des arabischen Magazins "Al Watan Al Arabi" am 22. April 1982; einen Doppelanschlag am 31. Dezember 1983 auf einen Hochgeschwindigkeitszug von Marseille nach Paris und den Bahnhof in Marseille.

"Carlos" wurde jahrelang international gesucht. Sein Leben wurde mehrfach verfilmt, zuletzt erschien "Carlos - Der Schakal" im Herbst 2010.

aar/heb/dpa/AFP



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Maikel99 16.12.2011
1. terrorist?
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Terroristen der siebziger und achtziger Jahre - nun ist*"Carlos, der Schakal" zum zweiten Mal zu*einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In seinem Abschlussplädoyer stellte er sich als revolutionären Märtyrer dar. Stundenlang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803986,00.html
für das kapitalistische System und Ihre Medien ja. Frankreich hat shon selber viele richtige Terroristen unterstützt und tut es immer noch. Einige von denen sitzen sogar im Parlament.
JDR 16.12.2011
2. ...
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Terroristen der siebziger und achtziger Jahre - nun ist*"Carlos, der Schakal" zum zweiten Mal zu*einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In seinem Abschlussplädoyer stellte er sich als revolutionären Märtyrer dar. Stundenlang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803986,00.html
Das haben die Franzosen gut gespielt. Pünktlich, wenn Carlos Aussicht auf Bewährung gehabt hätte, wird er für andere Verbrechen zu einer neuen lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Es weht wohl ein gewisser Hauch von Nostalgie durch diese Nachricht. Carlos war einmal der Staatsfeind No. 1. Damals hätte seine Verhaftung eine Terrorwelle ausgelöst, mit dem Ziel ihn zu befreien. Heute mag man vielleicht nicht ausschließen, dass ein paar dumme Jungs in der von der Wirtschaftskrise noch einmal angefachten Restglut des linken Extremismus Einzeltaten verüben, doch nicht nur Carlos Karriere ist vorbei, auch die Revolution, für die er zu stehen glaubte, ist lange schon gestorben. Die arabische Linke ist weitgehend verschwunden, die Regime, welche sie einst errichtet hatte sind gefallen - oder wanken gefährlich - ersetzt durch den "arabischen Frühling." Und Carlos selbst? Er träumt wohl immer noch von einem Wunder, hofft, noch einmal relevant zu werden, aber er hat verloren. Ilich Ramirez Sanchez zählt nicht mehr.
ronald1952 16.12.2011
3. Feiglinge!
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Terroristen der siebziger und achtziger Jahre - nun ist*"Carlos, der Schakal" zum zweiten Mal zu*einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In seinem Abschlussplädoyer stellte er sich als revolutionären Märtyrer dar. Stundenlang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803986,00.html
Hallo, Carlos ist wie alle Bombenleger eines,nähmlich ein Feigling der aus der Ferne zusieht wie Unschuldige Menschen durch sein Werk zu Tode kommen oder schwer Verletzt werden.Dieser Mann ist kein Opfer nur Täter und ich bergrüße dieses neuerliche Urteil Lebenslänglich.Ich weis nicht welchen Problem diese Spinner haben Bomben zu legen. nur eines ist sicher,es kommen immer nur Unbeteilite zu Schaden denn an Bewaffnete Polizei oder Soldaten trauen sich die Feiglinge nicht heran. schönen Tag noch, Peter
Ontologix II 16.12.2011
4. Lebenslang wegsperren
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Terroristen der siebziger und achtziger Jahre - nun ist*"Carlos, der Schakal" zum zweiten Mal zu*einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In seinem Abschlussplädoyer stellte er sich als revolutionären Märtyrer dar. Stundenlang. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803986,00.html
Traurig, dass es immer wieder "Menschen" beiderlei Geschlechts gibt, die sich für solche gewissenlosen Verbrecher begeistern und vielfachen Mord billigend in Kauf nehmen, wenn er nur unter irgendwelchen fadenscheinigen politischen Motiven geschieht.
bundesnetzagent 16.12.2011
5. Mörder
Er ist schlicht ein Massenmörder, der zu Recht für den Rest seines lebens hinter Gittern sitzt. So einfach kann die Wahrheit sein...
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