Beslan-Tragödie Gorbatschow kritisiert Krisenmanagement

Bei dem Geiseldrama von Beslan hat das russische Krisenmanagement laut Michail Gorbatschow völlig versagt. "Alles ist so schlecht gelaufen wie nur irgend möglich", sagte der ehemalige sowjetische Staatschef bei einem Besuch in Hamburg. Er forderte daher eine sorgfältige Analyse der "gewaltigen Tragödie".

Hamburg - "Die Öffentlichkeit erwartet eine klare und sorgfältige Analyse dieser Situation", sagte Gorbatschow heute in Hamburg zur Eröffnung einer deutsch-russischen Konferenz. Es sei gerechtfertigt, "wenn das unter Beteiligung des Parlamentes und der Öffentlichkeit erfolgt". Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf. Gorbatschow zeigte sich überzeugt, dass Präsident Wladimir Putin eine umfassende öffentliche Untersuchung ermöglichen werde. Dagegen hatte der russische Präsident selbst bisher nur eine interne Untersuchung angekündigt.

Gorbatschow nannte den Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien einen sinnlosen Krieg und sprach sich dafür aus, dass die Tschetschenen selbst über ihr Schicksal bestimmen sollten. Seinem Nachfolger Boris Jelzin warf er vor, mit dem Beginn des Krieges im Jahr 1994 für diese schwierigen Verwerfungen verantwortlich zu sein.

Der Ex-Politiker kritisierte, dass die Befreiung der Geiseln vergangene Woche von den Polizeikräften falsch angegangen wurde: "Es ist alles so schlecht gelaufen wie nur irgend möglich." Der Ex-Präsident fragte, warum beispielsweise nicht das ganze Einsatzgebiet abgesperrt worden sei. Außerdem sei unverständlich, wie die Geiselnehmer mit Lastwagen Waffen und Sprengstoff in die Schule schaffen konnten. Es hätten Kontrollen gefehlt, sagte er.

Ausländische Hilfe bei der Lösung des Tschetschenien-Konfliktes lehnte er ab: "Russland ist in der Lage, das Problem dort zu lösen". Der in Gang gesetzte politische Prozess müsse fortgesetzt werden. Ziel sei, dass die Tschetschenen ihre eigene Republik innerhalb der Russischen Föderation steuerten.

Gorbatschow äußerte sich einen Tag vor Beginn des Peterburger Dialoges, einer deutsch-russischen Konferenz. Die Gespräche finden in diesem Jahr in Hamburg statt. Höhepunkt sollte der Besuch von Präsident Putin und Kanzler Gerhard Schröder werden. Putin sagte aber wegen der Beslan-Krise ab.

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