Bestandene Machtprobe Berlusconi-Sieg löst Straßenschlachten in Rom aus

Kurz nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi im italienischen Parlament zwei Misstrauensvoten gewonnen hat, sind in Rom heftige Krawalle ausgebrochen. Hunderte Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, mindestens 40 Menschen wurden verletzt.


Rom - Nach den Vertrauensvoten der beiden Kammern des italienischen Parlaments für Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben landesweit Zehntausende Regierungskritiker gegen das Abstimmungsergebnis protestiert. Nach Angaben von Organisatoren der Demonstrationen gingen allein in Rom rund 100.000 Menschen auf die Straße. Einige warfen mit Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern auf die Gebäude der beiden Parlamentskammern, Abgeordnetenhaus und Senat.

Bei den Protesten kam es zu heftigen Krawallen: Eine Gruppe von mehreren hundert Demonstranten lieferte sich im historischen Stadtzentrum Straßenschlachten mit der Polizei. Demonstranten zündeten drei selbstgebaute Sprengsätze in einer Gasse in der Nähe des Parlaments. Andere bewarfen die Beamten mit Eiern und Farbe. Auf der zentralen Via del Corso gingen zahlreiche Schaufenster zu Bruch.

Wie italienische Medien berichteten, zündeten die Randalierer unter anderem ein Fahrzeug der Stadtreinigung und ein Auto der Finanzpolizei an. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Mindestens 40 Menschen wurden verletzt. Es waren Demonstranten mit blutüberströmten Gesichtern zu sehen.

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Flammen in Rom: Ausschreitungen bei Berlusconi-Protesten
Berlusconi hatte sich einem von der Opposition beantragten Misstrauensvotum stellen müssen. Er gewann die Abstimmung mit nur wenigen Stimmen Vorsprung. Kritiker hatten zuvor von Stimmenkauf und Bestechung gesprochen.

Das Parlamentsgelände im Zentrum der italienischen Hauptstadt war schon am Morgen von der Polizei abgeriegelt worden. Mehrere Kundgebungen und eine Menschenkette waren angekündigt worden, um gegen die Politik der Regierung Berlusconi zu demonstrieren und den Sturz des Regierungschefs zu fordern. Über 1500 Polizisten wurden aufgeboten, um Übergriffe zu verhindern. Vor allem Schüler und Studenten versammelten sich zu Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung.

Protestiert wurde auch in zahlreichen anderen Städten: In Palermo auf Sizilien besetzten mehr als 500 Schüler und Studenten kurzzeitig die Landebahn des Flughafens. Andere Demonstranten blockierten Bahngleise und verursachten damit Störungen im Zugverkehr. Im norditalienischen Mailand, der Heimatstadt Berlusconis, drangen etwa 50 Studenten in die Börse ein. Weitere Demonstrationen fanden in Genua, Turin, Neapel und Bari sowie in Cagliari auf Sardinien statt.

ore/dpa/AFP



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