Besuch bei Blair Wirbel um Bush-Interview mit britischem Nackedei-Blatt

Empörung in der US-Presse: Kurz vor seinem Besuch in Großbritannien hat Präsident Bush ausgerechnet dem britischen Revolverblatt "Sun", das zum Imperium des Republikanerfreundes Murdoch gehört, ein Exklusiv-Interview gegeben. Darin bekräftigte er seine Bereitschaft, um einer sicheren Welt willen wieder Krieg zu führen.


Bush-Interview für das britische Murdoch-Massenblatt "The Sun"

Bush-Interview für das britische Murdoch-Massenblatt "The Sun"

London - Das Interview mit dem Boulevardblatt "Sun", das heute, einen Tag vor Bushs Eintreffen in England, veröffentlicht wurde, ist auf heftige Kritik gestoßen. US-Zeitungen kritisierten George W. Bush dafür, dass er ein Blatt ausgewählt hat, das vor allem für die Nacktfotos auf seiner Seite Drei bekannt ist. "Nachdem er sein Amt mit dem Schwur angetreten hat, die Würde des US-Präsidialamts wiederherzustellen gibt der Präsident ein Exklusiv-Interview einer britischen Boulevardzeitung, die täglich Fotos von nackten Frauen veröffentlicht", schreibt die "Washington Post".

Nach Angaben der "Washington Post" gab Bush in diesem Jahr weder der "Post" noch der "New York Times" noch dem "Wall Street Journal" noch "Time" oder "Newsweek" ein Einzelinterview. Weiteren bedeutenden Zeitungen wie der "Los Angeles Times", dem "Chicago Tribune", dem "Boston Globe" gewährte er während seiner ganzen Präsidentschaft noch kein Exklusiv-Interview.

Mit feiner Ironie würdigt "Washington Post"-Autor Dana Milbank die "Sun": Das Blatt sei viel mehr als Busen. So habe die Zeitung vergangene Woche auch über eine Frau berichtet, die "aus zwei Frauen gemacht" sei und die "nicht die biologische Mutter zweier Kinder ist, die sie empfangen und geboren hat".

Die Empörung ist groß. Bushs Pressesprecher Scott McClellan versucht, die Wahl des Präsidenten zu rechtfertigen. Die "Sun" habe eine große Leserschaft - 3,5 Millionen Briten.

In Wahrheit dürfte Bush dem Medienmogul und "Sun"-Besitzer Rupert Murdoch einen business-trächtigen Gefallen getan haben. Der konservative Verleger steht hinter vielen Bush-freundlichen Medienorganen, so etwa hinter dem amerikanischen Nachrichtensender Fox News, der Bushs Irakpolitik unterstützte.

In dem Interview mit der "Sun" sagte Bush, seine Überzeugung, handeln zu müssen, sei von den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA ausgelöst worden. "Ich war am Ground Zero nach den Anschlägen. Ich erinnere mich an die Dunstglocke und den Gestank und den Tod und die Zerstörung. Ich werde mich immer daran erinnern", sagte Bush, "dort habe ich mich entschieden. Wir befinden uns im Krieg und wir werden diesen Krieg gewinnen. Und ich empfinde diese Entschlossenheit noch heute", fügte der Präsident hinzu.

Bush sagte weiter, die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten hätten die Tyrannei des irakischen Präsidenten Saddam Hussein beendet, die Macht des Moslem-Extremisten Osama Bin Laden in Afghanistan zerschmettert und die Vereinten Nationen dazu gezwungen, dem Terror ins Gesicht zu sehen.



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