Besuch eines Kriegsschreins Japanische Politiker provozieren China

Seoul und Peking protestierten - doch 168 japanische Parlamentarier haben einen umstrittenen Schrein für Kriegstote besucht. Südkoreas Außenminister sagte daraufhin eine Visite ab, China kritisierte das Vorgehen. Die Beziehungen mit Tokio sind ohnehin sehr gespannt.

AP Photo/Kyodo News

Tokio - Der Yasukuni-Schrein in der japanischen Hauptstadt Tokio ist sehr umstritten: Es ist ein Gedenkort für Japans Tote im Zweiten Weltkrieg. Doch dort werden auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt.

Für Länder wie Südkorea oder China - deren Bevölkerung Opfer der Aggressionen der kaiserlichen japanischen Streitkräfte war - sind Besuche japanischer Politiker bei diesem Heiligtum ein Affront.

Eine besondere Provokation ist ein Besuch, der am Dienstag stattfand. 168 Abgeordnete pilgerten zu dem Schrein. Für gewöhnlich nehmen weit weniger Politiker an der jährlichen Fahrt teil. Bereits am Montag hatten mehrere Kabinettsmitglieder den Ort besucht. Auch eine "Opfergabe" des japanischen Premiers Shinzo Abe, ohne dass er den Schrein selbst besucht hatte, stieß auf Kritik.

Südkorea und China reagierten am Dienstag verärgert. Seoul rief die Regierung in Tokio auf, "ihr rückwärtsgerichtetes Verhalten sofort einzustellen". Südkoreas Außenminister Yun Byung Se sagte einen geplanten Besuch in Tokio ab.

Japan müsse sich seiner früheren "Aggression" stellen und diese bereuen, erklärte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. "Menschen auf der ganzen Welt, darunter die Chinesen, blicken auf Japan."

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind derzeit ohnehin gespannt. Die Länder streiten um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer, die beide Staaten sowie Taiwan für sich beanspruchen. In Japan werden sie Senkaku-Inseln genannt, im Chinesischen heißen sie Diaoyu-Inseln.

Die Regierung in Tokio teilte am Dienstag mit, sie habe den chinesischen Botschafter einbestellt, nachdem erneut chinesische Regierungsschiffe in der Nähe der Inseln gesichtet wurden. Nach Angaben der japanischen Küstenwache waren um 8 Uhr Ortszeit acht Schiffe in die Gewässer eingedrungen. Dies war laut der japanischen Regierung die höchste Zahl von chinesischen Schiffen in der Gegend an einem einzigen Tag.

Peking dagegen bemängelte, dass japanische Aktivisten zur Inselgruppe gefahren seien. Die chinesische Regierung bezeichnete die Aktion als "illegal" und "verstörend".

kgp/AFP

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Reg Schuh 23.04.2013
1. Jedes Jahr dasselbe
Jedes Jahr dasselbe. Es ist wirklich peinlich, in mehrerlei Hinsicht. Daß es diese Jahr noch mehr Politiker sind, kommt noch dazu. Der japanische Konservatismus ist für uns (oder für mich) in dieser Hinsicht unbegreiflich. Eine japanische Freundin hatte sich auch heftig aufgeregt, daß die politische Kaste immer und immer wieder diesen Ärger provoziert, oder zumindest billigend in Kauf nimmt. Ich wünsche mir manchmal deutlichere Worte aus Europa. Die Kontakte zum "Erbfeind" Frankreich auf allen Ebenen sind der bessere Weg, eine fürchterliche Vergangenheit zu verarbeiten.
spon-facebook-10000078480 23.04.2013
2. Jeder Krieg ist inakzeptabel!!!
Es gibt keine aber auch gar keine Rechtfertigung für Kriegstreiber oder Kriege. Ein einziges Menschenleben ist mehr wert als alle Inseln auf unserer Erde. Das Volk in jedem Land, die einfachen Menschen müssen endlich diese Politiker die sich wegen einer läpischen Insel streiten, auf eine einsame Insel einsperren. Menschen dieser Erde habt Ihr immer noch nicht kappiert, DAS VOLK hat die MACHT, nicht ein paar wenige Schwätzer!!!! Ich frage mich allen Ernstes, wann wird die Mehrheit der Menschen endlich wach???? Keine Waffen, keine menschlichen Affen können eine Masse von vernünftigen Menschen aufhalten oder vernichten!
jouvancourt 23.04.2013
3. Spannungen
Haben Sie es auch gemerkt? Die politischen Spannungen auf der ganzen Welt nehmen dramatisch zu und viele Länder kochen. Vor Wut, vor Verzweiflung, wegen des Stillstandes oder der Aussichtslosigkeit der wirtschaftlichen Situation. Auf Krisen folgen Kriege, das war immer schon die logische Entwicklung und die 1,75 Billionen Dollar an Rüstungsausgaben sprechen ihre eigene Sprache.
Wololooo 23.04.2013
4.
Zitat von Reg SchuhJedes Jahr dasselbe. Es ist wirklich peinlich, in mehrerlei Hinsicht. Daß es diese Jahr noch mehr Politiker sind, kommt noch dazu. Der japanische Konservatismus ist für uns (oder für mich) in dieser Hinsicht unbegreiflich. Eine japanische Freundin hatte sich auch heftig aufgeregt, daß die politische Kaste immer und immer wieder diesen Ärger provoziert, oder zumindest billigend in Kauf nimmt. Ich wünsche mir manchmal deutlichere Worte aus Europa. Die Kontakte zum "Erbfeind" Frankreich auf allen Ebenen sind der bessere Weg, eine fürchterliche Vergangenheit zu verarbeiten.
Dieser Schrein wird von der chinesischen Regierung als Vorwand genutzt, um weiter anti-japanische Ressentiments in der Bevölkerung zu schüren, um von den eigenen Problemen abzulenken. Da in Japan aus jeder Familie (ähnlich wie in Deutschland) Leute im Krieg gefallen sind, geht jede Familie mind. einmal zum Yasukuni-Schrein (Es werden übrigens alle gefallen Soldaten seit 1868 geehrt), eines der Hauptheiligtümer in ganz Japan (sogenannte Chokusaisha). Dass dort auch 14 Kriegsverbrecher unter den 2.500.000 aufgeschriebenen Namen dabei sind, halte ich deswegen für weniger schlimm. Das man die Toten besänftigen und ehren muss ist übrigens fest in der japanischen Kultur verankert. Außerdem sollte China vor seiner eigener Tür kehren. Wer mal einen Film über den zweiten Weltkrieg im chinesischen Staatsfernsehen gesehen hat, der weiß was Geschichtsfälschung bedeutet.
phaeno 23.04.2013
5. Plattheiten
Zitat von WololoooDieser Schrein wird von der chinesischen Regierung als Vorwand genutzt, um weiter anti-japanische Ressentiments in der Bevölkerung zu schüren, um von den eigenen Problemen abzulenken. Da in Japan aus jeder Familie (ähnlich wie in Deutschland) Leute im Krieg gefallen sind, geht jede Familie mind. einmal zum Yasukuni-Schrein (Es werden übrigens alle gefallen Soldaten seit 1868 geehrt), eines der Hauptheiligtümer in ganz Japan (sogenannte Chokusaisha). Dass dort auch 14 Kriegsverbrecher unter den 2.500.000 aufgeschriebenen Namen dabei sind, halte ich deswegen für weniger schlimm. Das man die Toten besänftigen und ehren muss ist übrigens fest in der japanischen Kultur verankert. Außerdem sollte China vor seiner eigener Tür kehren. Wer mal einen Film über den zweiten Weltkrieg im chinesischen Staatsfernsehen gesehen hat, der weiß was Geschichtsfälschung bedeutet.
Wenn Sie berücksichtigen, dass auch Südkorea gegen diesen besuch energisch protestiert hat, sollte Ihnen eigentlich selbst klar werdebn, welche Plattheiten Sie da von sich geben. Im Übrigen geht es Japan mit den chinesischen Erfahrungen genauso wie Deutschland mit den russischen. Niemand hat die beiden Staaten dazu eingeladen, über ihrte Nachbarn herzufallen. Das Gejammere hinterher ist Heuchelei und typisch für die rechten Weicheier.
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