Besuch in Kabul Wulff auf Überraschungsvisite in Afghanistan

Das Treffen wurde unter höchster Geheimhaltung vorbereitet: Bundespräsident Christian Wulff ist überraschend zu einem Besuch in Afghanistan eingetroffen. In Kabul trifft er mit Staatspräsident Hamid Karzai zusammen.

Bundespräsident Wulff, Afghanistans Präsident Karzai: Treffen in Kabul
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Bundespräsident Wulff, Afghanistans Präsident Karzai: Treffen in Kabul


Kabul - Bundespräsident Christian Wulff ist am Sonntag zu einem Staatsbesuch in Afghanistan eingetroffen. Nach einem Treffen mit Menschenrechtlern wurde er von Afghanistans Präsident Hamid Karzai offiziell begrüßt. Der Staatschef empfing Wulff im Präsidentenpalast im Zentrum Kabuls mit militärischen Ehren und nannte ihn einen "alten Freund Afghanistans". Anschließend wollten beide zu einem Gespräch zusammenkommen.

Wulff sagte nach seiner Ankunft: "Ich bin nach Afghanistan gekommen, um deutlich zu machen: Deutschland wird Afghanistan nicht im Stich lassen. Wir werden Afghanistan bei der Bewältigung der kommenden Aufgaben auch nach vollständiger Übernahme der Sicherheitsverantwortung 2014 ein verlässlicher und dauerhafter Freund und Partner sein."

Im Gespräch mit afghanischen Menschenrechtlern in der Deutschen Botschaft ging es neben der Menschenrechtslage und der Situation der Frauen auch um die politische Zukunft Afghanistans. "Ich habe großen Respekt vor den Leistungen der afghanischen Zivilgesellschaft", sagte Wulff. Diese spiele im Übergangsprozess hin zur vollen Souveränität des Landes eine entscheidende Rolle.

Der Staatsbesuch fand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde erst nach der Landung des Bundespräsidenten in Kabul öffentlich bekannt gegeben. Wulff flog am Samstagabend zunächst mit dem Luftwaffen-Airbus von Berlin ins usbekische Termes und stieg dort am Morgen in eine Transall-Militärtransportmaschine nach Kabul um. Erst im September war eine Reise des Bundespräsidenten nach Kabul wegen Sicherheitsbedenken nur wenige Stunden vor dem Abflug abgesagt worden.

Es ist nun Wulffs erster Aufenthalt in Afghanistan - und es ist der erste Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten am Hindukusch seit 44 Jahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel war zuletzt im Dezember vorigen Jahres in Afghanistan. Im Mai 2010 hatte Wulffs Vorgänger Horst Köhler deutsche Soldaten in Afghanistan besucht. Mit Karzai traf er damals nicht zusammen. Wenig später war Köhler wegen umstrittener Äußerungen über das deutsche Militärengagement am Hindukusch zurückgetreten.

Das Treffen des Bundespräsidenten mit Karzai dient auch der Vorbereitung der internationalen Afghanistan-Konferenz am 5. Dezember in Bonn. Dann sollen die Weichen für den weiteren Friedensprozess des Landes gestellt werden. Die Beteiligung an der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) ist mit derzeit mehr als 5000 Soldaten der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Bis Ende 2014 sollen die afghanischen Behörden die Verantwortung für die Sicherheit vollständig übernehmen und die Kampftruppen das Land verlassen.

Die überraschende Reise von Wulff gilt nicht nur den deutschen Soldaten, sondern hat einen politischen Schwerpunkt. Der Bundespräsident will in Kabul die lange Tradition von Kontakten zwischen Deutschen und Afghanen deutlich machen. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1919 arbeiten beide Länder zusammen. Bereits 1928 hatten die Berliner dem afghanischen König Amanullah und Gattin Soraya einen begeisterten Empfang bereitet. Der Monarch, der deutsche Wissenschaftler und Ingenieure in sein Land holte, war der erste gekrönte Gast in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes leben derzeit fast 90.000 Afghanen in der Bundesrepublik.

suc/dpa/dapd



insgesamt 33 Beiträge
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durchblick 16.10.2011
1. 10 Jahre
Zitat von sysopDas Treffen wurde unter höchster Geheimhaltung vorbereitet: Bundespräsident Christian Wulff ist überraschend zu einem Besuch in Afghanistan eingetroffen. In Kabul trifft er mit Staatspräsident Hamid Karzai zusammen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792031,00.html
10 Jahre Krieg - wofuer?
herbert 16.10.2011
2. Fazit: Außer Spesen nichts gewesen !
Der Afganistan Präsident ist laufend in Berlin um aufzutanken. Der Wulff läuft ihm -zig mal über den Weg. Was hat nun der Grüßaugust Wulff in Afganistan zu suchen? Was will er regeln oder dort überbringen? Die Themen sind so ausgelutscht und bestimmt keine Fachthemen für den Wulff. War der Wulff überhaupt bei der Bundeswehr um zu verstehen, dass in Afganistan Krieg ist? Für mich ein teurer Flug mit Null Ergebnis und Erkenntnis!
janne2109 16.10.2011
3. ..
ein Besuch bei unseren Soldaten wäre angebracht !
papayu 16.10.2011
4. Torschlusspanik ?
Kommt mir so vor. Erst Frau Merkel in die Mongolei, um dort Kohle zu foerdern, jetzt auch noch der Grussaugust nach Afghanistan um ewige Freundschaft zu besiegeln. Find ich bloed, sogar saubloed, den Hinweis auf 1919. Haben Sie in der Redakion etwa noch Koenigstreue, weil die derzeitigen "Monarchen" keine Krone mehr tragen??? In den 50 Jahren des letzten Jahrhunderts stieg ein Monarch aus der Gegend im "Vier Jahreszeiten' ab, begleitet von Soraya.Und alle jubelten und dann??? Wahrscheinlich wird mein Beitrag im PK landen, so wie der letzte ueber die Bonobos!!!Haben wir jetzt wieder Gestapo oder Stasi Zeiten?
EINWURF 16.10.2011
5. Guter Rat
"Christian, du musst mal wieder von dir hören lassen", sagte seine PR-Beraterin.
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