SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. September 2012, 17:39 Uhr

Natans

Iran öffnet erstmals Atomanlage für ausländischen Staatschef

Die Regierung in Teheran hat offenbar zum ersten Mal einen ausländischen Staatschef in ihre wichtigste Atomanlage geführt. Der mongolische Präsident besichtigte laut einem Agenturbericht das Gelände in Natans - und zeigte sich schwer beeindruckt.

Teheran - Ist es nur ein PR-Gag? Ein weiterer Winkelzug im Ringen um Irans umstrittenes Atomprogramm? Oder tatsächlich ein Signal der Öffnung aus Teheran? In einem bemerkenswerten Schritt hat das Regime offenbar erstmals ein ausländisches Staatsoberhaupt in seine bedeutendste Uran-Aufbereitungsanlage gelassen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP besuchte der mongolische Präsident Tsakhia Elbegdorj die Anlage in Natans.

Im iranischen Staatsfernsehen wurden Bilder von Elbegdorj gezeigt, wie er Zentrifugen begutachtet. In der Vergangenheit waren schon mehrfach internationale Inspektoren und Diplomaten auf dem Areal gewesen - noch nie jedoch derart hoher Besuch.

In den TV-Aufnahmen wird Elbegdorj mit den Worten zitiert, es handele sich um "einen einmaligen Ort". Getreu der iranischen Linie habe Elbegdorj in Natans gelernt, wie "Uran für die friedliche Energiegewinnung verwendet wird". Der Politiker habe sich in der Anlage frei bewegen können, behauptet der TV-Sender.

Das Ausland, vor allem Israel und die USA, fürchten seit langem, dass Iran die Kernenergie auch für militärische Zwecke nutzen könnte. Teheran bestreitet dies vehement.

Teheran meldet Fortschritte beim Raketenschild

Am Montag teilte Iran zudem mit, dass es rund 30 Prozent eines neuen Raketenabwehrsystems fertiggestellt habe. Im nächsten Jahr soll der Bau komplett sein, teilte Top-Militär Farzad Esmaili mit. Das Land will in den kommenden zwei Monaten zudem bei einem ausgedehnten Manöver sein bestehendes Luftabwehrarsenal testen. "Wir werden alles verwenden, was wir haben, um Iran zu schützen", so Esmaili laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch auch die Gegenseite rasselt mit den Säbeln. Die US-Regierung will einem Pressebericht zufolge den Druck auf Teheran weiter erhöhen. Die US-Marine wolle mit 25 anderen Ländern im Persischen Golf ein Minenräummanöver abhalten, berichtete die "New York Times" am Montag unter Berufung auf Militärkreise.

Das im September geplante Manöver sei von beispielloser Größe, schrieb die "New York Times". Mit der Übung solle Iran verdeutlicht werden, dass jeder Versuch einer Blockade der strategisch wichtigen Seestraße von Hormus auf entschiedenen Widerstand träfe. Zudem solle demnächst ein neues Radarsystem in Katar fertiggestellt werden, das mit Anlagen in Israel und der Türkei eine regionale Raketenabwehr bilden solle.

Demnächst neue Angriffe mit Computerviren?

Darüber hinaus würden die Geheimdienste der USA und Israels einen weiteren Cyber-Angriff auf iranische Atomanlagen erwägen, berichtete die "New York Times". Im Jahr 2010 war der Computervirus Stuxnet in die Urananreicherungsanlagen gelangt und hatte dort zur Fehlfunktion der Zentrifugen geführt. Aufgrund eines Programmierfehlers war der Virus auch in andere Systeme gelangt, woraufhin Iran eine Reihe von Abwehrmaßnahmen gegen weitere Cyber-Angriffe traf.

Frankreich warnte derweil Israel vor einem Angriff auf Irans Atomanlagen. Er sei absolut dagegen, dass Iran Kernwaffen baue, sagte Außenminister Laurent Fabius am Montag in einem Interview der Sender BFM-TV und RMC. Ein Angriff würde aber vor allem auf Israel zurückfallen und den Iran in eine Opferrolle bringen. Frankreich sei deswegen weiter für schärfere Sanktionen gegen das Regime in Teheran. Zugleich müssten die Atomgespräche vorangetrieben werden, betonte Fabius.

jok/AP/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung