Besuch in Washington Obama fordert mehr Libyen-Engagement von Merkel

Kurz vor dem US-Besuch der Bundeskanzlerin hat Präsident Obama seine Wünsche an die Deutsche formuliert: Er erwarte mehr Unterstützung beim Einsatz in Libyen. Dazu will er Merkel mit einem Zitat überzeugen, das von ihr selbst stammt.

Merkel und Obama: "Wir sind nicht immer einer Meinung"
AP

Merkel und Obama: "Wir sind nicht immer einer Meinung"


Washington/Berlin - Es ist eine seltene Ehre, die Angela Merkel am Dienstag in Washington zuteil wird. Der Präsident der Vereinigten Staaten wird ihr im Rosengarten des Weißen Hauses die Freiheitsmedaille überreichen, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Zudem wird es ein Staatsbankett geben. Das letzte Staatsbankett für Deutschland ist lange her: Mitte der neunziger Jahre für die Regierung von Helmut Kohl.

Doch Barack Obama will nicht nur geben und ehren - er will auch was haben. Mehr deutsches Engagement beim Nato-Einsatz gegen Libyen. Zwei Tage vor dem Eintreffen der Kanzlerin in Washington sagte Obama dem "Tagesspiegel": "Ich freue mich auf die Diskussion mit der Kanzlerin, wie wir gemeinsam noch mehr tun können, um effektiver auf die Veränderungen in der Region zu reagieren, inklusive Libyen."

Der US-Präsident lobte Deutschland dafür, dass Berlin die Nato-Operation gegen den libyschen Machthaber schon jetzt indirekt unterstütze. Die Menschen in Libyen, Ägypten und anderen Staaten Nordafrikas verdienten die entschlossene Hilfe Deutschlands und Amerikas. "Freiheit kommt nicht von selbst. Für Freiheit muss man jeden Tag kämpfen und sie aufs Neue verteidigen", berief sich Obama auf ein Zitat der Bundeskanzlerin. Allerdings hatte die deutsche Enthaltung bei der Libyen-Resolution des Weltsicherheitsrates in den USA für Verwunderung gesorgt.

Der Mangel an demokratischer Erfahrung in der Region bedeute nicht, dass der Wunsch der Völker dort nach Freiheit weniger Unterstützung verdiene, sagte Obama in dem Interview. Als Vorbild nannte er die Wende von 1989 in Europa. Damals habe Deutschland den Weg zur Freiheit für die Länder des früheren Warschauer Pakts geebnet. Zwei Jahrzehnte später diene es als Beweis, dass Demokratie diejenigen belohnt, die zu harter Arbeit und zu Opfern bereit seien.

"Ich schätze ihre offenen Worte"

Merkel nannte der Präsident eine "gute Freundin und einen der engsten Partner in der Welt". Er könne der Kanzlerin vertrauen, wenn sie eine Zusage mache. "Ich berate mich bei jeder wichtigen Frage auf meiner internationalen Agenda mit der Kanzlerin, und ich schätze ihren Pragmatismus und ihre offenen Worte sehr. Wir sind nicht immer einer Meinung", aber "wir sprechen stets ehrlich und offen miteinander, wie enge Freunde das tun sollen".

Die Bundeskanzlerin erhält die Freiheitsmedaille für ihren in der DDR gelebten "Traum von Freiheit" und ihren Weg bis zur Kanzlerschaft als erste Ostdeutsche und erste Frau in der Bundesrepublik, hieß es vom Weißen Haus zur Begründung.

Merkel wird von fünf Bundesministern begleitet, die auch am Staatsbankett teilnehmen. In Obamas Amtszeit wurde eine solche Ehre bisher nur den Präsidenten von China, Mexiko und Indien zuteil. Das Verhältnis von Obama und Merkel gilt als nicht so herzlich wie Merkels Beziehung zu Obamas Vorgänger, George W. Bush.

ler/dpa/dapd



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