Beteiligung am Irakkrieg Blair beruft sich auf Gott

Mit einer Äußerung im Fernsehen hat der britische Premier Blair für Aufruhr gesorgt. Auf die Frage, ob er die Beteiligung am Irakkrieg noch für richtig halte, sagte er, er habe lange mit sich gerungen. Letztlich werde Gott das Urteil fällen. Kriegsgegner sind empört.


London - Blair sagte, er habe in der Frage, ob seine Entscheidung für den Krieg im Irak richtig war oder nicht, lange mit seinem Gewissen gerungen, heißt es in der Abschrift eines Interviews des britischen Fernsehsenders ITV. Das Urteil darüber sprächen am Ende andere, und "wenn Sie gläubig sind, wird es von Gott gefällt". Seine Politik habe christliche Werte und eine christliche Philosophie. Zur Frage, ob er vor seiner Kriegsentscheidung gebetet habe, äußerte sich Blair, der regelmäßiger Kirchgänger ist, nicht. Auch die Geschichte werde darüber befinden, ob die Entscheidung richtig gewesen sei, sagte er.

Bei Kriegsgegnern stießen die Äußerungen auf scharfe Kritik. Im Unterschied zu US-Präsident George W. Bush vermied es Blair jedoch, den Einsatz mit seinem Glauben zu rechtfertigen. Seit dem Einmarsch unter Führung der USA in den Irak im März 2003 sind mehr als hundert britische Soldaten getötet worden. Auch Tausende irakische Zivilisten kamen ums Leben.

Allein heute sind bei Gewalttaten in der irakischen Zentralregion mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Explosion auf einem belebten Markt im Süden Bagdads wurden nach Augenzeugenberichten sieben Menschen getötet, elf weitere wurden verletzt. Die Explosion in Dschisr Diali wurde nach unterschiedlichen Augenzeugenberichten entweder von einem Mörsergeschoss oder einem in einem Müllsack versteckten Sprengsatz ausgelöst. Bei weiteren Anschlägen wurden zwei Menschen getötet. Bei dem folgenschwersten starb in Bakuba nördlich von Bagdad ein neunjähriges Mädchen, als vor einem Geschäft ein Sprengsatz detonierte. Acht weitere Passanten wurden verletzt.

ffr/reuters/dpa



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