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01. Juli 2003, 13:59 Uhr

Betlehem

Israels Armee packt zusammen

Die israelische Armee bereitet ihren Abzug aus Betlehem vor. Ab Mittwoch wollen die Soldaten die Stadt im Westjordanland verlassen. Weitere Städte sollen allerdings erst aus der Besatzung entlassen werden, wenn die palästinensische Polizei mit der Entwaffnung der militanten Organisationen beginnt.

Rückzug: Israelische Grenzpolizisten verlassen einen Checkpoint bei Betlehem
REUTERS

Rückzug: Israelische Grenzpolizisten verlassen einen Checkpoint bei Betlehem

Jerusalem - In Vorbereitung ihres Abzugs transportierten die Truppen Gerät von einem Stützpunkt in der Nähe der Stadt ab. Am Wochenende waren die israelischen Truppen bereits aus Teilen des Gaza-Streifens abgezogen. Trotz der Verkündung eines dreimonatigen Gewaltverzichts palästinensischer Gruppen kam es erneut zu einem Zwischenfall. Ein Palästinenser eröffnete an einer Kontrollstelle das Feuer und wurde von Soldaten erschossen.

Der 20-Jährige habe mit einer Pistole auf Soldaten einer Kontrollstelle zwischen Tulkarem und Kalkilja geschossen, teilten die Streitkräfte mit. Es handelte sich um den zweiten tödlichen Zwischenfall seit der Verkündung der Waffenruhe am Sonntag.

Der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Avi Dichter, sagte bei einem Symposion an der Universität von Tel Aviv, Israel werde sich nur dann aus weiteren Städten im Westjordanland zurückziehen, wenn die palästinensische Polizei mit der Entwaffnung der militanten Organisationen beginne. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas lehnt die gewaltsame Entwaffnung der Gruppierungen ab. Abbas und der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wollten im Lauf des Tages zusammentreffen, um über die weiteren Schritte im Rahmen des Friedensplans des Nahost-Quartetts zu sprechen.

In der überwiegend von Arabern bewohnten israelischen Stadt Nazareth zerstörten Bulldozer in der Nacht eine Moschee, die ohne Genehmigung errichtet worden war. Das Gebäude war unmittelbar neben der christlichen Verkündungsbasilika errichtet worden, was zu Spannungen mit der christlichen Minderheit führte. Während des Abrisses kam es zu Zusammenstößen mit Bewohnern. Mehrere Personen wurden festgenommen. Ein Gericht hatte im März den Abriss der Schihab-al-Din-Moschee angeordnet, weil sie ohne Baugenehmigung errichtet worden war.

Die Polizei in Jerusalem bestätigte unterdessen, dass kleinen Gruppen jüdischer Touristen in letzter Zeit der Besuch auf dem Gelände der al-Aksa-Moschee erlaubt wurde. Mit einem Besuch des von den Muslimen auch als Haram al-Scharif verehrten dritthöchsten Heiligtums ihrer Religion hatte Scharon - damals noch als Oppositionsführer - im September 2000 die bis heute andauernde Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern ausgelöst. Die al-Aksa-Moschee steht für Juden auf dem Tempelberg, ihrem heiligsten Ort.

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