Bewerbung für den Senat "Sweet Caroline" will die Kennedy-Saga fortschreiben

Für manche ist es ein modernes Märchen, für andere knallhartes Machtkalkül: Caroline Kennedy, Tochter von JFK, drängt in den US-Senat auf Hillary Clintons alten Posten. Die kühle, clevere Juristin hat gute Aussichten auf Erfolg - aber gerade das Clinton-Lager hat noch Rechnungen mit ihr offen.

Von , New York


New York - Caroline Kennedy ist keine begnadete Rednerin. Zum Beispiel beim Wahlparteitag der US-Demokraten im August: Auf der enormen Bühne würdigt sie, im schwarzen, schulterfreien Kleid, ihren Onkel, den Altsenator Ted Kennedy. Sie vergleicht Barack Obama mit ihrem Vater. Sie quält sich durch den Auftritt.

Schräg lächelnd beschwört Kennedy die amerikanischen Ideale von "Recht und Fairness, Dienst und Aufopferung, Glaube und Familie". Sie lobt Obama als den ersten Politiker, "der mich so inspiriert, wie mein Vater die Leute inspiriert hat". Machtvolle Worte - doch Kennedy leiert sie herunter, nervös auf den Zehenspitzen wippend, die Augen fixieren den Teleprompter.

Der Saal liebt sie trotzdem. Die Delegierten begrüßen jeden ihrer Sätze mit haltlosem Jubel, winken wild mit "Kennedy"-Schildern. Die Band spielt "Sweet Caroline", jenen Pop-Schlager, den Neil Diamond ihr zu Ehren komponierte, als sie gerade mal elf war.

Es war eine typische Szene. Caroline Kennedy, 51, Tochter und einzig überlebendes Kind von John F. Kennedy, wird von vielen Amerikanern verehrt. Doch das Rampenlicht hat sie selbst nie gemocht - verständlich angesichts des tragischen Schicksals, das ihre Familie verfolgt.

Pressescheu und privat

Die New Yorkerin ist ein verschlossener Promi, pressescheu und privat wie die Ikone Jackie, ihre Mutter - so ganz anders als ihr Tausendsassa-Bruder John Kennedy Jr., der 1999 bei einem Flugzeugabsturz umkam. Exkursionen in die Öffentlichkeit wagt sie nur, wenn ihr der Anlass wirklich am Herzen liegt.

So war es erstaunlich, dass sich Kennedy so vehement für Obama in den Wahlkampf warf, zum Ärger von dessen Rivalin Hillary Clinton. Und so ist es nun bezeichnend wie ironisch, dass Kennedy den ultimativen Schritt aus ihrer Privatsphäre heraus wagt - indem sie Anspruch auf Clintons Senatssitz anmeldet, wenn diese 2009 zur Außenministerin aufsteigt.

Damit würde sich die Kennedy-Dynastie für eine weitere Generation im Dunstkreis der Macht halten. Caroline Kennedy träte nicht nur das politische Erbe ihres Onkels Ted an, des 76-jährigen "Löwen des Senats", der dort seit 1962 den Bundesstaat Massachusetts vertritt, nun aber schwer an Hirnkrebs erkrankt ist. Sie würde auch ihrem anderen Onkel Robert Kennedy folgen, der genau diesen New Yorker Senatssitz von 1965 bis zu seiner Ermordung 1968 bekleidete.

Der jüngste Akt der Kennedy-Saga vollzog sich so konspirativ wie viele andere in der Geschichte dieses Clans, der trotz seiner vielen Schattenseiten immer noch vom "Camelot"-Mythos profitiert. Kennedy, eine Anwältin, Autorin und Aktivistin, kündigte ihren Wunsch nicht selbst an, geschweige denn offiziell. Stattdessen wurde ihr Begehr strategisch gezielt lanciert, an die "New York Times" - unter Berufung auf "eine Person, der ihr Beschluss mitgeteilt wurde".

Dahinter verbirgt sich wahrscheinlich die New Yorker Consulting-Firma Knickerbocker SKD, die Kennedy engagiert hat, um ihre Senats-Ambitionen zu managen. Zu deren Klienten zählen Bürgerrechtler Al Sharpton, Telekom-Tochter T-Mobile, die Stadt New York und das Metropolitan Museum of Art, an dem Kennedy früher arbeitete. Da geschieht nichts durch Zufall, gerade eine "Indiskretion" nicht.

Nein: Kennedy, die über keinerlei politische Erfahrung verfügt, betreibt ihre Kampagne schon seit Wochen nach einer klassischen Methode. Anfang Dezember startete sie einen ersten Versuchsballon, indem sie streuen ließ, sie spiele mit dem Gedanken. Die Kommentatoren waren dezidiert geteilter Meinung - doch die Wähler schienen die Idee zu mögen.

insgesamt 37 Beiträge
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Zwietracht, 15.12.2008
1.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Sie tut mir leid. Wenn schon angeblich seriöse Medien wie der Spiegel sie auf dieses Kaffekränzchenformat reduzieren glauben zu müssen. Statt sich mit ihr als eigenständiger Person auseinanderzusetzen wird sie erst einmal auf den mit der BILD-Zeitung kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ganz toll... In einer Wahl-Demokratie gibt es weder eine Dynastie, noch ein politisches Erbe. Wer sich die Monarchie zurücksehnt sollte Bild der Frau und BUNTE lesen. :-)
kwbgjh2, 15.12.2008
2.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Reif genug mit erst 51? Unmöglich, ich bin 48 und habe 4 Bandscheibenvorfälle und daher weiß ich, daß die Frau ist doch sozusagen nicht mal erwachsen ist. Ich bin dafür das Wählbarkeitsalter zumindest in Deutschland auf 67 zu erhöhen. Geronten an die Macht !!
jassojasso, 15.12.2008
3. Monarchie abgeschafft?
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Ich dachte wenigstens in den Staaten sei die Monarchie abgeschafft. Wechselt sich nun der Bush Clan wieder mit dem Kennedy Clan ab?
Willie, 16.12.2008
4.
Zitat von sysopSie ist die Tochter von JFK, jetzt bewirbt sich Caroline Kennedy um Hillary Clintons Nachfolge als Senatorin. Wenn sie von New Yorks Gouverneur ernannt wird, könnte sie das politische Erbe der Dynastie antreten - aber ist sie dafür als Politikerin reif genug?
Es sieht so aus, als ob beim Spiegel niemand mehr weiss, was der Begriff Dynastie bedeutet. Ist er doch im vorstehenden Zusammenhang voellig fehl am Platze. Nicht nur gibt es in den USA keine politische Dynastiestruktur, noch nicht einmal der Senatorenplatz, um den sie sich bewirbt, ist derzeit von einem Kennedy besetzt.
yahoo 16.12.2008
5. Caroline Kennedy
Die Frage ist nicht kann Sie, sondern soll Sie? Es gibt keine Familie oder Verband die sich so konsequent für liberale Werte in USA so eingesetzt hat. Es ist wohl ein Witz Ihre Motivitation und Orientierung zu hinterfragen.
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