US-Wahlkampf Diese Frauen werfen Bill Clinton sexuelle Übergriffe vor

Mehrere Frauen geben an, von Bill Clinton sexuell belästigt oder sogar missbraucht worden zu sein - nun hat Donald Trump sie zu Wahlkampfzwecken vor die Kamera gezerrt. Um welche Fälle geht es? Die Fakten.

Donald Trump mit (v.r.) Paula Jones, Kathy Shelton, Juanita Broaddrick und Kathleen Willey
REUTERS

Donald Trump mit (v.r.) Paula Jones, Kathy Shelton, Juanita Broaddrick und Kathleen Willey


Bevor es in die nächste Runde des TV-Duells mit Hillary Clinton ging, versuchte Donald Trump mit einer Pressekonferenz seiner demokratischen Konkurrentin einen Tiefschlag zu versetzen. Vier Frauen saßen mit ihm auf einem Podium in St. Louis, drei von ihnen werfen Clintons Ehemann sexuelle Belästigung vor. Es ist der Versuch Trumps, von seinen eigenen abwertenden Aussagen über Frauen abzulenken und seine Chancen auf den Platz im Weißen Haus zu wahren.

Die Vorwürfe und Fakten im Überblick:

Juanita Broaddrick

Keine Beweise, keine Zeugen - wie bei den anderen Fällen auch gibt es wenig Belege für die Vorwürfe von Juanita Broaddrick. Die Vergewaltigung, so schildert es die heute 73-Jährige, soll 1978 stattgefunden haben.

Zu dieser Zeit arbeitete die 35-Jährige als Helferin im Wahlkampfteam des 31-jährigen Bill Clinton, schreibt die "Washington Post". Der kandidierte für das Amt des Gouverneurs in Arkansas. Während seiner Wahlkampftour soll Clinton in Van Buren gestoppt haben. Dort lebte Broaddrick und betrieb eine Pflegeeinrichtung. Er lud seine Unterstützerin in sein Wahlkampfbüro in Little Rock ein. Eine Woche später soll es dann zu dem Treffen gekommen sein. Clinton kam in ihr Hotel und schlug vor, den Kaffee in ihrem Zimmer zu trinken, um den Reportern aus dem Weg zu gehen, berichtet Broaddrick später. In einem Video, das auf YouTube zu sehen ist, erklärt sie, was dann geschah: Clinton habe sie auf das Bett gezogen und vergewaltigt. Nach den Schilderungen von Broaddrick biss Clinton ihr auch in die Oberlippe. Eine Freundin, mit der sie sich das Hotelzimmer bei dem Aufenthalt teilte, bestätigte das später: Broaddrick habe gezittert und ihre Oberlippe sei geschwollen gewesen.

Sie ging aber erst 1999 mit dem Thema an die Öffentlichkeit, vor Gericht zog sie nie. In amerikanischen Medien weckten ihre Aussagen Zweifel, weil sie einst unter Eid aussagte, es habe keine Vergewaltigung gegeben. Später widerrief sie diese Aussage mit der Begründung, sie habe nicht in einen juristischen Fall hineingezogen werden wollen. Für ihre Glaubwürdigkeit spricht aus der Sicht von US-Medien dagegen, dass sie so lange schwieg und kein Interesse daran hatte, in den Medien aufzutauchen.

Paula Jones
Die wohl berühmteste Praktikantin Amerikas, Monika Lewinsky, spielte im Fall von Paula Jones eine nicht unwesentliche Rolle.

8. Mai 1991: In einem Hotel in Little Rock, Arkansas, soll Bill Clinton sie sexuell belästigt und sich dabei auch entblößt haben. Jones arbeitete damals als Hilfskraft im Weißen Haus. Bis 1994 erzählte Jones offenbar nichts von dem Vorfall, kurz vor der Verjährungsfrist jedoch forderte sie Schadensersatz. In dem Rechtsstreit musste Bill Clinton unter Eid aussagen - auch zu Monika Lewinsky. Dort beteuerte er, keine sexuelle Beziehung zu Lewinsky gehabt zu haben. Dabei handelt es sich aber nicht um seinen viel zitierten Satz, den er am 26. Januar 1998 in einer Pressekonferenz sagte.

Das Gericht stellte den Fall Jones nach einiger Zeit ein - unter anderem weil die Beweise nicht für den Tatbestand der sexuellen Belästigung ausreichten. Nachdem die Lewinsky-Affäre 1998 mehr und mehr Aufmerksamkeit erhielt, rückte auch der Fall von Paula Jones wieder in den Fokus. In einem erneuten Prozess hätte Clinton womöglich wieder unter Eid aussagen müssen - gegen eine Einmalzahlung von 850.000 Dollar stellten beide Seiten den Prozess ein. Clintons Verteidiger wollten das aber keinesfalls als Schuldeingeständnis sehen.

Kathleen Willey

Kathleen Willey war 1993 als Hilfskraft im Weißen Haus angestellt. Später warf sie Clinton vor, er sei ihr mit der Hand durch die Haare gefahren. Zudem habe er versucht, sie zu küssen und habe sie begrapscht. Eine Untersuchung des Falls kam zu dem Ergebnis, dass die Beweislage unzureichend sei.

Bei der vierten Frau, die sich auf der Pressekonferenz von Trump zeigte, handelt es sich um Kathy Shelton, die 1975 als Zwölfjährige in Arkansas vergewaltigt worden war. Hillary Clinton war die Anwältin des Angreifers - weil das Kriminallabor einen wichtigen Beweis entsorgte, erhielt der mutmaßliche Täter nur eine geringe Strafe, schreibt die "Washington Post". 2014 wurde eine Audioaufnahme aus den Achtzigerjahren veröffentlicht. Darauf ist zu hören, wie Hillary Clinton lacht, als sie von einem Reporter zu dem Fall befragt wird. Kathy Shelton kritisierte sie dafür scharf.
In dem Audiomitschnitt erklärt Clinton nicht nur, dass das Labor die Unterhose mit Blut und Sperma des Täters versehentlich entsorgte, sondern der Mann sich auch einem Lügendetektortest unterzog - und bestand. Danach habe sie den Glauben an diese Tests verloren, sagt Clinton in dem Mitschnitt und lacht.

mho

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.