SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Dezember 2008, 07:36 Uhr

Bill Clintons Spenderliste

Millionen von Schumi und den Scheichs

Von , Washington

500 Millionen Dollar hat Bill Clinton für seine Stiftung gesammelt - diese Summe und die Spender hat er jetzt öffentlich gemacht, um Ehefrau Hillary den Ministerposten zu ermöglichen. Brisant: Neben Promis wie Formel-1-Star Michael Schumacher stehen auch Staaten wie Saudi-Arabien auf der Liste.

Washington - Mike McCurry sitzt auf dem Podium der Brookings Institution. Der einstige Pressechef Bill Clintons soll über die Zukunft des Weißen Hauses reden - doch einen Blick in die Vergangenheit kann er sich nicht verkneifen. Schließlich geht es mal wieder um seinen Ex-Chef, den McCurry in der Lewinsky-Affäre rauspauken musste.

Jetzt redet gerade jeder in Washington darüber, was der umtriebige Bill anstellen wird, wenn seine Frau im Außenministerium herrscht. McCurry grinst fein: "Ich glaube, der Medien-Zugang zu ihm wird ziemlich beschränkt sein."

Es klingt wie: Die neue Regierung wird Clinton sehr genau im Auge behalten.

Wie genau, ist zeitgleich schon im Internet nachzulesen. An diesem Donnerstag musste die "William J. Clinton Foundation" die komplette Spenderliste seit ihrer Gründung 1997 veröffentlichen - auf Druck von Obamas Team. Hillary Clinton konnte nur Außenministerin werden, weil Ehemann Bill zugestimmt hatte, genau Auskunft über seine ausufernden Aktivitäten zu erteilen.

Immerhin ist seine Stiftung mittlerweile eine Mammutorganisation mit rund 1100 Mitarbeitern und freiwilligen Helfern, mit Spendeinnahmen von bisher 500 Millionen Dollar. Sie engagiert sich vor allem im Kampf gegen Aids in Afrika, für Gesundheitsprojekte und Bildung, und sie hat die Präsidentschaftsbibliothek in Arkansas finanziert. Seine "Clinton Global Initiative"-Treffen sind zu einem Stelldichein der philantrophischen Weltelite avanciert.

Obamas Berater fürchten, dass die Gefahr eines Interessenkonflikts zu groß ist, wenn anonym bleibende Großspender aus dem In- und Ausland sich durch Zuwendungen an die Stiftung Einfluss auf die künftige Außenministerin Clinton erhoffen. Darum die Eile mit der Enthüllung der Namen.

Formel-1-König Michael Schumacher gab Millionen

Clinton, noch ganz geübter Politiker, betont in seiner Stellungnahme ohnehin lieber die kleinen Leute. "Die Stiftung hat Zuwendungen in allen Größen von Menschen aus allen Schichten erhalten. Die Durchschnittsspende belief sich auf 45 Dollar, fast 90 Prozent der Spender gaben 250 Dollar oder weniger."

Er hebt hervor, die Offenlegung gehe über alles hinaus, was das Gesetz verlange - um jeden Eindruck von Interessenkonflikten zu vermeiden. So sieht die Liste denn auch aus: 2292 Seiten und 208.000 Namen umfasst sie. Das Web-Portal Politico mäkelt schon: "Das ist ein typischer Washington-Trick. Reporter werden mit Informationen überschüttet und müssen die Neuigkeiten mühsam heraussuchen. In diesem Fall: überraschende Namen."

Leicht zu finden ist ein prominenter Deutscher: Formel-1-König Michael Schumacher hat "zwischen fünf bis zehn Millionen Dollar" gegeben und ist damit einer der größten Einzelspender.

Brisanter sind Millionen-Zuwendungen von Staaten wie Norwegen oder vielen Nationen aus dem arabischen Raum. Mehr als 40 Millionen Dollar haben ausländische Regierungen an Bill Clintons Wohlfahrtsinstitut überwiesen. Nun könnte dessen Frau Hillary direkten Einfluss auf ihre Interessen haben.

Umstrittene Namen auf der Spenderliste

Auch die Motive einiger privater Großspender scheinen zweifelhaft. Auf der Liste stehen unter anderem

Freilich waren diese Namen schon vor der Veröffentlichung der Liste bekannt. Sie werden gewiss in den Senatsanhörungen zur Sprache kommen, die Clinton vor ihrer Ernennung zur Außenministerin durchlaufen muss. Ob sie ihr wirklich schaden, dürfte sich erst in den kommenden Wochen herausstellen - und auch vom weiteren Verhalten ihres Ehemannes abhängen.

Laut Medienberichten hat er einem Abkommen zugestimmt, das ihm strenge Auflagen für private Geschäftsaktivitäten und philantrophisches Engagement erteilt. Clinton soll private Reden und Beratungsaufträge künftig mit dem Außenministerium und im Zweifel dem Weißen Haus abstimmen.

Schließlich geht es nicht nur um Clintons Wohltätigkeitsaktivionen, die im Prinzip weltweit gelobt werden. Es geht auch schlicht um das immense Vermögen der Clintons, das schon im Vorwahlkampf der Demokraten kritisiert wurde. Aus Steuererklärungen geht hervor, dass das Ehepaar Clinton seit dem Auszug aus dem Weißen Haus selbst mehr als 100 Millionen Dollar verdient hat. Sehr viel davon mit Reden aber einiges auch durch eine Reihe lukrativer Business-Deals in der ganzen Welt.

Bill muss auspacken

Auf Kritik reagierte Bill Clinton bislang dünnhäutig. Seine Wutausbrüche haben Hillary nach einhelliger Meinung geschadet - auch weil er von ihr kaum zu kontrollieren schien. Beides muss sich nun ändern.

Deshalb war für das Obama-Team die Veröffentlichung der Spender-Liste - die sogar noch zügiger als vorgesehen erfolgte - doppelt wichtig. Sie soll auch Zweifel an der Personalie Hillary Clinton ausräumen.

Außerdem beginnen sich die Berater des neuen Präsidenten um dessen Botschaft vom "Wandel in Washington" zu sorgen. Obama hat viele Washington-Insider in seine Regierung geholt und Top-Positionen mit Leuten wie Tom Daschle besetzt, der mit einer einflussreichen Lobbyistin verheiratet ist - nach einem Wahlkampf, in dem er gegen Lobbyisten gewettert hat. Dazu kommt der Korruptionsskandal um den demokratischen Gouverneur von Obamas Heimatstaates Illinois, Rod Blagojevich. Jetzt gilt es jeden weiteren Anschein von Intransparenz zu vermeiden.

Also muss Bill auspacken. Ehefrau Hillary wird ihm sehr deutlich klargemacht haben, dass sie derzeit der politische Star der Familie ist - und er ihr nun Unterstützung schuldet. "Die Beschränkungen für ihn sind der Preis, den die Clintons für ihr Amt zahlen müssen", schrieb Jonathan Alter von "Newsweek". "Sie scheinen dazu bereit zu sein."

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung