Billionen-Dollar-Fund Afghanen setzen auf ihren Rohstoffschatz

Afghanistans Regierung hofft auf eine goldene Zukunft: Der Bergbauminister rechnet mit Bodenschätzen in einem Wert von drei Billionen Dollar - und übertrifft damit US-Schätzungen um das Dreifache. Wohin die erhofften Erlöse fließen sollen, ließ der Minister im Dunkeln.

REUTERS

Von und Shoib Najafizada, Islamabad und Kabul


Wahidullah Shahrani gab sich am Donnerstag äußerst selbstbewusst: "Ich werde kommende Woche nach London reisen, um darüber zu sprechen, wie wir ausländische Unternehmen von Afghanistan überzeugen können", sagte der afghanische Bergbauminister in Kabul. Die Regierung hofft auf millionenschwere Investitionen aus dem Ausland und setzt darauf, dass sich das seit mehr als drei Jahrzehnten vom Krieg zerrüttete Land mit Hilfe seiner Rohstoffe sanieren kann.

Eine US-Studie hatte kürzlich Lithium-, Eisenerz-, Kupfer- und Goldvorkommen in Afghanistan im Wert von etwa einer Billion Dollar ausgemacht. Es klang wie der Versuch, in Zeiten des Krieges und des Terrors eine hoffnungsfrohe Nachricht aus Afghanistan in die Welt zu senden. Gaben sich die Beamten in Shahranis Ministerium Anfang der Woche noch zurückhaltend, sagte der Minister jetzt, nach Schätzungen seiner Mitarbeiter liege der Wert der Rohstoffvorkommen in Afghanistan nicht, wie von Experten des US-Verteidigungsministeriums berechnet, bei einer Billion Dollar, "sondern bei bis zu drei Billionen Dollar". Die amerikanischen Zahlen seien "sehr konservativ". Allein der Marmor, der in Afghanistans Boden zu finden sei, habe einen Wert von "150 bis 200 Milliarden Dollar". "Wir werden die Suche nach Mineralien in unserem Land fortsetzen", versprach Shahrani.

Er hoffe, dass man demnächst mit dem Abbau von Eisenerz in Hadschigak in der Provinz Bamiyan beginnen könne. Dort gebe es Vorkommen, die zu den größten der Welt zählten. Dort würden knapp zwei Milliarden Tonnen Eisenerz vermutet. "Weltbeste Qualität", lobte Shahrani den Fund. "Ab August oder September" könnten Interessenten Gebote abgeben.

Eisenerz sei der am häufigsten in Afghanistan vorkommende Rohstoff. Aber auch andere Bodenschätze des Landes seien "auf dem globalen Markt sehr nachgefragt", sagte der Bergbauminister und verwies dabei auf Funde von Lithium, das von der Elektronikindustrie für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien verwendet wird. Aber auch Gold, Edelsteine, Baumaterial und "signifikante Öl- und Gasvorkommen in verschiedenen Teilen des Landes" könnten Afghanistan zu Wohlstand verhelfen, erklärte Shahrani. Es gebe deutlich mehr Öl- und Gasquellen als bislang angenommen. Die wichtigsten Öl- und Gasvorkommen seien in der nordafghanischen Provinz Kunduz zu finden - im Einsatzgebiet der Bundeswehr.

Tausende Arbeitsplätze durch die Rohstoffindustrie

Die Hoffnungen, endlich unabhängiger von Hilfszahlungen zu werden, sind groß. Das Problem ist jedoch, dass in Afghanistan die Infrastruktur fehlt, um die Vorkommen ausbeuten zu können. Das Land ist dringend auf ausländische Investitionen angewiesen, um das Straßennetz auszubauen, ein Schienennetz zu schaffen und eine rohstoffverarbeitende Industrie zu ermöglichen. Doch die katastrophale Sicherheitslage und die weit verbreitete Korruption schrecken potentielle Investoren ab.

In London will Shahrani deshalb bei Firmen aus aller Welt für Afghanistans Bodenschätze werben - ausländische Geldgeber sollen den großen Durchbruch bringen und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Afghanistans Botschafter in den USA, Said Dschawad, ließ prompt verkünden, man erwarte Vertreter von rund 200 Unternehmen bei dem Treffen. Und Shahrani versprach, man werde alle Informationen über Rohstoffvorkommen nicht nur dem afghanischen Parlament, sondern auch der Öffentlichkeit vorlegen und das Geschäft transparent gestalten.

Damit wollte er Befürchtungen von Beobachtern entgegenwirken, Politiker in Kabul könnten sich am Ende das Geld aus den Rohstofferlösen in die eigene Tasche stecken. Jedoch ließ er im Dunkeln, ob die Regierung das Geld in einen Staatsfonds fließen lassen will oder eine andere Lösung anstrebt. Wie soll der Billionensegen verteilt werden? Shahrani schweigt dazu.

Wettstreit der Regionalmächte China, Indien und Russland

Seit Jahrzehnten arbeitet Afghanistan mit Rohstoffexperten aus aller Welt zusammen, um die Vorkommen abzubauen. Bereits vor 150 Jahren hatten Geologen das Land als "reiche Quelle von Mineralien, Edelmetallen und Edelsteinen" bezeichnet. Auch Briten und Deutsche suchten in der Vergangenheit in Afghanistan nach Rohstoffen. In den siebziger Jahren und während der sowjetischen Besatzungszeit in den Achtzigern machten russische Geologen bedeutende Funde. Jüngst waren vor allem US-Wissenschaftler in unterschiedlichen Landesteilen unterwegs, um nach Bodenschätzen zu suchen. Die Amerikaner werteten alte Forschungsberichte und Kartenmaterial neu aus und untersuchten die Gebiete zum Teil neu per Satellit und Flugzeug. Erste amerikanische Explorationen habe es aber schon 1920 gegeben, sagte Shahrani.

"Wir bitten um Investitionen in unserem Land, um diese Ressourcen zu erschließen", warb nun Botschafter Dschawad in Washington. Investitionen in Afghanistans Bergwerkssektor seien Investitionen in die internationale Sicherheit, sagte er.

Die jüngsten Berichte über die Bodenschätze dürften den Wettstreit der Regionalmächte China, Indien und sogar Russland um einen größeren Einfluss bei der Ausbeutung der Ressourcen anheizen. Zwei chinesische Firmen sind bereits im Geschäft: Sie wollen vier Milliarden Dollar in die riesige Kupfermine von Aynak investieren, die südlich der Hauptstadt Kabul liegt. Es ist die größte nicht-militärische Investition bisher in Afghanistan.

Bis die Erlöse aus der Rohstoffwirtschaft dem Land zugute kommen, wird es aber "noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte" dauern, sagte Bergbauminister Shahrani. So schnell ließen sich die Probleme des Landes eben nicht beseitigen.

Mit Material von Reuters

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Seite 1
Baracke Osama, 17.06.2010
1. --
Zitat von sysopAfghanistans Regierung hofft auf eine goldene Zukunft: Der Bergbauminister rechnet mit Bodenschätzen in einem Wert von drei Billionen Dollar - und übertrifft damit US-Schätzungen um das Dreifache. Wohin die erhofften Erlöse fließen sollen, ließ der Minister im Dunkeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,701276,00.html
Sie werden auch in das "Dunkle" fliessen, bestimmt aber nicht zum Volk.
Samuel Hastrim Klepp V 17.06.2010
2. -----------
Zitat von sysopAfghanistans Regierung hofft auf eine goldene Zukunft: Der Bergbauminister rechnet mit Bodenschätzen in einem Wert von drei Billionen Dollar - und übertrifft damit US-Schätzungen um das Dreifache. Wohin die erhofften Erlöse fließen sollen, ließ der Minister im Dunkeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,701276,00.html
Mist, hab gerade meine Afghanistan-Anleihen verkauft.
virtualtom 17.06.2010
3. Erstmal...
...müssen die religiös Verblendeten weg, sonst gibt's bald Talib mit Nuklearwaffen. Das Geld dazu haben die bald...
CBHH 17.06.2010
4. Also doch!
Zitat von sysopAfghanistans Regierung hofft auf eine goldene Zukunft: Der Bergbauminister rechnet mit Bodenschätzen in einem Wert von drei Billionen Dollar - und übertrifft damit US-Schätzungen um das Dreifache. Wohin die erhofften Erlöse fließen sollen, ließ der Minister im Dunkeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,701276,00.html
Weder die Freiheit noch der Friede wird wiklich in Afgahnistan verteidigt, sondern der freie Zugang für die Amerikaner zu den Rohstoffen. Primär sollten auch keine Schulen gebaut werden, Brunnen vielleicht. Die Gründe für den Krieg in Afghanistan sind ebenso erstunken und erlogen wie die Gründe für den Irak-Krieg.
Pinarello, 17.06.2010
5. Schweizer Banken werden sich freuen.
Zitat von Baracke OsamaSie werden auch in das "Dunkle" fliessen, bestimmt aber nicht zum Volk.
Richtig, ich bin mir sicher, daß die Schweizer Großbanken noch in diesem Jahr mit dem Bau neuer Tresore beginnen werden, es wird Platz benötigt.
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