Bin-Laden-Rede Osama gegen Obama

Nach seinem Vize Aiman al-Sawahiri hat auch Qaida-Chef Osama Bin Laden den US-Präsidenten in einer Botschaft angegriffen. Der Tenor ist ähnlich: Obama setze den Bush-Kurs fort. Das Terrornetzwerk fürchtet offenbar, dass den Dschihadisten ihre Feindbilder wegbrechen könnten.
Von Yassin Musharbash

Berlin - Die für Donnerstag angekündigte Grundsatzrede von US-Präsident Barack Obama an die islamische Welt sorgt schon vorab für heftige Betriebsamkeit bei al-Qaida. Binnen 24 Stunden meldeten sich mit Osama Bin Laden und Aiman al-Sawahiri die beiden Führungsfiguren des Terrornetzwerks mit Angriffen auf Obama zu Wort.

Al-Qaida fürchtet offensichtlich, dass es Obama gelingen könnte, sich derart deutlich von der Politik seines Vorgängers George W. Bush zu distanzieren, dass den militanten Dschihadisten eines ihrer Hauptfeindbilder wegbrechen könnte.

Passagen aus der der Ansprache Bin Ladens zeigte der arabische Satellitensender al-Dschasira am Mittwochnachmittag. Deshalb sind bislang nur wenige Sätze bekannt. Im Internet, wo al-Qaida in der Regel Kommuniqués ihrer Führung verbreitet, ist die Rede noch nicht zu finden.

Die von al-Dschasira abgespielten Passagen deuten an, dass Bin Laden offensichtlich bestrebt ist, die Politik Obamas als Fortsetzung der Politik Bushs darzustellen. "Obama und seine Regierung haben neue Samen des Hasses gesät", sagt der Saudi-Araber dem Bericht zufolge etwa. Er begründet dies anscheinend mit dem verstärkten Druck der USA auf Pakistan, gegen militante Islamisten und Terroristen in dem Land vorzugehen. So beklagt Bin Laden zum Beispiel das Schicksal der innerpakistanischen Flüchtlinge, die in Folge einer groß angelegten Militäraktion ihre Häuser verlassen haben. Die Anzahl der Samen sei identisch mit der der Flüchtlinge.

Die Amerikaner müssten sich vorbereiten, in den "kommenden Jahren und Jahrzehnten" die Früchte dessen zu ernten, was das Weiße Haus ausgesät habe.

Erst am Dienstagabend hatte sich Bin Ladens Stellvertreter mit einer Rede zu Wort gemeldet, die einen ähnlichen Tenor hatte. Er forderte die Ägypter auf, Obama als "Kriminellen" zu behandeln. Obama dürfe in dem Land, das so viele Denker und Aktivisten des Islamismus hervorgebracht habe, "nicht willkommen" sein.

Im Interview mit al-Dschasira sagte der Terroranalyst Diaa Rashwan, dass die beiden direkt aufeinanderfolgenden Veröffentlichungen zeigten, wie ernst al-Qaida Obamas Versuch eines Neustarts in den amerikanisch-islamischen Beziehungen nehme. Es sei sehr ungewöhnlich für Bin Laden, sich so passgenau zu Wort zu melden.

Tatsächlich strahlte al-Dschasira erste Passagen just zu dem Zeitpunkt aus, da Obama in Saudi-Arabien landete, wo er sich zu Konsultationen aufhält. Ein öffentlicher Auftritt ist nicht vorgesehen. Der soll am Donnerstag folgen, wenn Obama im Auditorium der Cairo University seine lang erwartete und angekündigte Grundsatzrede an die islamische Welt halten wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass al-Qaida Obama angreift. In einer seiner letzten Ansprachen hatte Aiman al-Sawahiri den US-Präsidenten zum Beispiel als "Hausneger" der USA bezeichnet und ihm vorgeworfen, sein muslimisches Erbe verraten zu haben.

Mit Material von AP
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