Serbien Bischöfe drohen Regierung mit dem Tod

Zwei Bischöfe haben in Serbien einen handfesten Skandal ausgelöst: Die Geistlichen drohten der Regierung in Belgrad und dem Parlament mit dem Tod, unter anderem mit einer symbolischen Totenmesse. Medien und Regierungsvertreter reagieren mit Empörung.

Metropolit Amfilohije Radovic (April 2009): Todesdrohung gegen die Regierung
AP

Metropolit Amfilohije Radovic (April 2009): Todesdrohung gegen die Regierung


Belgrad - Es muss ein gespenstischer Auftritt gewesen sein: Die serbischen Bischöfe Amfilohije und Atanasije lasen am Freitag bei einer Demonstration von Nationalisten in Belgrad eine Totenmesse für die Regierung und das gesamte Parlament.

Sie beließen es nicht bei dem symbolischen Akt, sondern drohten Regierungschef Ivica Dacic direkt mit einem ähnlichen Schicksal wie dem vor zehn Jahren ermordeten ersten demokratischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Am Samstag legte Amfilohije nach: "In der Regierung soll alles das absterben, was krank ist", sagte er der Zeitung "Politika".

In den Medien kam es daraufhin zu einem Aufschrei der Empörung. "Sie haben die Kirche und Serbien verspottet", titelte die größte Zeitung "Blic" am Samstag. "Sie haben die Regierung beerdigt", hieß es in der Zeitung "Nase novine". Die Äußerungen der Geistlichen seien ein Skandal und eine Schande, schrieben die Blätter übereinstimmend.

"Womit hat unser Lieber Gott verdient, dass ihn solche Menschen vertreten", sagte Ministerpräsident Dacic, der auch Vorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens ist. Die nationalistischen Bischöfe könnten mit ihren Drohungen nicht die Politik aufhalten, ließ die Regierung mitteilen. Die Kirchenführung verurteilte das Auftreten ihrer beiden Würdenträger. Das sei nicht die Meinung der Kirchenspitze, sagte Patriarch Irinej.

mbe/dpa

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