Bizarre US-Wahlkampfspots Amerika dreht durch

Nie war der US-Wahlkampf so ruppig wie dieses Mal. Mit verleumderischen Spots im TV und Internet duellieren sich die Kandidaten: Manche verteufeln ihre Gegner als Tierquäler oder Taliban, andere holen gleich die Knarre raus. Ein Blick auf die gemeinsten, kuriosesten und sonderbarsten Clips.
Ausschnitt aus Wahlspot der Republikanerin Gorman: Mit massiver Ballerei punkten

Ausschnitt aus Wahlspot der Republikanerin Gorman: Mit massiver Ballerei punkten

Barack Obama

US-Kongresswahlkampf

Drogenbaron ? Die Taliban im Kapitol? Der Weltuntergang? Den Kandidaten im ist kein Mittel zu schade, kein Vorwurf zu absurd, keine Verzerrung zu stark, um ihr Ziel zu erreichen. Noch nie, da sind sich viele Polit-Experten einig, war ein Wahlkampf hier so schmutzig - und gerade deshalb so amüsant.

Statt die eigenen Vorzüge hochzureden, prangern sie lieber die - vermeintlichen, oft sogar frei erfundenen - Schattenseiten des Gegners an. Der will süße Hunde vergasen! Kleine Mädchen mit Geschlechtskrankheiten impfen! Frauen unterwerfen - unser heiliges Amerika zerstören!

YouTube

macht diese visuellen Napalm-Bomben zu sofortigen Kult-Hits - egal, ob sie wahr sind oder erfunden. Die Eindrücke bleiben. Selten setzt ein TV-Sender einen Spot von sich aus ab, weil er "abgrundtief unrichtig" ist, wie es neulich Fox 31 in Denver tat. In dem Fall ging es um einen Spot des Republikaners Cory Gardner gegen Betsy Markey - die er darin aber mit ihrem Kongresskollegen Ed Markey "verwechselte".

Déjà-vu: Nur zwei Jahre ist es her, da ergötzten und entsetzten sich die Amerikaner an einer doppelten Schlammschlacht, erst zwischen Hillary Clinton und Barack Obama, dann zwischen Obama und John McCain. Letzterer verglich Obama mit Paris Hilton, während Clinton die unbewussten Ängste von Kindern und Eltern schürte. Die Köpfe hinter diesen teils haarsträubenden Kurz-Clips waren die selben Werbehaie, die jetzt auch wieder am Schnittpult sitzen - nur mit anderen Klienten.

Tea Party

Demokraten

Der Aufstieg der und die schwelende Wut der Wähler haben dazu geführt, dass die Stimmung diesmal noch aufgeheizter ist als im US-Präsidentschaftsrennen von 2008, das im Rückblick fast idyllisch wirkt. Auffallend: Die stehen den Republikanern dabei nicht nach.

SPIEGEL ONLINE hat die gemeinsten, kuriosesten und sonderbarsten Spots dieser Saison gesammelt.

Mahlzeit

Der Staat frisst sich zu Tode. So jedenfalls sieht es Jim Bender, IT-Unternehmer aus New Hampshire und republikanischer Senatsaspirant. In seinem Spot verschlingt "Uncle Sam" eine Bank, einen Krankenwagen, selbst einen Chevrolet - und bekommt dann hörbare Blähungen. Benders Versprechen, "die Regierung auf eine strikte Diät zu setzen", fruchteten nichts. Er verlor in der Vorwahl.

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Taliban-Dan

Republikaner

Alan Grayson, demokratischer Abgeordneter aus Florida, setzt auf dubiose Ängste, um seinen -Rivalen Dan Webster zu dämonisieren - mit dessen eigenen Worten. "Frauen sollten sich ihren Männern unterwerfen", hört man Webster da sagen. "Das steht in der Bibel." Grayson vergleicht Webster mit den "religiösen Fanatikern in Afghanistan und Iran" und nennt ihn schließlich "Taliban Dan Webster". Dumm nur: Die Zitate sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen - Webster hatte diese Aussagen nicht befürwortet, sondern im Gegenteil kritisiert.

Sprechen Sie Englisch?

Basil Marceaux aus Tennessee ist der Dauerkandidat. Hier will der Republikaner Gouverneur werden. Er will Bürger bestrafen, die keine Waffen tragen. Dass er der Grammatik leider nicht ganz mächtig ist, schadet seinen Spots nicht - diese haben längst Kultstatus. "Hallo Bürger!", grüßt er jovial, ein (fiktives) Sheriff-Abzeichen um den Hals. "Ich will, dass ihr mich in dieses Gebäude hier hinter mir, das Kapitol, bringt, damit ich meine Sachen tun und uns alle mehr freier machen kann, als wir es gestern waren." Auch verspricht er, alle leeren Flächen zu begrünen und die Pflanzen ("vegitation", falsch geschrieben) "in Ethanol und Cash für Sprit und Geld umzuwandeln". Marceaux scheiterte schon in den Vorwahlen.

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Hundeleben

Pat Quinn, der demokratische Gouverneur von Illinois, verteidigt sich mit allen Mitteln gegen seinen Herausforderer Bill Brady - selbst wenn er ihn als Hundekiller darstellen muss: Brady habe ein Gesetz unterstützt, "womit Hunde und Katzen aus Tierheimen massenhaft in Gaskammern euthanisiert würden". Worauf eine besorgte Frau erscheint, Schoßhündchen im Arm: "Schäme dich, Bill Brady!" Und eine weitere: "Das ist scheußlich und falsch!" Ein Hund bellt zustimmend, doch der Spot ist allenfalls halb wahr. Brady war für ein Gesetz, dass Einschläferungen in Gruppen erlaubte statt wie vorher alleine. Er zog sein Votum aber zurück.

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Wolf im Schafspelz

Auch die Republikanerin Carly Fiorina übt sich im Dämonisieren. In diesem Fall gilt es ihrem Vorwahlrivalen Tom Campbell: Den stellt die Ex-Hewlett-Packard-Chefin als blökendes "Dämonen-Schaf" dar, das zum "Wolf" mutiert, dargestellt von einem Mann, der auf allen Vieren herbeikrabbelt - im Schafspelz. Zwischendurch funkt auch mal ein Schwein durchs Bild, doch Fiorinas Name wird nicht genannt. Der Spot stammt von Altmeister Fred Davis, der 2008 auch John McCains legendären "Paris Hilton"-Spot gegen Barack Obama schuf. Campbell verlor die Vorwahl haushoch.

Böse Hexe

Der Republikaner John Dennis aus San Francisco greift Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, mit einer Parodie des Hollywood-Musicals "Der Zauberer von Oz" an. Den Wähler stellt Dorothy dar, Ex-Finanzminister Henry Paulson ist der Zauberer und Pelosi ist die "Böse Hexe des Ostens", flankiert von ihren fliegenden Affen (Steuereinzugsbeamte). Dennis rettet Dorothy, indem er der Hexe - wie im Film - Wasser ins Gesicht kippt, woraufhin sie schmilzt. Auf dem Eimer steht - "Freiheit".

Verseuchte Kinder

Die Democratic Governors Association schaltet diesen Spot gegen Rick Perry, den republikanischen Gouverneur von Texas. Er beginnt mit einer Spritze, die einem Kind gesetzt wird - "ein elfjähriges Mädchen", echauffiert sich der Sprecher. Perry sei dafür, "eine Nadel zu nehmen, sie mit einem kontroversen Medikament für sexuell übertragbare Krankheiten zu füllen und sie jedem elf- und zwölfjährigen Mädchen in Texas zu injizieren". Was aussieht, als wolle Perry den Kids eine Geschlechtskrankheit spritzen, handelt in Wahrheit von der Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV), die Perry zur Pflicht machen wollte. "Nicht unsere Töchter!", beschwört der Sprecher aber.

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Operation Wüstensturm

Pamela Gorman, republikanische Kongresskandidatin aus Arizona, hofft mit massiver Ballerei zu punkten. Sie präsentiert sich, wie sie mit einem Maschinengewehr wild in der Wüste herumfeuert, dass Staub und Hülsen nur so fliegen. Gormans Wahlprogramm: Sie sei eine "konservative Christin und eine ziemlich gute Schützin". Auch ihr Sohn protzt mit seiner Schießkunst. Eins muss man ihr freilich lassen - Humor hat sie: "Den Kongress verändern? Hängt vom Kaliber unserer Kandidaten ab."

Twitter-Opa

Chuck Grassley, 77-jähriger Senior-Senator aus Iowa, will sich bei jungen Wählern einschmeicheln. "Ich mag es, Technologien wie Twitter und Facebook zu nutzen, um Anschluss zu halten", murmelt der Republikaner gestelzt in die Kamera. "Ich twittere, ich simse, was auch immer ich tun muss." Zwei ältere Damen zu Beginn des Spots treffen die Wahrheit aber wohl besser: "Ich habe gehört, dass Chuck Grassley einen Twitter hat", sagt die eine. "Oh", sagt die andere. "Kann man das heilen?"

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Mike! Mike! Miiike!

Mike Weinstein sitzt für die Republikaner im Landesparlament von Florida. Er will Steuern niedrig halten, in Infrastruktur investieren, Stellen schaffen - und seine politischen Gegner auf keinen Fall per Wahlwerbung attackieren. Deshalb probiert er etwas ganz anderes: Sein Sohn Scott Leigh hat einen Jingle für ihn geschrieben - eine Mischung aus HipHop und Popcorn-Pop. "Er rackert hart für dich und mich - ein Politiker, dem wir vertrauen können." Der Refrain: "Mike! Mike! Miiike!" Auf YouTube hat der "kitschigste Wahlspot aller Zeiten" (Medienblog Mediaite) immerhin schon mehr als 130.000 Hits erreicht.

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Armageddon

Die Welt geht unter. Jedenfalls für Tea-Party-Kandidatin Sharron Angle, die es in diesem Spot gegen Senator Harry Reid in Nevada mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. "Die Arbeitslosigkeit ist sprunghaft in die Höhe geschossen", flunkert der Sprecher. "Die Staatsverschuldung hat eine kritische Masse erreicht. Iran ist fast soweit, Atomwaffen zu haben. Die Golfküste ertrinkt in Öl." Und wer hat Schuld an allem? "Harry Reid!" Das Ironische: Am Ende verwehrt sich der Spot gegen "negative Soundbites" seitens Reid, bevor er die Zuschauer zur Rebellion ruft: "Erobert das Amerika zurück, das wir lieben!"

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