Blair bei Bush Dissens über Nachkriegs-Irak

Vereint im Krieg, getrennt im Frieden? Bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush in Camp David will der britische Premierminister Tony Blair für eine Einbindung der Uno in die Nachkriegsordnung des Landes werben - gegen den Widerstand der USA.


Kriegspartner: Tony Blair und George W. Bush
REUTERS

Kriegspartner: Tony Blair und George W. Bush

Washington - Blair und Bush wollten am heutigen Donnerstag das weitere Vorgehen im Irak besprechen. Neben dem weiteren Kriegsverlauf ging es um die humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg. Blair wollte nach eigenen Worten auch darüber reden, "wie Amerika und Europa wieder als Partner und nicht als Rivalen zusammenarbeiten können".

Am Donnerstagabend will Blair auch mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan über Hilfsaktionen und den Wiederaufbau des Irak nach Saddam Hussein sprechen. Dabei müssten die Vereinten Nationen eine zentrale Rolle spielen, hatte Blair angekündigt. Vor seiner Ankunft in den USA machte allerdings US-Außenminister Colin Powell in Washington klar, dass die von den USA angeführte Kriegskoalition nach Beendigung der Kämpfe die zentrale Rolle spielen werde, nicht die Vereinten Nationen. "Wir würden es nicht unterstützen, alles der Uno zu übergeben", sagte Powell vor einem Kongressausschuss.

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"Wir wissen nicht, wie die Situation nach dem Ende des Konflikts sein wird", sagte Blair auf dem Flug nach Washington vor Journalisten. Deshalb sprach er sich gegen voreilige Pläne für einen Nachkriegs-Irak aus. Die USA und ihre Verbündeten dürften über den Kampf allerdings nicht andere drängende Probleme wie den Nahost-Konflikt vernachlässigen.

Dennoch wird es bei dem Treffen mit Bush wohl doch um die Nachkriegsordnung im Irak gehen. Blair will erreichen, dass die Vereinten Nationen nicht nur an humanitärer Hilfe für den Irak, sondern auch an der künftigen Verwaltung des Landes beteiligt werden.

Ein Problem könnte in dieser Hinsicht die Weigerung Russlands und Frankreichs darstellen, eine Uno-Resolution zu verabschieden, auf deren Grundlage eine solche Verwaltung eingesetzt werden könnte. In ihren Augen würde dadurch der Krieg nachträglich legitimiert.

Zur Situation im Irak äußerte sich Blair nur vorsichtig. Im Unterhaus hatte er erklärt, er glaube, dass es eine begrenzte Rebellion in Basra gegeben habe. Die Berichte aus der Region seien jedoch noch ungenau.

Sobald das irakische Volk wisse, dass Staatschef Saddam Hussein geschwächt sei, werde es sich ohne Zweifel für die Freiheit entscheiden und nicht für die Unterdrückung, sagte Blair. Es sei jetzt wichtig, die Aufständischen im Kampf gegen das Regime zu unterstützen. Die Entscheidung über die Art der Unterstützung und ihren Zeitpunkt müsse jedoch den Kommandeuren vor Ort überlassen werden, die am besten über die Situation informiert seien.

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