Blair und der Irak-Feldzug Geheim-Dossier soll Kriegsgegner überzeugen

Der britische Premierminister Tony Blair will demnächst Beweise dafür vorlegen, dass der irakische Diktator Saddam Hussein die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vorantreibt. Mit der Veröffentlichung des Materials will er die bisherigen Kriegsgegner von seiner Position überzeugen.


Tony Blair ist sich der Überzeugungskraft seiner Beweise offenbar sicher
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Tony Blair ist sich der Überzeugungskraft seiner Beweise offenbar sicher

London/Johannesburg/Nürnberg - Saddam habe große Mengen an biologischen und chemischen Waffen angehäuft und bemühe sich auch um Atombomben, sagte Blair am Dienstag in seinem nordenglischen Wahlkreis Sedgefield. "Was wir am 11. September gelernt haben, ist, dass man sich mit diesen Problemen besser vorher als nachher auseinandersetzt", sagte der Premier.

Ursprünglich habe er die Beweise erst freigeben wollen, wenn eine Entscheidung über das Vorgehen gegen Bagdad getroffen worden sei, sagte Blair. Doch angesichts der derzeitigen Diskussion habe er nun beschlossen, die Veröffentlichung zeitlich vorzuziehen.

Es sei bizarr, dass sich hochanständige Leute in den vergangenen Wochen hingestellt und gesagt hätten, man solle am Besten gar nichts gegen den Irak unternehmen. Auf die Frage, was er dazu sage, dass sich sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber gegen einen Alleingang der USA gewandt hätten, sagte Blair: "Wir sollten die deutsche Politik beiseite lassen. Die ist auch ohne mein Eingreifen sehr interessant."

Saddam Hussein: Zugeständnisse unter Bedingungen
AP

Saddam Hussein: Zugeständnisse unter Bedingungen

Außenminister Joschka Fischer warnte die USA erneut eindringlich vor einem Angriff gegen den Irak. "Die USA sind gerade dabei, einen fatalen Fehler zu machen", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag auf einer Wahlveranstaltung seiner Partei in Nürnberg. Gerade unter guten Freunden müssten auch solche Feststellungen möglich sein. Dies habe nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun.

Der irakische stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis gab den Vereinten Nationen inzwischen eine bedingte Kooperationsbereitschaft zu erkennen. In einer Unterredung mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan am Rande des Weltgipfels in Johannesburg sagte Asis am Dienstag nach Angaben des südafrikanischen Rundfunks zu, Uno-Waffenkontrolleure ins Land zu lassen. Er verband dies aber mit der Bedingung, dass zuvor die gegen sein Land verhängten Uno-Sanktionen aufgehoben werden müssten.

Das irakische Kabinett trat am Dienstag unter Vorsitz von Saddam Hussein zusammen und billigte einen Plan zum Bau eines Nachrichtensatelliten mit Hilfe ausländischer Beteiligung, wie die irakische Nachrichtenagentur INA meldete. Das staatliche Fernsehen und die Rundfunksender des Iraks haben seit kurzem Zugang zu Einrichtungen von Arabsat und Nilesat.



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