Blair zum Irak-Dossier "Saddam muss gestoppt werden"

In London hat die mit Spannung erwartete Sondersitzung des Unterhauses zur Irak-Krise begonnen. In seinem Eröffnungswort warf Premierminister Tony Blair dem Irak vor, die Produktion von Massenvernichtungswaffen ungehindert fortzusetzen. Zuvor hatte die britische Regierung ein Dossier mit ihren Erkenntissen über den Irak veröffentlicht.


Tony Blair: Warnung vor dem Irak
AP

Tony Blair: Warnung vor dem Irak

London - In den vergangenen Monaten habe seine Besorgnis zugenommen, dass der Irak weiter Waffen entwickelt und mit ihnen die Möglichkeit, der Region und der Stabilität in der Welt wahren Schaden zuzufügen, sagte Blair vor dem Unterhaus. "Die Informationen unseres Geheimdienstes haben zweifelsfrei bewiesen, dass Saddam weiter chemische und biologische Waffen produziert hat, dass er sich weiter um die Entwicklung von Atomwaffen bemüht und dass es ihm gelungen ist, die Reichweite seiner Raketen zu vergrößern."

Hussein - so Blair weiter - werde sein Äußerstes tun, um seine Waffen vor den Uno-Inspektoren zu verstecken. Es sei klar, dass die Politik der Eindämmung trotz der Sanktionen nicht zufrieden stellend funktioniert habe, um Saddam von der Entwicklung dieser Waffen abzuhalten. "Ich bin überzeugt, dass er Fortschritte dabei gemacht hat und dass er gestoppt werden muss."

Das zuvor von Blair vorgelegte Dossier über das irakische Arsenal von Massenvernichtungswaffen ist die Grundlage für die Debatte des Unterhauses. Es ist das erste Mal seit Beginn der Irak-Krise, dass das Unterhaus in die Diskussion einbezogen wird.

In dem heute Morgen veröffentlichten Dokument wird dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein vorgeworfen, chemische und biologische Waffenlager anlegen zu wollen. Er sei auch bereit, diese Waffen einzusetzen. Zudem könne der Irak "innerhalb von ein oder zwei Jahren" im Besitz einer Atombombe sein. Das 50-seitige Dokument steht seit heute Morgen auf den Internetseiten von 10 Downing Street sowie des britischen Außen- und Verteidigungsministeriums.

Der Irak hat das Blair-Dossier als "Lügenkampagne" bezeichnet. Nach Meldungen der britischen BBC sagte der irakische Kulturminister Hamid Jusuf Hammadi in Bagdad, Blair beteilige sich an einer "irreführenden Kampagne", die von "Zionisten" gegen den Irak geführt werde. Die in dem Dossier aufgestellten Behauptungen seien "ohne jede Grundlage."

Unmittelbar im Anschluss an die Veröffentlichung des Dossiers protestierten vor dem Londoner Parlament Kriegsgegner gegen Blairs Irak-Politik. Heute Abend wird Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem Gespräch mit Blair in London erwartet, in dem es unter anderem um den Irak-Konflikt gehen soll.



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