Blair zur Kelly-Affäre "Wir haben uns korrekt verhalten"

Tony Blair hat die heftige Kritik an seinem Verhalten in der Affäre um den Selbstmord des britischen Biowaffenexperten David Kelly zurückgewiesen. "Ich gehe davon aus, dass wir (die Regierung) uns korrekt verhalten haben", sagte der Premier.


Blair weist Schuld am Tod von Kelly zurück: Der Waffenexperte hatte am 18. Juli offenbar Selbstmord begangen
AP

Blair weist Schuld am Tod von Kelly zurück: Der Waffenexperte hatte am 18. Juli offenbar Selbstmord begangen

Hamburg - Er habe auch keine Regierungsstellen ermächtigt, den Medien Kelly als Urheber brisanter Anschuldigungen gegen die Regierung zu nennen, sagte Blair.

Der Mikrobiologe Kelly war laut BBC die Quelle eines Berichts, in dem die Regierung beschuldigt wird, Geheimdienstberichte über Iraks Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben. Kellys Tod hatte den Druck auf Blair in der Debatte über die Kriegsgründe massiv verstärkt.

Kelly war erst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, nachdem er seinen Vorgesetzten im Verteidigungsministerium mitgeteilt hatte, dass er möglicherweise die Quelle für den brisanten BBC-Bericht sei. Blairs Sprecher hatte am Montag gesagt, das Büro des Premierministers sei in dieser Frage zwar konsultiert worden, doch die Federführung in der Angelegenheit habe das von Geoff Hoon geführte Verteidigungsministerium gehabt. Britische Zeitungen hatten diese Äußerung als Versuch des Regierungschefs gewertet, die Verantwortung für die Weitergabe des Namens von Kelly auf Hoon abzuwälzen.

Kelly hatte wenige Tage vor seinem Tod vor einem Parlamentsausschuss zu dem BBC-Bericht mit leiser Stimme erklärt, er sehe nicht, wie aus seinen Äußerungen ein solcher Vorwurf abgeleitet werden könne. Der Premierminister hatte eine Untersuchung angeordnet, nachdem die Leiche Kellys am Freitag in einem Waldstück gefunden worden war. Kelly war durch einen Schnitt am linken Handgelenk verblutet. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es nicht.



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