Blairs Vorwort zum Irak-Dossier "Eine ernste und akute Bedrohung"

Großbritanniens Premierminister Tony Blair hat für das von seiner Regierung in Auftrag gegebene Irak-Dossier ein Vorwort geschrieben. Auszüge daraus in einer inoffiziellen Übersetzung.


"(...) Im Lichte der Debatte über Irak und Massenvernichtungswaffen will ich der britischen Öffentlichkeit mitteilen, warum ich dieses Thema für eine akute und ernste Bedrohung ... halte. In den vergangenen Monaten hat meine Besorgnis zugenommen, dass Irak trotz der Sanktionen, entgegen der Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats und entgegen anders lautender Beteuerungen von (Staatschef) Saddam Hussein weiter Waffen entwickelt und mit ihnen die Möglichkeit, der Region und der Stabilität in der Welt wahren Schaden zuzufügen. (...)

Die Informationen unseres Geheimdienstes haben zweifelsfrei bewiesen, dass Saddam weiter chemische und biologische Waffen produziert hat, dass er sich weiter um die Entwicklung von Atomwaffen bemüht und dass es ihm gelungen ist, die Reichweite seiner Raketen zu vergrößern. Er wird sein Äußerstes tun, um seine Waffen vor den Uno-Inspektoren zu verstecken. Es ist klar, dass die Politik der Eindämmung trotz der Sanktionen nicht zufrieden stellend funktioniert hat, um Saddam von der Entwicklung dieser Waffen abzuhalten. Ich bin überzeugt, dass er Fortschritte dabei gemacht hat und dass er gestoppt werden muss.

Saddam hat in der Vergangenheit bereits chemische Waffen eingesetzt, nicht nur gegen feindliche Staaten, sondern auch gegen sein eigenes Volk. Die Geheimdienstberichte zeigen, dass ein Teil seiner Waffen innerhalb von 45 Minuten einsatzbereit wäre. Er wird einiges dafür tun, um diese Waffen zu verstecken und sie nicht aufgeben zu müssen.

In unserer heutigen Welt würde ein regionaler Konflikt nicht auf die jeweilige Region beschränkt bleiben. Die internationale Gemeinschaft muss für ihre eigenen Interessen eintreten und sicher stellen, dass ihre Autorität erhalten bleibt. Die Gefahr für den internationalen Frieden und die Sicherheit ist real, wenn sich Massenvernichtungswaffen in der Hand eines brutalen und aggressiven Regimes wie das Saddams befinden. Wenn wir nichts gegen die Bedrohung unternehmen, setzen wir nicht nur die Autorität der Vereinten Nationen aufs Spiel, deren Resolutionen er missachtet, sondern langfristig auch das Leben und das Wohlergehen unserer eigenen Bevölkerung.

Saddam setzt sich über die Uno-Resolutionen hinweg. Seit die Inspektoren vor vier Jahren das Land verlassen haben, hat er sein Programm fortgesetzt. Er muss die Inspektoren wieder ins Land lassen, damit sie ihre Arbeit tun können. Und wenn er das verweigert oder die Kontrollen behindert, wird die internationale Gemeinschaft handeln müssen."

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