Blitzvisite in Kunduz De Maizière macht Soldaten in Afghanistan Mut

Er bringt Weihnachtsgrüße und zollt den Soldaten Respekt: Der deutsche Verteidigungsminister ist überraschend nach Nordafghanistan gereist. Auch nach 2014 werden wohl viele Soldaten noch im Land bleiben müssen  - de Maizière warnt vor einem übereilten Abzug.

De Maizière in Kunduz: Der Minister spricht mit Oberst Rosch an der Soldaten-Gedenkstätte
DPA

De Maizière in Kunduz: Der Minister spricht mit Oberst Rosch an der Soldaten-Gedenkstätte

Aus Kunduz berichtet


Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière ist am Mittwochmorgen überraschend zu einer Kurzvisite im verschneiten Nordafghanistan eingetroffen. Am frühen Morgen traf der Minister per Hubschrauber im Bundeswehr-Camp in Kunduz ein, er war zuvor mit einem Luftwaffen-Airbus von Berlin nach Termez in Usbekistan geflogen. Der Besuch des Ministers, der von mehreren Obleuten aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestags und dem Wehrbeauftragten begleitet wird, war wie alle Visiten von westlichen Spitzenpolitikern aus Sicherheitsgründen geheimgehalten worden. Erst nach der Landung in Kunduz durften mitreisende Journalisten Meldungen über den Truppenbesuch absetzen.

Die Reise nach Afghanistan ist de Maizières vierter Trip an den Hindukusch seit er im Frühjahr 2011 den Posten des Verteidigungsministers von dem wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg übernommen hat. Seitdem hält sich der Minister an den Zeitplan von Guttenberg, der seine Soldatinnen und Soldaten mindestens alle zwei Monate und damit wesentlich häufiger als alle seine Vorgänger besucht hatte. Politisch hat die Blitzvisite in Afghanistan keine großen Botschaften zu bieten, vielmehr will sich der Minister bei seiner Reise bei den Soldaten und Soldatinnen anlässlich des Weihnachtsfestes für ihren Einsatz bedanken und ihnen Mut zusprechen. "Ich bin heute gekommen, um Ihnen meinen persönlichen Respekt zu zollen für die Erfüllung des Auftrags", sagte er vor etwa 150 Soldaten. "Wir überbringen Ihnen den Dank der deutschen Bevölkerung für den Dienst, den Sie hier leisten, wie Sie ihn leisten."

In Deutschland hat die Bundesregierung in den letzten Wochen den schrittweisen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan eingeleitet. Im Kabinett beschloss die schwarz-gelbe Koalition bereits das neue Bundeswehrmandat, das statt der bisher 5350 Soldaten für das Jahr 2012 nur noch 4900 vorsieht. Im kommenden Jahr wird die Truppe damit faktisch nur minimal reduziert, da beispielsweise eine Reserve für Notfälle gestrichen wird. Für das Jahr 2013 peilen die Minister aus den verantwortlichen Ressorts, dem Verteidigungsministerium und dem Außenamt, eine weitere Reduzierung an. Schritt für Schritt sollen dann die Afghanen selbst die Verantwortung für die Sicherheit im eigenen Land übernehmen.

De Maizière zeigt gedämpfte Zuversicht

In den letzten Wochen hatte sich de Maizière trotz des Regierungsplans zum schrittweisen Abzug eher zurückhaltend über die endgültige Form des Rückzugs geäußert. Zwar stimmen er und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beim grundsätzlichen Ziel, die Bundeswehr in mehreren Phasen aus Afghanistan zurückzuziehen, überein. Gleichwohl betont der Verteidigungsminister stets, dass für ihn alle weiteren Schritte von der Lage am Boden in den kommenden beiden Jahren und den aktuellen Berichten seiner Soldaten abhängt. Dies spiegelt die Einsicht vieler seiner erfahrenen Kommandeure wieder, die für den Aufbau einer leistungsfähigen afghanischen Armee sehr viel mehr Zeit als bis zum Jahr 2014 veranschlagen.

In Kunduz sagte der Minister, er sei aufgrund der aktuellen Entwicklung "gedämpft zuversichtlich", dass man den ambitionierten Plan zum Abzug bis 2014 erfüllen könne. Zwar habe sich die Sicherheitslage in den letzten Monaten ein wenig gebessert, doch diese Erfolge seien instabil. "Alles steht unter der Voraussetzung, dass es die Sicherheitslage erlaubt", sagte de Maizière, "dem Abzug darf keine Leere folgen". Intern sind sich die Planer des Ministers bewusst, dass auch nach dem Abzugstermin im Jahr 2014 noch eine größere Zahl von deutschen Soldaten in Afghanistan verbleiben wird. Darunter, auch das ist heute schon klar, werden auch Kampftruppen sein, die den Schutz der Soldaten gewährleisten müssen.

Die Lage in Afghanistan gilt trotz einiger Fortschritte in den letzten Monaten weiter als instabil, vor allem Angriffe durch selbstgebaute Bomben gehören weiter zur Tagesordnung. Diese Woche veröffentlichte die Isaf neue Zahlen zur Sicherheitslage, die zumindest eine leichte Besserung bei Angriffen von Aufständischen vermelden konnte. Gleichwohl ist der Level der sogenannten sicherheitsrelevanten Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr auch 2011 weiter gestiegen. Auf den Verantwortungsbereich der Deutschen im Norden Afghanistans entfallen dabei nur einige Prozent der Angriffe im ganzen Land. Die Bundeswehr hat derzeit rund 5000 Soldaten im Regionalkommando Nord stationiert, davon sind in Kunduz etwa 1200 Deutsche eingesetzt.

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fortion 21.12.2011
1. Holt die Leute heim
Viel besser als ein Wanderzirkus mit immer neuen Rechtfertigungen für diesen verlorenen Krieg wäre ein schneller Abzug.
Ambermoon 21.12.2011
2.
Ich könnte mich jedes Mal totärgern... Mit meinen Steuergeldern machen die sich da unten ein schlechtes Leben, und die Afghanen selbst sind angepisst ob der Okkupation und werden Terroristen. Und wer sichert sich die Rohstoffe? Alle, nur nicht wir. Danke, Angela, danke!
hubertrudnick1 21.12.2011
3. Raus aus dem Krieg
Zitat von sysopEr bringt Weihnachtsgrüße und zollt den Soldaten Respekt: Der deutsche Verteidigungsminister ist überraschend nach Nordafghanistan gereist. Auch nach 2014 werden wohl viele Soldaten noch im Land bleiben müssen* - de Maizière warnt vor*Übereilung beim Abzug. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805003,00.html
Es kann nur eines heißen schnell rasus aus dem Krieg, aber was kommt danach? Darüber hätte man sich vorher so seine Gedeanken machen müssen, also bevor man den Amerikanern den Wunsch nach einen Kriegseintritt erfüllte. Alle wußten es schon vorher, dass es ein unsinniger Krig wird, wo man sich keine Lobeeren verdienen kann und wo nach der Beendigung alles wie am Anfang sein wird. Aber das zu verantworten haben nun mal die SPD und die sogeannte Friedenspartei die Grünen, wobei ich es aber nicht vergessen machen möchte, dass die Konservativen auch dafür waren. Mit Kriegen löst man kaum Probleme, man schfft nur neue, aber das hätte man aus der Geschichte her auch wissen können. Afghanistan wird nie von Westen beherrscht werden können, man wird in diesen Länder auch nicht die Demokratie in unserem Sinne durchsetzen, die Macht der Clans und der Taliban wird man nicht umwandeln können, leider. HR
caecilia_metella 21.12.2011
4. Weihnachten
Fest der Geburt Jesu Christi. Wir haben es noch nicht vergessen.
Ralf Opdenhövel 21.12.2011
5. Machen
wir uns nichts vor. In den Moment wo die westlichen Truppen das Land verlassen, übernehmen landesweit die Taliban wieder die Macht. Der Marionettenpräsident in Kabul hat kaum Einfluss ausserhalb seiner Palastmauern und Armee und Polizei saind (wo vorhanden) durch und durch korrupt. Die erzielten Erfolge haben nur dort Bestand, wo westliche Truppen stehen. Kaum sind sie weniger präsent, tauchen die Taliban wieder auf. Jeder gewonnene Meter Boden mit seiner Infrastruktur geht wieder an sie über. So ist es jetzt schon und so wird es nach dem Abzug innerhalb zwei, drei Tagen landesweit sein.
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