Blutbad in Ägypten Polizei findet Kopf von mutmaßlichem Attentäter

Es soll sich um einen "asiatisch aussehenden Mann" handeln: Die ägyptische Polizei hat nach eigenen Angaben den Attentäter identifiziert, der in der Silvesternacht einen Anschlag auf koptische Christen in Alexandria verübt hat.


Kairo/Alexandria - Der Kopf eines "asiatisch aussehenden Mannes" mit langem Haar soll der Beweis sein: Er gehört nach Angaben der ägyptischen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem Selbstmordattentäter, der für den Anschlag auf eine Kirche in Alexandria verantwortlich ist.

Der ägyptischen Regierung war von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, sie versuche die Bluttat einer internationalen Terrorgruppe anzulasten, um von den seit Jahren existierenden Spannungen zwischen radikalen Muslimen und koptischen Christen in Ägypten abzulenken.

Am Dienstag erlagen zwei Christen ihren Verletzungen, die sie bei dem Blutbad erlitten hatten. Damit erhöht sich die Zahl der Opfer wohl auf 23. Insgesamt 20 Opfer wurden bislang identifiziert.

Ein Sprengstoffexperte der Polizei hatte kurz nach dem Anschlag erklärt, er glaube nicht, dass die Explosion von einem Selbstmordattentäter ausgelöst worden sei. Die Bombe sei vor der Kirche in einem grünen Auto versteckt gewesen, das von mehreren Augenzeugen beschrieben worden sei.

Das Auto und ein Mann, der neben dem Wagen stand und mit einem Handy telefonierte, taucht in den Aussagen mehrerer Gottesdienstbesucher und Polizisten auf, die zum Zeitpunkt des Anschlages vor der Kirche gestanden hatten. Die ägyptische Regierung hatte schon relativ bald nach dem Anschlag ausländische Terroristen mit Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida für das Massaker verantwortlich gemacht.

Die Protestaktionen von Christen gegen den Anschlag, gingen derweil weiter. An einigen Demonstrationszügen beteiligten sich auch Muslime. An der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo versammelten sich etwa 2000 Studenten. Sie riefen: "Ich bin Muslim, und ich lehne dies ab" und "Wir sagen nein, zu denjenigen, die Ägypten in Brand setzen wollen".

Die Polizei verstärkte unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen rund um die größeren Kirchen des Landes. Die koptisch-orthodoxen Christen feiern am 7. Januar das Weihnachtsfest. Vor einem Jahr hatte ein Extremist in der Weihnachtsnacht in der oberägyptischen Ortschaft Naga Hammadi nach dem Gottesdienst sechs Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen.

hen/dpa



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Cäsarenwächter 04.01.2011
1. die Früchte des Terrors
Wer auch immer dieses Verbrechen an friedliche Menschen verübt haben sollte, eines dürfte wohl klar sein: Sie Islamisten haben auf ganzer Linie gesiegt. Warum? 1.Die Auswanderungswelle der agyptischen Christen wird verstärkt anhalten, ähnlich wie im Irak. 2.Die Fronten zwischen den Religionsanhängern wird sich verschärfen. Misstrauen überall. 3.Islamisten werden möglicherweise die Macht in Ägypten an sich reißen. Wenn es keine Kopten mehr im Nahen Osten geben wird, ist das Christentum dort Geschichte!
Zappa_forever 04.01.2011
2. Jein...
Zitat von CäsarenwächterWer auch immer dieses Verbrechen an friedliche Menschen verübt haben sollte, eines dürfte wohl klar sein: Sie Islamisten haben auf ganzer Linie gesiegt. Warum? 1.Die Auswanderungswelle der agyptischen Christen wird verstärkt anhalten, ähnlich wie im Irak. 2.Die Fronten zwischen den Religionsanhängern wird sich verschärfen. Misstrauen überall. 3.Islamisten werden möglicherweise die Macht in Ägypten an sich reißen. Wenn es keine Kopten mehr im Nahen Osten geben wird, ist das Christentum dort Geschichte!
...in der Tendenz haben Sie absolut Recht. Allerdings vergessen sie die christlichen Araber in Syrien, dem Libanon und Jordanien. Dass diese den muslimischen Mehrheitsgesellschaften gelichberechtigt wären, ist freilich auch Wunschvorstellung...
SG1-RL 04.01.2011
3. So ein Unsinn, mit Verlaub.
Zitat von Zappa_forever...in der Tendenz haben Sie absolut Recht. Allerdings vergessen sie die christlichen Araber in Syrien, dem Libanon und Jordanien. Dass diese den muslimischen Mehrheitsgesellschaften gelichberechtigt wären, ist freilich auch Wunschvorstellung...
Der Praesident des Libanons ist ein Christ. So steht es in der Verfassung und wird seit der Unabhaengigkeit so gehandhabt. Soviel zur Gleichberechtigung. Aegypten ist aber auch 250 Jahre hinter dem Libanon, also kein wirklich guter Vergleich.
Mixia, 04.01.2011
4. Was können wir für die christliche Urbevölkerung in islamischen Ländern machen?
Zitat von SG1-RLDer Praesident des Libanons ist ein Christ. So steht es in der Verfassung und wird seit der Unabhaengigkeit so gehandhabt. Soviel zur Gleichberechtigung. Aegypten ist aber auch 250 Jahre hinter dem Libanon, also kein wirklich guter Vergleich.
Libanon ist ein Musterstaat für die Gleichberechtigung von überlebender christlicher Urbevölkerung in vormals islamisch beherrschten Ländern. Davon ist Ägypten selbstverständlich weit entfernt. Leider ist der Libanon auch kein glückliches Beispiel, denn wir wissen um die Bürgerkriege unter denen dieses einst blühende Land deswegen gelitten hat. Und inzwischen ist die islamistische Hisbollah zu einer bedrohlichen illegitimen Macht im Lande geworden. Wie kann man erreichen, dass die Reste der christlichen Bevölkerung in Ägypten und Irak gleichberechtigt und frei von Verfolgung in ihren Ländern leben können? Für die mit den geschichtlichen Zusammenhängen nicht völlig Vertrauten möchte ich kurz die relevante Geschichte der afrikanischen und nahöstlichen Mittelmeerwelt zusammenfassen: Seit der Eroberung durch islamische Araber und Türken im Mittelalter wurde die christliche Urbevölkerung entweder ganz ausgelöscht (in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen) oder zur Minderheit gemacht (in Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon, Irak, Türkei). In der Türkei wurde die christliche Minderheit der Armenier, Syrer/Aramäer und Griechen Anfang des 20. Jahrhunderts durch Völkermord und Vertreibung ausgelöscht. In Irak läuft seit der Eroberung des Landes durch die sogenannte "Koalition der Willigen" eine Vertreibung der verbliebenen christlichen Minderheit, die schon fast abgeschlossen ist. Überlebend sind heute nur noch die Minderheiten der Kopten Ägyptens und der Syrer/Aramäer in Syrien, Jordanien und Libanon. Beides sind nicht nur Religionsgemeinschaften, sondern auch die Bewahrer von hohen Kultursprachen der Antike – der des alten Ägyptens und des assyrischen Reiches. Was können wir im sogenannten Westen machen, um die Kultur der antiken Urbevölkerung in diesen Ländern zu schützen? Ich habe keine wirklich gute Idee. Materiell/militärisch hat der sogenannte Westen in dem historischen Augenblick der jüngeren Geschichte die Macht, auf der Welt alles Machbare durchzusetzen. Aber nicht alles ist machbar, zumindest nicht mit militärischen Mitteln. Diktatoren zu stürzen führte im Irak zur Vertreibung der Christen ...
Abraksara 11.01.2011
5. Asiate mit langem Haar?
Zitat von sysopEs soll sich um einen "asiatisch aussehenden Mann" handeln: Die ägyptische Polizei hat nach eigenen Angaben den Attentäter identifiziert, der in der Silvesternacht einen Anschlag auf koptische Christen*in Alexandria verübt hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737779,00.html
Die ägyptische Regierung hatte schon relativ bald, nach dem Anschlag ausländische Terroristen mit Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida für das Massaker verantwortlich gemacht. Und dazu passend findet man den Kopf eines "asiatisch aussehenden Mannes" mit langem Haar als Beweis für die Identität des Selbstmordattentäter. Selbst der naivste Zeitgenosse hat längst bemerkt, dass dies ein reines Ablenkungs- und Täuschungsmanöver des Despoten Mubarak und seines Regimes ist. Asiatisches Aussehen und dann noch lange Haare, welch eine grandiose Inszenierung des Staatstheaters. Die Ursachen sind alleine in der geschundenen ägyptischen Alltagswirklichkeit zu suchen, ob es dem Despoten passt oder nicht. Offensichtliche Fälschungen und erlogene Erfolgsmeldungen des Regimes glauben die meisten Ägypter schon lange nicht mehr. Beispiel: Peinliche Fotomontage: Mubarak, der vorgeschobene Präsident - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717867,00.html
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