Blutbad in Syrien USA fordern Assads Rücktritt

Der Machtkampf in Syrien eskaliert. Kurz vor der Ankunft arabischer Beobachter sind nach Angaben von Menschenrechtlern 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden. Die US-Regierung reagierte prompt: Präsident Assad habe es nicht verdient, das Land weiter zu regieren.

Präsident Baschar al-Assad: USA sehen Machtverzicht als einzigen Weg für einen Wandel
AP/ SANA

Präsident Baschar al-Assad: USA sehen Machtverzicht als einzigen Weg für einen Wandel


Washington/Damaskus - In seltener Schärfe hat die US-Regierung auf Berichte über neue Blutbäder in Syrien reagiert: "Die Worte des Assad-Regimes sind nicht glaubhaft, wenn ihnen abscheuliche und beklagenswerte Handlungen folgen", teilte das Weiße Haus mit. Ein Machtverzicht des Präsidenten Baschar al-Assad sei der einzige Weg für einen politischen Wandel.

"Das Assad-Regime hat immer wieder demonstriert, dass es nicht verdient, Syrien zu regieren." Die USA seien "zutiefst bestürzt über glaubhafte Berichte, nach denen das Assad-Regime weiterhin wahllos Dutzende Zivilisten und Deserteure tötet, Läden und Häuser zerstört und Demonstranten ohne Prozess festnimmt". Washington drohte außerdem mit "weiteren Schritten" der internationalen Gemeinschaft, sollte Assad die Initiative der Arabischen Liga nicht umsetzen und die Gewalt nicht stoppen.

Mindestens 111 Tote

Im Nordwesten Syriens töteten nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten Sicherheitskräfte allein am Dienstag mindestens 111 Zivilisten und Regimegegner. Diese hätten versucht, aus dem Dorf Kafruwed zu fliehen. In Homs sollen zudem zwölf Zivilisten ums Leben gekommen sein.

Außerdem seien bei Kämpfen in der Provinz Idlib mehr als 100 Deserteure getötet oder verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte am Mittwoch in London. Die Aktivisten sprachen vom "blutigsten Tag der syrischen Revolution".

Die Regime-Gegner forderte die Einrichtung einer "sicheren Zone" in den Provinzen Idlib und Homs. Diese Zone sollte international geschützt werden, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Syrischen Nationalrates.

Entsetzen über Massaker an Zivilisten

Die französische Regierung warf den syrischen Sicherheitskräften ein "beispielloses Blutbad" vor. Es müsse alles getan werden, um die "Todesspirale" zu stoppen. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, verurteilte die "exzessive Gewaltanwendung durch das syrische Regime aufs Schärfste". Es sei schauderhaft zu sehen, wie sich Assad und seine Helfer "an die Macht klammern und den Wunsch der syrischen Bevölkerung nach Würde und Freiheit mit Füßen treten".

Der Präsident Assad versucht seit neun Monaten, die Proteste mit Panzern und Soldaten zu stoppen - und weigert sich trotz Sanktionen von der EU, den USA und arabischen Nachbarn, Reformen anzugehen. Regierungsgegner greifen vermehrt zu den Waffen. Soldaten schließen sich der Opposition an, die immer wieder die Sicherheitskräfte angreift. Die Unoschätzt, dass bisher mindestens 5000 Menschen bei den Kämpfen getötet wurden.

Beobachter der Arabischen Liga erwartet

Für Donnerstag wird eine Voraustrupp der Beobachtermission der Arabischen Liga in Damaskus erwartet. Das Team solle eine größer angelegte Beobachtungsmission vorbereiten und damit auf einen arabischen Plan zur Beendigung der Gewalt in Syrien hinarbeiten.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Al-Arabi, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er gehe davon aus, dass die Gruppe Ende kommender Woche vollständig in Syrien sein werde. Mit Beginn des Einsatzes werde die Liga wissen, ob sich die Führung des Landes an den Plan der Organisation zur Beendigung der Gewalt halte.

Der Plan der Arabischen Liga sieht vor, dass sich die syrischen Streitkräfte mit ihren schweren Waffen aus den Straßen der Städte zurückziehen. Ferner sollen Gespräche mit der Opposition aufgenommen werden. Auch soll zunehmend ausländischen Journalisten sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen Zutritt ins Land gewährt werden.

Das syrische Staatsfernsehen zeigte unterdessen Bilder von Truppenübungen. Die Streitkräfte des Landes seien bereit, "jede Aggression, die den Feinden der Nation in den Sinn kommen könnte, zurückzuschlagen", hieß es.

Präsident Assad drohte auch Unterstützern der Aufständischen: Die Lieferung von Waffen, mit denen "terroristische Taten" begangen würden, könne einem neuen Gesetz zufolge mit dem Tode bestraft werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

heb/Reuters/dpa/AFP



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Seite 1
martin-gott@gmx.de 21.12.2011
1. Vorstufe zum Krieg
Zitat von sysopDer Machtkampf in Syrien eskaliert. Kurz vor der Ankunft arabischer Beobachter sind nach Angaben von Menschenrechtlern 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden. Die US-Regierung reagierte prompt: Präsident Assad habe es nicht verdient, das Land weiter zu regieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805221,00.html
in einen anderen Artikel wurde geschrieben es handelt sich bei den Tóten zum Grossteil um Deserteure. Vor einigen Tagen wurde geschrieben diese Deserteure sind bewaffnet und bekämpfen die regulären Streitkräfte. Das ist ein Indiz für mich das sich Syrien im Bürgerkrieg befindet. In einen sochen Krieg ist es üblich das eine Seite gegen die andere Seite mit militärischen Mitteln vorgeht. Da keine Seite bereit ist ernsthaft mit der anderen zu verhandeln gibt es wohl auch keine andere Möglichkeit als die militärische es sei das Ausland interveniert. Die mediale Vorbereitung dieser ausländischen Intervention scheint angelaufen zu sein wie damals im Irak oder zuletzt in Libyen. Ich bin gespannt ob die Medien wie am Anfang des Irak Krieges auf kritische Berichterstattung verzichten damit ihre Reporter mit auf den Panzern fahren können.
Aufwindkraftwerk 21.12.2011
2. Verschwörungs-PRAXIS
Eine aufschlussreiche Doku des ORF namens "Die Revolutionsprofis" Die Revolutionsprofis - ORF - 1 / 2 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=cY8xFCltdtE) lässt nun keinen Zweifel mehr daran, wer die Strippenzieher der wundersamen arabischen Frühlinge sind, die da einer nach dem anderen ersprießen.
volksschüler 21.12.2011
3. Die haben den Braten gerochen
Zitat von martin-gott@gmx.dein einen anderen Artikel wurde geschrieben es handelt sich bei den Tóten zum Grossteil um Deserteure. Vor einigen Tagen wurde geschrieben diese Deserteure sind bewaffnet und bekämpfen die regulären Streitkräfte. Das ist ein Indiz für mich das sich Syrien im Bürgerkrieg befindet. In einen sochen Krieg ist es üblich das eine Seite gegen die andere Seite mit militärischen Mitteln vorgeht. Da keine Seite bereit ist ernsthaft mit der anderen zu verhandeln gibt es wohl auch keine andere Möglichkeit als die militärische es sei das Ausland interveniert. Die mediale Vorbereitung dieser ausländischen Intervention scheint angelaufen zu sein wie damals im Irak oder zuletzt in Libyen. Ich bin gespannt ob die Medien wie am Anfang des Irak Krieges auf kritische Berichterstattung verzichten damit ihre Reporter mit auf den Panzern fahren können.
Die Aufständichen (Rebellen Deserteure?) haben den Braten gerochen. Wie in Libyen wird die Regierung nicht gehört. Der Despot (ich liebe diesen Ausdruck) muß abdanken. Koste es was es wolle. Killary Clinton hat es gesagt. Assad hat fertig. Also wird das auch so sein. Beobachter ins Land? Bulls.... brauchen wir nicht. Wir haben unsere Informationen von Syria human rights watch. Dem kleinen Laden in London. Und das reicht. Auf gehts, wir müssen schützen ;-) Das Aufständiche bomben...nein kann nicht sein die sind doch sooo friedlich.
Cotti 21.12.2011
4. Heuchelei
Zitat von sysopDer Machtkampf in Syrien eskaliert. Kurz vor der Ankunft arabischer Beobachter sind nach Angaben von Menschenrechtlern 111 Zivilisten von Sicherheitskräften getötet worden. Die US-Regierung reagierte prompt: Präsident Assad habe es nicht verdient, das Land weiter zu regieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805221,00.html
Wenn US-Präsidenten bei jedem "Blutbad" an unschuldigen Zivilisten zurücktreten würden, müsste man im "Weißen Haus" eine Drehtür einbauen.
Diomedes 21.12.2011
5. Wenn Inkasso Washington öfter klingeln muß: In Syrien dauert es länger als in Libyen
Inkasso Washington hat ja schon seit geraumer Zeit Großkampftag, denn der Geschäftsplan des jüngeren Buschs, zur Umgestaltung des Morgenlands nach VS-Gutdünken, soll nun umgesetzt werden; allerdings leicht verändert, statt einem unmittelbaren VS-Einfall, begründet mit allerlei Lügenmärchen und einer zirkusreifen Darbietung derselbigen vor den VN, scheint Inkasso Washington nun dazu übergegangen zu sein in den entsprechenden Ländern Aufstände und Staatsstreiche anzustiften und diese dann aus der Luft, durch Waffenlieferungen und mit Spezialeinheiten zu unterstützen, was ungleich preiswerter und weniger gefährlich ist (und Inkasso Washington ist als sehr fürsorglicher Arbeitgeber stets bestrebt das Risiko für seine Mitarbeiter zu verringern); um dies der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen werden wieder reichlich Gräuelmärchen erzählt und von der Presse Unmengen an Tinte verspritzt; auch scheint Inkasso Washington sich um eine Zustimmung der Moskauer und Pekinger Konkurrenz zu bemühen, damit diese die angestrebten Länderknechtungen nicht hintertreiben; und da dies in Libyen sehr erfolgreich war, dürfte nun diese neue Vorgehensweise auch gegen Syrien versucht werden, was eine ungleich größere und härtere Nuß zu sein scheint. Syrien selbst befindet sich als Verteidiger in der elenden Lage, daß es sich gegen einen VS-Luftangriff nicht verteidigen kann und schon gar nicht, wenn dieser in Verbindung mit einem türkischen Einfall durchgeführt werden sollte. So kann Syrien nur auf Verbündete hoffen; worauf der Verteidiger immer mehr hoffen darf als der Angreifer, wie Clausewitz sagen würde: "er wird um so sicherer darauf rechnen dürfen, je bedeutender sein Dasein für alle übrigen, d. h. je gesunder und kräftiger sein politischer und kriegerischer Zustand ist" – doch ist eben fraglich, ob Syrien China und seinem Anhang Rußland soviel wert ist, daß diese gegen die VS-Amerikaner und deren Hilfsvölker in den Krieg ziehen; zumal China in den jüngsten Kriegen der VS-Amerikaner immer den Löwenanteil der Rohstoffkriegsbeute erhalten hat und daher keinen Grund hat tätig zu werden. Verbleibt einzig Persien, welches einigen Grund zur Annahme hat, daß es als nächstes angegriffen werden soll und daß Syrien unter anderem deshalb geknechtet werden soll, weil es mit Persien verbündet ist. Freilich, Persien könnte allenfalls die Ölversorgung am Golf lahm zu legen versuchen oder die VS-Besatzungs- und Schutztruppen mit überlegener Macht zu überrennen, aber beides würde Persien nicht den Sieg, sondern nur einen großen Krieg verschaffen. Im Übrigen bin ich dafür, daß der Brüsseler EU-Moloch und das Spielgeld Euro zerstört werden müssen!
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