Blutiger Machtkampf Dutzende Tote im Jemen

Eine schnelle Lösung des Konflikts ist offenbar in weiter Ferne - der Machtkampf im Jemen eskaliert: Bei blutigen Gefechten zwischen Anhängern der Staatsführung und gegnerischen Stammeskriegern kamen mehr als 40 Menschen ums Leben. Präsident Salih verweigert weiter den Rücktritt.

Jederzeit schussbereit: Ein Anhänger von Stammesführer Sadik al-Ahmar
REUTERS

Jederzeit schussbereit: Ein Anhänger von Stammesführer Sadik al-Ahmar


Sanaa - Das Land steht am Rand eines Bürgerkriegs: Nach der neuerlichen Weigerung von Präsident Ali Abdullah Salih, zurückzutreten, ist der Machtkampf im Jemen eskaliert. Bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Sanaa kamen am Donnerstag mehr als 40 Menschen ums Leben.

Seit Montag liefern sich Regierungstruppen und Kämpfer von Sadik al-Ahmar, Stammesführer der Haschid, heftige Gefechte. Ahmar unterstützt die Opposition, die den Rücktritt von Salih fordert - und ist entschlossen, seinen Kampf fortzusetzen. Weitere Vermittlungsbemühungen schloss Ahmar aus: "Er wird dieses Land barfuß verlassen", sagte er über Salih.

Ahmar forderte die arabischen Länder sowie die Weltmächte auf, den seit 33 Jahren autoritär regierenden Salih zum Rücktritt zu bewegen. "Ali Abdullah Salih ist ein Lügner, Lügner, Lügner", sagte er.

Allein auf dem Gelände eines Waffenlagers wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht bei einer Explosion 28 Menschen getötet. Hunderte Bewohner Sanaas flohen aus der Hauptstadt. Sie hatten ihre Habseligkeiten in Eile auf den Dächern ihrer Autos verstaut. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Festnahme von "aufständischen Anführern" des Ahmar-Clans an. Ahmar hatte sich im März von Salih losgesagt und auf die Seite der Regierungskritiker geschlagen.

Mindestens 18 Menschen seien bei nächtlichen Kämpfen zwischen der republikanischen Garde und Anhängern des Arhab-Stammes ums Leben gekommen, teilte ein Stammesvertreter mit. Im Hauptstadtbezirk al-Hasaba wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Saba bei Gefechten zwischen Anhängern Salihs und Mitgliedern des mächtigen Hasched-Stammes sechs weitere Menschen getötet, unter ihnen vier Zivilisten.

Die jüngsten Kämpfe entbrannten, als Kämpfer der Ahmar-Familie im Norden Sanaas versuchten, Regierungsgebäude zu stürmen. Vor Bäckereien, Tankstellen und Banken bildeten sich lange Schlangen. Die USA forderten das nicht-diplomatische Botschaftspersonal und Familienangehörige zum Verlassen des Landes auf.

Der G-8-Gipfel im französischen Deauville rief Salih zum Rücktritt auf. Salih trage die Verantwortung für die Kämpfe, erklärte ein Sprecher des französischen Außenministeriums. Weil der Präsident den Rücktritt verweigere, seien die politischen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts in eine Sackgasse geraten. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton bestand auf dem Rücktritt des langjährigen US-Verbündeten im Kampf gegen radikale Islamisten.

Die Regierung in Washington befürchtet, dass ein Zusammenbruch des ohnehin schon finanziell angeschlagenen jemenitischen Staates die Sicherheit in der Region untergraben und auf den weltgrößten Erdöl-Exporteur Saudi-Arabien übergreifen könnte.

Die Straßenschlachten waren am Montag ausgebrochen, nachdem Präsident Salih erneut die Unterzeichnung eines Abkommens verweigert hatte, das seinen Rücktritt binnen eines Monats vorsieht. Im Jemen gibt es seit drei Monaten Demonstrationen gegen den langjährigen Staatschef. Salih hatte am Mittwoch Zugeständnisse an seine Gegner ausgeschlossen.

hen/Reuters/AFP



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