Bluttat in Afghanistan Amokläufer droht Todesstrafe in den USA

Er hat 16 afghanische Zivilisten erschossen, nun droht dem US-Soldaten womöglich die Todesstrafe. Das deutete Verteidigungsminister Panetta an. Zugleich werden Details aus dem Leben des Amokläufers bekannt: Bei einem Einsatz im Irak soll er schwere Kopfverletzungen erlitten haben.

US-Verteidigungsminister Panetta: "Todesstrafe könnte in Frage kommen"
AFP

US-Verteidigungsminister Panetta: "Todesstrafe könnte in Frage kommen"


Washington - US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat die Todesstrafe für den amerikanischen Soldaten ins Spiel gebracht, der am Sonntag 16 afghanische Zivilisten erschossen hat. Panetta schloss nicht aus, dass der Amoklauf mit der härtestmöglichen Strafe geahndet werden könnte. "Nach meinem Verständnis könnte das unter diesen Umständen in Frage kommen", sagte Panetta.

Am Sonntag hatte ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Dorfbewohner erschossen. Augenzeugen hatten zunächst von mehreren Angreifern berichtet. Dagegen sprachen Vertreter der US-Botschaft und der Nato von einem Einzeltäter, bei dem es sich um einen verheirateten Vater von drei Kindern handeln soll.

Bekannt wurde nun, dass der Soldat sich bei einem Einsatz im Irak 2010 schwere Kopfverletzungen zugezogen haben soll. Militärärzte hätten ihn dennoch für einen Einsatz in Afghanistan für fit erklärt, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsvertreter.

Die nicht näher bezeichneten Hirnverletzungen habe sich der heute 38 Jahre alte Soldat bei einem Autounfall zugezogen, hieß es weiter. Es handele sich bei dem Mann um einen ausgebildeten Scharfschützen, der insgesamt dreimal im Irak gedient habe. Der Festgenommene verweigere die Aussage.

Taliban drohen mit Racheaktionen

US-Regierung und Nato bemühen sich, die Tat als Einzelfall darzustellen. Nach bisherigen Ermittlungen müsse man von einem Einzeltäter ausgehen, sagte der Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Allen. Der Soldat habe sich in der Nacht zum Sonntag von seinem Stützpunkt im Unruhedistrikt Pandschwai entfernt. Daraufhin sei ein Suchtrupp aufgestellt worden. Kurz darauf habe man aber bereits erste Informationen über das Massaker erhalten.

Verteidigungsminister Panetta bezeichnete die Tötungen als isolierten Exzess eines Einzeltäters. Über das Motiv herrsche weiter Unklarheit. "Das sind schreckliche Ereignisse", sagte der Minister. Doch in Kriegen werde es immer wieder zu derartigen Fällen kommen. Auch US-Präsident Barack Obama betonte in einem TV-Interview: "Es sieht so aus, als ob es sich um einen einzelnen Amokschützen handelt, der auf eigene Faust handelte."

Außenministerin Hillary Clinton versprach in New York, die Regierung werde alles tun, um den Soldaten zur Verantwortung zu ziehen. "Es ist furchtbar. Grauenhaft. Ich kann mir die Trauer der Familien nicht einmal vorstellen." Ungeachtet des Blutbads bleibe es aber weiterhin Ziel der USA, das Terrornetzwerk al-Qaida zu besiegen, stellte das Weiße Haus klar.

Das Parlament in Kabul richtete eine scharfe Warnung an die internationalen Soldaten. "Die Toleranzgrenze des afghanischen Volkes ist erreicht", hieß es. Die US-Regierung wurde aufgefordert, "die Täter sobald wie möglich in einem öffentlichen Gericht in Afghanistan unter Beteiligung des afghanischen Volkes zu bestrafen". All jenen solle eine Lektion erteilt werden, "die das Blut von Afghanen unter irgendeinem Vorwand vergießen". Die radikalislamischen Taliban kündigten Vergeltung für das Massaker an. In einer E-Mail drohte ein Taliban-Sprecher mit massiven Racheaktionen.

cte/Reuters/dpa



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theodorheuss 13.03.2012
1. Das ist doch
Zitat von sysopAFPEr hat 16 afghanische Zivilisten erschossen, nun droht dem US-Soldaten womöglich die Todesstrafe. Das deutete Verteidigungsminister Panetta an. Zugleich werden Details aus dem Leben des Amokläufers bekannt: Bei einem Einsatz im Irak soll er schwere Kopfverletzungen erlitten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820944,00.html
einfach nur verlogen. Der Soldat soll evtl. mit seinem Leben bezahlen für seine grausame Tat. Eine ganz klar politisch motivierte Aussage um Unruhen unter der Afghanischen Bevölkerung möglichst erst gar nicht aufkommen zu lassen. Zum einen gehört die Todesstrafe sowieso abgeschafft, und zum anderen ist der Täter psychisch Krank. Auf ewig in einem Militärgefängnis wegsperren wäre die richtige Entscheidung. Aber da die Afghanen Blut sehen wollen werden sie dieses evtl. auch bekommen.
blitzunddonner 13.03.2012
2. interessant! todesstrafe für einen kriegsversehrten ...
Zitat von sysopAFPEr hat 16 afghanische Zivilisten erschossen, nun droht dem US-Soldaten womöglich die Todesstrafe. Das deutete Verteidigungsminister Panetta an. Zugleich werden Details aus dem Leben des Amokläufers bekannt: Bei einem Einsatz im Irak soll er schwere Kopfverletzungen erlitten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820944,00.html
... us-soldaten, der wohl nicht mehr hätte in dienst sein dürfen. wurde nicht schon einmal ein behinderter in den usa hingerichtet? hoffentllich ist das nur eine diplomatische finte, um den genauso irren taliban den wind aus den segeln zu nehmen. ja, die ausgewanderten superchristen ...
frubi 13.03.2012
3. .
Zitat von sysopAFPEr hat 16 afghanische Zivilisten erschossen, nun droht dem US-Soldaten womöglich die Todesstrafe. Das deutete Verteidigungsminister Panetta an. Zugleich werden Details aus dem Leben des Amokläufers bekannt: Bei einem Einsatz im Irak soll er schwere Kopfverletzungen erlitten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820944,00.html
"Verteidigungsminister Panetta bezeichnete die Tötungen als isolierten Exzess eines Einzeltäters." Kill Team schon vergessen? Irgendwas scheint in diesem Lager nicht zu stimmen. Aber das wird die Öffentlichkeit sicherlich nie erfahren. Notfalls gefährdet eine Veröffentlichung von brisanten Fakten die nationale Sicherheit. Ich finde es auch typisch, dass sich nach 2 Tagen direkt auf einen Einzeltäter festgelegt wird. Da sollte man doch lieber genauere Ermittlungen abwarten. Vor allem dann, wenn der Hauptverdächtige schweigt. Die afghanischen Zeugen nimmt man sicherlich auch nicht ernst. Ab ins Protokoll und dann zu den Akten.
Systemrelevanter 13.03.2012
4. Populismus
Das wird doch nur kolportiert, damit in Asghanistan nicht gleich wieder alle Hitzköpfe ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: empört sein und randalieren. Der Mann ist ganz offensichtlich krank und es gilt wohl auch zu klären, warum er in der besten Armee der Welt nicht die Hilfe bekommen hat, die ihm zugestanden hat.
MütterchenMüh 13.03.2012
5. Zweifelhaftes Verhalten
Zitat von sysopAFPEr hat 16 afghanische Zivilisten erschossen, nun droht dem US-Soldaten womöglich die Todesstrafe. Das deutete Verteidigungsminister Panetta an. Zugleich werden Details aus dem Leben des Amokläufers bekannt: Bei einem Einsatz im Irak soll er schwere Kopfverletzungen erlitten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820944,00.html
Was sind die Staaten doch für ein primitives Land. Die Äusserungen Panetta´s sind so nur als Vorverurteilung zu deuten. Ich persönlich hoffe aber, dass der mit diesen Äusserungen nur die afghanischen Medien/Bevölkerung beruhigen will.
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