BND-Affäre Unbekannte Gruppe bekennt sich zu Anschlag im Kosovo

Die drei im Kosovo verhafteten BND-Mitarbeiter kommen möglicherweise schon am Freitag frei. Sie sollen nichts mit einem Anschlag auf das Hauptquartier der EU in Pristina zu tun haben. Stattdessen hat sich eine unbekannte Gruppierung zu der Tat bekannt.


Pristina - Die Gruppe nennt sich Armee der Republik Kosovo (ARK). Ein Polizeisprecher in der kosovarischen Hauptstadt Pristina sagte, die ARK habe sich in einer E-Mail an mehrere Medien zu dem Anschlag auf das Büro des EU-Sondergesandten in Pristina bekannt. Sie drohte mit weiteren Anschlägen, sie werde "mit voller Kraft" zuzuschlagen, wenn die vom Uno-Sicherheitsrat abgesegneten Pläne zum Aufbau der EU-Polizei- und Justizmission Eulex in ihrer derzeitigen Form vollständig umgesetzt werden. Eulex arbeite zu serbischen Bedingungen und werde von den Albanern abgelehnt.

Bald frei? Die drei BND-Männer beim Verhör in Pristina

Bald frei? Die drei BND-Männer beim Verhör in Pristina

Die Polizei gehe jedoch davon aus, "dass diese Organisation, ihre Behauptung und Drohungen nicht ernstzunehmen sind", sagte der Sprecher. Die Polizei werde jedoch "ernsthaft" ermitteln.

Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen könnte am Freitag im Kosovo eine Entscheidung über eine Freilassung der drei BND-Mitarbeiter gefällt werden. Demnach gab der Gerichtspräsident in Pristina bekannt, er rechne damit, dass der Richterausschuss des Obersten Gerichts über eine mögliche Entlassung entscheide.

Ein ursprünglich für den heutigen Donnerstag angekündigter Beschluss des Kreisgerichts in Pristina über die Aufhebung der Untersuchungshaft kam nicht zustande, berichtete dessen Präsident Anton Nokaj. Stattdessen werden die Justizbehörden den Fall nun an den Uno-Richter Vinont Bolello abtreten, kündigte er an. Wann dieser entscheiden werde, sei unklar.

Den drei BND-Männern war vorgeworfen worden, vor knapp zwei Wochen an einem Bombenanschlag auf das Kosovo-Hauptquartier der Europäischen Union (EU) in Pristina beteiligt gewesen zu sein.

Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags (PKG) in Berlin forderte die sofortige Freilassung der drei Deutschen. BND-Chef Ernst Uhrlau hatte in der geheimen Ausschusssitzung erstmals bestätigt, dass es sich bei den drei Festgenommenen um BND-Agenten handelt. Der Ausschuss-Vorsitzende Thomas Oppermann (SPD) sprach von "unmenschlichen Bedingungen", unter denen die Männer seit neun Tagen festgehalten würden. Die Umstände der Verhaftung seien weiterhin "rätselhaft". Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele verlangte, dass die Agenten nach einer Freilassung vor dem Ausschuss selbst Rede und Antwort stehen müssten.

Der FDP-Abgeordnete Max Stadler sagte: "Der ganze Vorgang bleibt mysteriös." Oppermann sagte nach rund zweieinhalbstündigen Beratungen ferner, dass es "keine Anhaltspunkte gibt, dass die drei Deutschen in einen Anschlag verwickelt sein könnten". Deshalb erwarte der Ausschuss, dass die "Gefangenen" unverzüglich freigelassen würden.

Im Kosovo war bekanntgeworden, dass ein türkisches Labor keinerlei Sprengstoffspuren an der Kleidung und der Ausrüstung der Deutschen hatte nachweisen können. Es gebe "sehr wenig Chancen", Beweise gegen die drei mutmaßlichen Agenten vorzulegen, hatte das staatliche Kosovo-Fernsehen berichtet.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte am Vorabend der lange blockierten EU-Mission im Kosovo zugestimmt. Allerdings dürfen die 2000 europäischen Polizisten, Richter und Verwaltungsexperten nur in von Albanern besiedelten Regionen stationiert werden. In den Regionen mit serbischer Minderheit bleibt weiter die seit 1999 bestehende Uno-Kosovo-Verwaltung (Unmik) zuständig. Die albanische Regierung und auch die Opposition im Kosovo hatten diese Regelung als Beeinträchtigung der Souveränität des seit neun Monaten unabhängigen Landes strikt abgelehnt.

asc/Reuters/AFP/dpa



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