Bob Corker Trump legt sich mit republikanischem Senator an

Donald Trump hat seinen prominenten Parteikollegen Bob Corker scharf kritisiert. Der Senator reagierte mit ungewöhnlich deutlichen Worten: Der US-Präsident sei rücksichtslos - und drohe, das Land in Richtung Weltkrieg zu steuern.

Senator Bob Corker
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Senator Bob Corker


Zwischen US-Präsident Donald Trump und einem führenden republikanischen Senator, Bob Corker, ist eine außergewöhnlich offene Fehde ausgebrochen. Sie gipfelte am Sonntagabend in einem Interview Corkers, in dem er sich extrem kritisch über Trump äußerte. Er sei über einen Präsidenten besorgt, der sich aufführe, als wäre er in einer TV-Realityshow, zitierte die "New York Times" aus dem Interview. "Er macht mir Sorgen. Er sollte jedem Sorgen bereiten, dem unser Land am Herzen liegt."

In rücksichtsloser Weise drohe Trump anderen Ländern, sagte Corker dem Bericht zufolge. Mit diesem Verhalten könnte der US-Präsident das Land "auf den Weg in Richtung dritter Weltkrieg führen". Trump hatte in den vergangenen Wochen wiederholt in Richtung Pjöngjang gedroht und unter anderem eine totale Vernichtung Nordkoreas im Fall einer Bedrohung der USA oder deren Verbündeter angekündigt.

Corker ist Senator des US-Bundesstaats Tennessee und unter anderem Vorsitzender des wichtigen Auswärtigen Ausschusses der kleineren Kongresskammer. Der außenpolitische Experte wurde 2016 als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten unter Trump gehandelt. Er gilt als vergleichsweise besonnen und differenziert in seinen Wortmeldungen.

Stunden vor dem Interview Corkers hatte Trump in einer Reihe von Tweets gegen den Senator gewettert. Er hatte kürzlich mitgeteilt, dass er bei der Kongresswahl im November 2018 nicht erneut kandidieren wird. Trump twitterte dazu unter anderem, "Corker hat darum 'gebettelt', dass ich ihn bei seiner Wiederwahl unterstütze". Das habe er aber abgelehnt. Corker habe daraufhin auf eine erneute Kandidatur verzichtet und als Grund angegeben, "dass er ohne meine Unterstützung nicht gewinnen kann", schrieb Trump.

Corker habe zudem US-Außenminister werden wollen, "ich habe 'NEIN DANKE' gesagt". Laut Trump ist Corker auch weitgehend für den "grauenhaften" Atomdeal mit Iran verantwortlich. Er bezog sich dabei auf die Multi-Staaten-Vereinbarung, die Teheran im Gegenzug zur Aufhebung internationaler Sanktionen zur Begrenzung seines Atomprogramms verpflichtet. Zusammenfassend schreibt Trump, es überrasche ihn nicht, dass Corker "eine negative Stimme" sei und "unserer großartigen Agenda im Weg steht".

Hintergrund für Trumps Attacken sind US-Medien zufolge offenbar Äußerungen Corkers in der vergangenen Woche. Da hatte der Senator angedeutet, Trump bedürfe dringend einer Beaufsichtigung. Außenminister Rex Tillerson, Verteidigungsminister James Mattis und der Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, seien "jene Menschen, die unser Land vor dem Chaos bewahren".

Schon Mitte August hatte sich Corker kritisch zu Trump geäußert. "Der Präsident war bisher nicht fähig, die Stabilität oder etwas von der Kompetenz an den Tag zu legen, die er braucht, um erfolgreich zu sein." Auf Trumps jüngste Twitter-Tirade reagierte Corker zunächst mit einem Tweet: "Es ist eine Schande, dass das Weiße Haus eine Tagesbetreuungsstätte für Erwachsene geworden ist. Jemand hat offensichtlich heute Morgen seine Schicht versäumt." Wenige Stunden später folgte dann das Interview, aus dem die "NYT" zitierte.

Darin wies Corker auch Trumps Behauptung zurück, er habe um dessen Unterstützung für eine Wiederwahl gebeten. "Ich weiß nicht, warum der Präsident Dinge twittert, die nicht stimmen. Man weiß, dass er das tut; jeder weiß, dass er das tut." Mit seinen Tweets habe Trump schon "in mehreren Fällen" diplomatischen Bemühungen der USA geschadet. Details nannte Corker nicht.

aar/dpa

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sven2016 09.10.2017
1.
Es ist schade und bezeichnend, dass sich Politiker erst trauen, ihre Meinung zu sagen, nachdem sie beschlossen haben, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Die Trump-Mehrheit im Politbetrieb ist also noch zu stark. Inhaltlich hat der Senator sicher Recht.
stefan7777 09.10.2017
2. Ich wundere mich schon lange
welche Art von Menschen das wein müssen, die die Triaden eines Trump einfach kommentarlos hinnehmen. Keine einzige seiner Beleidigungen und Lügen darf man solch einem Typen durchgehen lassen. Und ja, natürlich eskaliert das, muß es auch!
bloedel123 09.10.2017
3. Betreutes Regieren
Das bringt es ganz gut auf den Punkt.....
dogeatdog 09.10.2017
4. Ohne Worte
Entweder der Herr T. lügt oder er plaudert über Interna. Beides des Amtes nicht würdig.
Schlaflöwe 09.10.2017
5. Trumps Macht zerfällt
Immer mehr US-Amerikaner begreifen offenbar, dass Trump nur ein politisches Programm hat und das heißt: Trump und dass der hemmungslose Egomane dem Land permanent Schaden zufügt.
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