Von Boko Haram entführt Freigelassene Mädchen treffen ihre Eltern

Wiedersehen nach mehr als drei Jahren: In Nigeria sind 82 Mädchen, die von der Islamistengruppe Boko Haram verschleppt worden waren, wieder mit ihren Familien vereint. Nach Hause dürfen sie trotzdem noch nicht.

DPA

Mehr als drei Jahre waren sie Gefangene der islamistischen Terrormiliz Boko Haram, Anfang Mai wurden sie freigelassen - und jetzt sind sie endlich wieder mit ihren Familien vereint: 82 überwiegend christliche Schülerinnen aus Nigeria haben am Samstag in der Hauptstadt Abuja ihre Eltern getroffen.

Es war ein emotionales Wiedersehen. Einige sanken auf die Knie, andere tanzten, viele weinten.

"Ich bin so glücklich, das ist wie Weihnachten und Neujahr zusammen", sagte eine Mutter. Eine andere meinte, die Freude sei getrübt, weil noch immer 113 Mädchen vermisst werden.

Insgesamt 276 Mädchen waren im April 2014 von der Terrormiliz Boko Haram aus einer Schule in Chibok im Nordosten des Landes verschleppt worden. Sie sollen von Boko Haram zum Übertritt zum Islam genötigt und teilweise als Sexsklavinnen gehalten worden sein. Einige Mädchen haben während der Geiselhaft Kinder zur Welt gebracht.

Etwa 50 Verschleppten war kurz nach der Entführung die Flucht gelungen. Einige konnten zudem vom Militär befreit oder durch Verhandlungen in Sicherheit gebracht werden. Die Freilassung der 82 Mädchen Anfang Mai folgte auf Verhandlungen, an denen unter anderem die Schweizer Regierung, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sowie nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen mitgewirkt hatten.

Fotostrecke

13  Bilder
Entführte Schülerinnen bei ihren Familien: "Das ist wie Weihnachten"

Dass die Mädchen erst jetzt ihre Familien treffen durften, hing damit zusammen, dass sie erst noch von Sicherheitsdiensten befragt und ihre Identität zweifelsfrei geklärt werden sollte.

Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, sollen sie auch die nächsten Monate noch in der Hauptstadt bleiben. Die Regierung habe für die 82 Mädchen ein Reintegrationsprogramm geschaffen, das Präsident Muhammadu Buhari persönlich überwachen wolle. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Mädchen so lange von ihrer Heimat ferngehalten werden.

Aus Regierungskreisen hieß es, im Austausch für die entführten Schülerinnen seien fünf Boko-Haram-Kommandeure freigelassen worden. AP meldet, die nigerianische Regierung sei bereit, weitere inhaftierte Boko-Haram-Kämpfer im Tausch für die noch Vermissten freizulassen.

vet/dpa/AP

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.