Boko Haram in Nigeria Opferzahl nach Islamistenangriff steigt auf über 140

Die Attacke im Norden Nigerias ereignete sich schon am Dienstag - und noch immer entdeckt die Polizei Leichen im Busch: Bei dem Angriff auf Reisende starben mindestens 143 Menschen. Auch in der Hauptstadt Abuja kam es zu einem Zwischenfall mit der Terrorsekte Boko Haram.

Verbrannte Autos in Benisheik: Viele Tote nach Angriff geborgen
AFP

Verbrannte Autos in Benisheik: Viele Tote nach Angriff geborgen


Abuja - Erst nach drei Tagen wird das ganze Ausmaß eines blutigen Angriffs im Norden von Nigeria deutlich. Sicherheitskräfte haben bisher 143 Tote nach dem Anschlag auf Reisende geborgen, hinter dem die radikale islamistische Verbindung Boko Haram vermutet wird. Die Attacke hatte sich am Dienstag nahe dem Ort Benisheik ereignet.

Die bewaffneten Angreifer hätten Militäruniformen getragen, Menschen aus ihren Fahrzeugen gezerrt und umgebracht, heißt es aus Polizeikreisen. Demnach schossen die Männer um sich und nahmen mehrere Menschen gefangen. Zudem zündeten die Extremisten über 100 Häuser und Autos an.

"Wir finden noch immer tote Menschen am Straßenrand, auch im Busch liegen noch welche", wird der Offizielle Abdulazeez Kolomi von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Zum ersten Mal seit über einem Jahr kam es am Freitag auch in der Hauptstadt Abuja zu einem Zwischenfall mit Boko Haram. Bei Gefechten zwischen der Sekte und Sicherheitskräften sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Der Schusswechsel ereignete sich im Stadtteil Apo, in dem viele Politiker leben. Es habe auch Verletzte gegeben, teilte die Sprecherin des staatlichen Sicherheitsdienstes, Marilyn Ogar, mit.

Zwölf Mitglieder der Sekte seien festgenommen worden. Offenbar wollten die Sicherheitskräfte gerade in einem Haus ein Waffenarsenal der Extremisten ausheben, als diese das Feuer eröffneten. Die Sekte ist im Norden aktiv, selten kommt es jedoch zu offener Gewalt in der Hauptstadt.

Militäroffensive läuft in Norden des Landes

Erst vor zwei Wochen waren bei Kämpfen zwischen der Boko Haram und Mitgliedern einer Bürgerwehr in Benisheik 17 Menschen ums Leben gekommen. Die Islamisten hatten die jungen Männer der Eingreiftruppe aus dem Hinterhalt angegriffen und beschossen. Unter den Opfern waren auch fünf Sektenmitglieder.

Präsident Goodluck Jonathan hatte im Mai den Ausnahmezustand über drei Bundesstaaten in der Region verhängt. Seither läuft eine massive Militäroffensive gegen die Islamisten. Zudem wurden die Bürger ermutigt, ihre Städte mit Selbstschutzgruppen zu verteidigen.

Der Name Boko Haram bedeutet "Westliche Erziehung ist verboten". Die Gruppe will im Norden Nigerias eine strenge Auslegung des islamischen Rechts einführen und hat in den vergangenen Jahren zahlreiche blutige Anschläge unter anderem auf Kirchen, staatliche Einrichtungen und Polizeiwachen mit Tausenden Toten verübt.

jok/Reuters



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