Terror-Botschaft der Boko-Haram Zweihundert Mädchen zwangsverheiratet

Kurz kam in Nigeria Hoffnung auf - doch nun hat sich Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau zu Wort gemeldet. Eine Waffenruhe? Nicht mit ihm. Niederschmetternd ist auch seine Auskunft über die 200 entführten Mädchen.
Terror-Botschaft der Boko-Haram: Zweihundert Mädchen zwangsverheiratet

Terror-Botschaft der Boko-Haram: Zweihundert Mädchen zwangsverheiratet 

Foto: AFP/ Boko Haram

Lagos - Die Terrororganisation Boko Haram hat Angaben der nigerianischen Regierung über eine Waffenruhe mit den Islamisten dementiert. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau habe in einem am Freitag veröffentlichten Video erklärt, er kenne Danladi Adamu nicht, den angeblichen Vertreter der Islamistenmiliz, der mit der nigerianischen Führung verhandelt habe, berichteten die Zeitung "Premium Times" und andere Medien in Nigeria am Samstag übereinstimmend.

Mit dem Dementi schwinden auch die Hoffnungen auf eine Freilassung der mehr als 200 Schülerinnen, die Mitte April in Chibok im Nordosten des Landes von der radikalislamischen Gruppe verschleppt worden waren. "Das Thema Mädchen gehört schon lange der Vergangenheit an, weil ich sie längst verheiratet habe", sagte der Boko-Haram-Anführer, und fügte an: "In diesem Krieg führt kein Weg zurück."

Präsident kündigt erneute Kandidatur an

Boko Haram hatte im April in Chibok, einer Stadt im Nordosten des Landes, 276 Schülerinnen gekidnapped. Einige konnten in den ersten Tagen nach der Entführung fliehen, später berichteten sie von Folter, Missbrauch und Zwangsverheiratungen. 219 Schülerinnen werden weiterhin vermisst. Laut bisher unbestätigten Berichten wurden sie in mehrere Gruppen verteilt, manche seien möglicherweise nach Kamerun oder in den Tschad verschleppt worden.

Die nigerianische Regierung hatte am 17. Oktober erklärt, sich bei Verhandlungen mit Boko Haram auf eine Waffenruhe geeinigt zu haben und verkündet, man sei voller Hoffnung, dass die Mädchen bald freikommen könnten. Für den Präsidenten kam das zur rechten Zeit: Goodluck Jonathan verkündete wenig später, am Donnerstag, dass er bei den Wahlen im Februar erneut kandidieren würde. Nun folgte das Dementi von Shekau. Allerdings wird trotz des ausbleibenden Verhandlungserfolgs und trotz einiger Korruptionsskandale damit gerechnet, dass Jonathan die besten Chancen auf eine weitere Amtszeit hat.

Gewalt hält an

Ungeachtet der vermeintlichen Waffenruhe war es in den vergangenen beiden Wochen weiter zu Gewalt in Nigeria gekommen. Erst am Freitag waren bei einem Bombenanschlag auf einem Busbahnhof in der Stadt Gombe im Nordosten Nigerias nach Krankenhausangaben 30 Menschen ums Leben gekommen.

Shekau hatte im August gesagt, Boko Haram wolle ein islamisches Kalifat nach dem Vorbild des Islamischen Staats (IS) gründen. Menschen, die aus dem von Boko Haram kontrollierten Gebiet fliehen konnten, berichteten, dass die Terrororganisation Einheimische einsperre und unter Berufung auf die Scharia foltere.

bim/AFP/dpa/Reuters/AP
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